Interview mit Bernd Wiegand: Chance für Silberhöhe

03.08.2012 19:33 Uhr | Aktualisiert 03.08.2012 22:39 Uhr
Der designierte OB Bernd Wiegand spricht sich klar gegen einen Komplettabriss der Silberhöhe aus. (FOTO: GÜNTER BAUER) 
Halle hat ab 1. Dezember einen neuen Oberbürgermeister. Der bisherige Innendezernent Bernd Wiegand (parteilos) wird auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen. Seine Vorgängerin Dagmar Szabados (SPD) hat jetzt mit dem von ihr vorgelegten Leitbild "Strategiedialog 2025" noch einmal für Wirbel in der Stadt gesorgt. MZ-Redakteur Jan Möbius sprach mit dem designierten OB über das Papier.
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Halle (Saale)/MZ. 

Herr Wiegand, wie läuft es denn nach ihrer Wahl zum Oberbürgermeister im Rathaus? Alles beim Alten, oder ist Dagmar Szabados einen Schritt auf Sie zugekommen?

Wiegand: Wir besprechen alles auf einer sachlichen Ebene und bereiten gemeinsam die Amtsübergabe vor. Vier Monate habe ich Zeit, mich umfassend über alle Sachverhalte zu informieren. Diese Zeit werde ich nutzen.

Das sind ja ganz neue Töne ...

Wiegand: Nach der Wahl muss die Amtsübergabe vorbereitet werden. Das ist ein normaler Vorgang.

Das Strategiepapier ist für viele Hallenser überraschend aufgetaucht. Aus ihrer Sicht: Kam das Leitbild zum richtigen Zeitpunkt?

Wiegand: Die Diskussion in der Arbeitsgruppe zur Stadtentwicklung ist vorerst abgeschlossen. Damit kann das Papier in den Ausschüssen des Stadtrates beraten werden. Es ist wichtig, dass sich auch andere Interessenvertreter in diesen Prozess noch einbringen können. Im nächsten Schritt muss das Strategiepapier konkretisiert werden. Ein solches Konzept muss die Stärken der jeweiligen Stadtteile definieren und weiterentwickeln.

Was genau muss denn konkreter werden?

Wiegand: Nehmen wir als Beispiel die Saale. Dort geht es darum, den Tourismus und das Wohnen am Fluss weiter zu stärken. Das Strategiepapier muss darüber Auskunft geben, wo und wie dies erreicht werden soll.

Sie sagen, es müssen noch mehr Personen in die Entwicklung des Stadtkonzeptes eingebunden werden. Wer genau ist damit gemeint?

Wiegand: Damit sind zum Beispiel die Bürgerinitiativen und Vereine in den einzelnen Stadtteilen gemeint. Sie sollten stärker in die Entwicklung und Gestaltung eingebunden werden. Denn sie leisten eine wichtige Arbeit und tragen erheblich zur Lebensqualität in den Stadtteilen bei.

In diesem Zusammenhang: Welche Stärken und welche Schwächen sehen Sie konkret auf der Silberhöhe?

Wiegand: Auf der Silberhöhe gibt es viele Grünbereiche. Dort ist in der Vergangenheit attraktiver Wohnraum für junge Menschen entstanden. Es gibt außerdem eine Menge Mehrgenerationen-Projekte in diesem Stadtteil. In dem Leitbild ist die Zukunft der Silberhöhe vom Rückbau geprägt. Ich persönlich sehe eine andere Entwicklung. Auf der Silberhöhe haben sich vielmehr neue Chancen ergeben, den Stadtteil kreativ zu entwickeln. Zudem haben wir in den letzten Jahren keinen Bevölkerungsrückgang mehr zu verzeichnen.

Die Mieten in Halle steigen. Es wird genau deshalb auch preiswerter Wohnraum gebraucht, ohne in diesem Zusammenhang gleich den Begriff Ghetto zu nutzen ...

Wiegand: Genau dieser preiswerte und von den Vermietern auf gutem Standard sanierte Wohnraum ist auf der Silberhöhe gegeben. Der Stadtteil ist bei allen Problemen, die es dort gibt, zukunftsfähig. Es gibt viele Initiativen, die sich sozial engagieren und Angebote machen. Auch wir als Stadtverwaltung müssen uns vor Ort stärker einbringen, die Bürger einbinden. Deshalb wird es auf der Silberhöhe, wie im Übrigen in allen anderen Stadtteilen auch, Zukunftsforen geben.

Wo wird die Stadt Halle Ihrer Ansicht nach dann im Jahr 2025 stehen?

Wiegand: Im Jahr 2025 ist Halle eine wirtschaftlich starke, selbstbewusste und vitale Stadt. Dazu können und wollen viele Menschen in der Stadt beitragen. Dies setzt eine stärker bürgerorientierte Verwaltung voraus. Dieser Optimierungsprozess hat bereits begonnen.