Seit Jahren ist das Wittekind-Bad gesperrt. (FOTO: ARCHIV)
Es gab viele Initiativen und Konzepte, die allesamt nicht aufgingen. Und es gab mehrere vergebliche Versuche, das Solbad Wittekind, Halles historisches Kurbad-Ensemble, zu verkaufen. Offenbar ist nun eine Rettung in Sicht: Die Stadt möchte das 15 000 Quadratmeter große Areal zwischen Zoo und Reichardts Garten für 100 000 Euro an die Bauträgerfirma Prof. Schuh Securities aus Halle verkaufen. So sieht es ein Beschlussentwurf vor, der demnächst dem Finanzausschuss vorgelegt wird. Es gab insgesamt fünf weitere Bewerber.
Nach MZ-Informationen will der Investor noch in diesem Jahr mit der Sanierung beginnen. Im ehemaligen Gesellschaftshaus, der "Villa Margarethe" und den Kolonnaden sollen nach seinem Konzept Wohnungen entstehen. Was mit dem langgeschwungenen, markanten ehemaligen Wittekind-Badehaus - dort haben noch in den 1980er Jahren Kranke salzhaltige Nebel eingeatmet - geschieht, ist noch nicht klar. "Die Nutzung wird jedoch im Einklang mit den denkmalpflegerischen Vorgaben erfolgen", heißt es in dem Entwurf. Und: Das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Parks soll erhalten bleiben.
Der Park dürfte der Öffentlichkeit aber mehr oder weniger verloren gehen: Im Vertragsentwurf mit Schuh-Geschäftsführer Temba Schuh ist zwar eine öffentliche Zugänglichkeit geregelt, aber nur "mindestens einmal im Jahr, zum Tag des offenen Denkmals". Die Entscheidung für das Schuh-Konzept fiel auch deswegen, weil das Unternehmen mehrere erfolgreiche Denkmalsanierungen vorzuweisen hat. Dazu gehören das Gut Gimritz auf der Peißnitz, mehrere Gebäude an der Ludwig-Stur-Straße / Luisenstraße oder das Speichergebäude der alten Kröllwitzer Papiermühle. Geschäftsführer Temba Schuh wollte sein Wittekind-Projekt nicht kommentieren, bevor es vom Stadtrat genehmigt sei. "Ich freue mich auf diese Aufgabe" sagte er lediglich. Die anderen Bewerber haben laut Beschlussvorlage der geplanten Vergabe an die Schuh GmbH übrigens nicht widersprochen.
Mit der Vergabe geht die Stadt einen Kompromiss ein. Sie hatte das Areal als Enklave eigens in das weit entfernte Sanierungsgebiet "Altstadt" aufgenommen, um städtebauliche Fördermittel zu ermöglichen. Ein Ziel im Sanierungsgebiet war es, die historische Bad-Nutzung am Wittekind wieder herzustellen. Doch dies könne nicht umgesetzt werden, heißt es nun. Der Verkehrswert des Geländes lag übrigens bei 760 000 Euro. Doch dieser Preis sei nirgendwo zu erzielen gewesen.
Christian Feigl vom Arbeitskreis Innenstadt würde den Verkauf begrüßen. Feigl erinnert sich genau: Für das Wochenende nach der Maueröffnung, im Herbst 1989, hatten die Denkmalschützer zum Arbeitseinsatz am 1855 gebauten Gesellschaftshaus aufgerufen. Schon damals ging es um die Rettung des Ensembles. "Wir hatten befürchtet, dass alle im Westen sind. Aber 100 Leute kamen - das Wittekind ist eben vielen wichtig."