Die indirekten Auswirkungen des Bürgerkrieges in Syrien reichen auch bis nach Sachsen-Anhalt. Nach Angaben des Landes studieren derzeit mehr als hundert Syrer hier, einige haben auch Familie. Sie studieren mit Stipendien und Unterstützung ihrer Verwandten aus Syrien - doch durch die Folgen des Bürgerkriegs sind die Zahlungen gestoppt. Den Studenten fehlt jetzt das Geld für ihren Lebensunterhalt.
Die Linke fordert nun Hilfen vom Land, doch die Regierung lehnt ab. Die genaue Zahl der Syrer in Not ist unklar. Nach Angaben der Uni Magdeburg haben sich "mehrere syrische Studierende" mit der Bitte um Unterstützung an die Hochschule gewandt. "Derzeit sind es wenige, aber es ist zu befürchten, dass die Zahl der Betroffenen sehr viel größer ist", sagte Uni-Rektor Klaus Erich Pollmann. Allein in Magdeburg studieren 42 Syrer, in Halle sind es 70.
Die Linke fordert Nothilfe vom Land. "Ich sehe die Landesregierung in der Verantwortung, hier schnell und unbürokratisch zu helfen und wenn nötig finanziell einzuspringen", sagte die Landtagsabgeordnete Henriette Quade. Wissenschafts-Staatssekretär Marco Tullner (CDU) lehnt einen Hilfsfonds des Landes aber ab. "Dafür sehe ich keine Notwendigkeit." Das Land sei nicht zuständig. Pollmann sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Die habe das Problem auch "auf dem Schirm". Passiert sei bisher aber nichts. Wenn von dort nichts komme, werde sich auch die Magdeburger Uni um praktische Unterstützung bemühen. "Wir werden in den nächsten Tagen eine Bestandsaufnahme machen und konkrete Maßnahmen ergreifen", so Pollmann.
An der Uni Halle waren gestern keine Hilfsanfragen von Syrern bekannt. Die evangelische Studentengemeinde hat nach eigenen Angaben schon Studenten geholfen, der allgemeine Hilfsfonds dort ist aber schon fast aufgebraucht.
Es könnte eine hohe Dunkelziffer von Syrern in Not geben, weil die Betroffenen den Kontakt mit Behörden meiden. Wer für seinen Lebensunterhalt nicht sorgen kann, verliert in der Regel seine Aufenthaltserlaubnis. Aktuell schiebt Deutschland aber nicht nach Syrien ab. Derzeit studieren mehr als 2 000 Syrer in Deutschland. Seit 2011 tobt in ihrem Land der Bürgerkrieg, bisher starben zwischen 16 000 und 20 000 Menschen.