Harzgerode: Fünf Menschen verlieren ihr Zuhause

18.07.2012 07:17 Uhr | Aktualisiert 18.07.2012 19:29 Uhr
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Eingangsbereich

Der Eingangsbereich zwischen Wohnhaus und Nebengebäude. Ein Bild der Zerstörung bot sich in den Morgenstunden nach dem Brand. (FOTO: CHRIS WOHLFELD)

Von Ingo Kugenbuch
Ein Mietshaus und ein Lagergebäude in Harzgerode sind bei einem Brand am späten Dienstagabend völlig zerstört worden. Mehrere benachbarte Häuser wurden durch die Flammen beschädigt.
Harzgerode/MZ. 

In der "Freiheit" riecht es auch am Mittwochmorgen noch nach Rauch, die Straße in Harzgerode ist durch weißen Löschschaum schmierig. Jens Euchner, 45, steht auf seinem Hof und versteht die Welt nicht mehr. "Wir haben gestern Abend ein Feierabendbier getrunken, da sagte meine Mutter: ,Das Dach brennt‘", so Euchner.

Dann läuft alles wie ein Film vor ihm ab: Sein Mietshaus mit vier Wohnungen - in einer wohnt er selbst - brennt komplett aus. Seine Mieter - zwei Singles und ein Paar - können sich retten, ohne verletzt zu werden. Aber ihre Wohnungen und ihr Hab und Gut sind zerstört. "Sie sind bei Verwandten und in einer Pension für die Nacht untergekommen", sagt Euchner. "Und ich werde wohl erst mal wieder zu meinen Eltern ziehen."

Seine Firma, deren Räume sich hinter dem Haus befinden, bleibt unbeschädigt. Der Betrieb geht weiter. Als die Brandermittler der Halberstädter Kriminalpolizei am Mittwoch um kurz nach 9 Uhr anrücken, besucht Euchner schon wieder einen Kunden - kaum zwölf Stunden, nachdem die Flammen aus dem Dach seines Hauses schlugen.

Im Lagerhaus von Euchners Betrieb, in dem sich auch die Heizung befindet, ist das Feuer offenbar ausgebrochen. Es brennt völlig aus. "Ich war eine Stunde vor dem Brand noch drin, mir ist nichts aufgefallen", sagt Euchner. Die Polizei schätzt den Schaden an seinen Gebäuden auf 250 000 Euro. Bis Mittwochabend ist ungeklärt, wodurch das Feuer entstanden ist.

Auch die Nachbarn schrammen nur knapp an einer Katastrophe vorbei: Die 72 und 68 Jahre alten Eheleute fliehen aus ihrem Haus, weil die Flammen darauf überzu-greifen drohen. Doch die 74 Feuerwehrleute verhindern das. Die Giebelwand und Teile des Daches werden beschädigt, aber das Haus bleibt bewohnbar. Den Schaden hier schätzt die Polizei auf 50 000 Euro. Die Hitze des Feuers ist so groß, dass sogar in den Häusern auf der gegenüberliegenden Straßenseite Fenster und Türen bersten.

Offenbar hat die Feuerwehr Probleme mit der Wasserversorgung. Wie Nachbar Jürgen Bremisch, 70, berichtet, ist der Deckel des Hydranten nicht zu öffnen, als das Feuer ausbricht. "20 Minuten haben die gekloppt, um ihn aufzukriegen", sagt er. Dabei seien die Stiele von zwei Vorschlaghämmern zu Bruch gegangen. "Da brannte es schon lichterloh", sagt Bremisch. Der Rentner ist immer noch ganz aufgewühlt. "Ich musste erst mal eine Herztablette nehmen", sagt er.

Von den Wasserproblemen weiß Harzgerodes Bürgermeister Jürgen Bentzius (SPD) nichts. "Wir haben mehrere Hydranten benutzt", sagt er. "Die Hilfsbereitschaft hier war groß", so Bentzius. Zwei Harzgeröderinnen hätten drei der obdachlosen Mieter untergebracht. Der Rewe-Markt habe die Feuerwehrleute und die zwölf THW-Helfer kostenlos mit Essen und Getränken versorgt. Trotzdem weiß Bentzius, wie groß die Not der Brandopfer ist, die nun ohne Wohnung dastehen. Darum ruft die Stadtverwaltung zu einer Spendensammlung auf.

Und wie geht es jetzt mit Jens Euchner weiter? "Ich weiß nicht", sagt er und zuckt die Schultern.