Luft nach oben: Rainer Robra würde seiner Büroleiterin Antje Buschschulte nur Silber geben. (FOTO:STEDTLER)
Herr Robra, welche Medaille hätte sich Antje Buschschulte nach dem halben Jahr bei Ihnen verdient?
Robra: Das ist eine schwierige Frage. Ich würde ihr eine Silbermedaille geben.
Buschschulte: Oh, danke! Das ehrt mich.
Na ja, nur Silber?
Robra: Wenn man solange wie ich in Verwaltungen tätig ist, weiß man, dass man in Zeugnissen Entwicklungsperspektiven aufzeigen muss. Silber lässt Luft nach oben.
Und, Frau Buschschulte, wie ist Herr Robra so als Trainer?
Buschschulte: Es ist schon ein anderes Verhältnis als zu einem Trainer. Aber er ist ein sehr guter Chef: Sehr um seine Mitarbeiter bemüht, da gibt es wohl auch andere.
Rückenschwimmen, Neurobiologie, Ministerialbürokratie - Sie haben sich in sehr verschiedenen Bereichen getummelt. Was ist für Sie in diesen drei Welten gleich?
Buschschulte: Begeisterung für die Sache. Und dass man aufpassen muss, nicht auf einen Aspekt reduziert zu werden. Das war besonders im Sport so, als ich zeitweilig vor allem die Gegnerin von Franziska van Almsick sein sollte.
Was hat Sie als Seiteneinsteigerin im neuen Job am meisten überrascht?
Buschschulte: Ich habe mir Verwaltung noch formeller vorgestellt. Sicher, es gibt hier Verfügungen, Vermerke, Posteingang. Das ist aber nicht so formell organisiert wie ich dachte.
Also kein Morgenappell?
Robra: Nein. Frau Buschschulte ist kurz vor mir im Büro und organisiert schon mal die Post. Ich komme so gegen halb Neun und es wird gearbeitet. Es ist eine interessante Tätigkeit, weil man einen Überblick über alle Ressorts bekommt. Da ist relativ wenig Routine.
Kritiker haben moniert, dass Antje Buschschulte keine Verwaltungserfahrung hatte. Wie wichtig ist diese?
Robra: Meine Büroleiterin muss mich managen, den terminlichen Überblick behalten, die inhaltlichen Vorarbeiten erledigen und mir als Gesprächspartnerin zur Verfügung stehen. Es ist für mich auch erfrischend, dafür jemand Jüngeren zu haben, der von außen kommt und deshalb einen anderen Blick auf Probleme hat als ein erfahrener Verwaltungsjurist. Wir befinden uns im ständigen Meinungsaustausch.
Also sind Sie hier das Mädchen für alles, das Organisationstalent?
Buschschulte: Ja, man muss ein gutes Zeitmanagement haben. Aber Organisieren ist nicht etwas, was man ausschließlich in einer Verwaltung lernt.
Wie wichtig war Ihre Prominenz für die Stelle?
Buschschulte: Bekanntheit hat auf alle Fälle den Vorteil, dass man Leuten eher auffällt - weil sie mit meinem Namen etwas verbinden.
Robra: Vielleicht antworte ich besser, ich habe Sie ja eingestellt. Antje Buschschulte als erfolgreiche Sportlerin war mir natürlich ein Begriff. Ich hatte aber nicht erwartet, dass sie als Neurowissenschaftlerin Interesse an einer Tätigkeit in der Verwaltung hat - bis sie sich auf eine Ausschreibung im Wirtschaftsministerium bewarb, dort aber nicht berücksichtigt werden konnte. Damals stand aber in meinem Büro ein Wechsel an - und ich fand den Gedanken bestechend, sie einzustellen. Sie hat in ihrem Leben schon ihre Frau gestanden und in verschiedenen Bereichen Persönlichkeit gezeigt.
Frau Buschschulte, Sie haben nach der vorigen Frage erst tief durchgeatmet. Weil Prominenz auch eine Last sein kann, wie man an der Kritik an Ihrer Einstellung sehen konnte?
Buschschulte: Ich habe tief durchgeatmet, weil ich es immer unangenehm finde, über meine eigene Bekanntheit zu sprechen. Wer lobt sich schon gern selber? Aber Sie haben Recht: Es hat mich gewundert, dass meine Einstellung so eine Debatte ausgelöst hat.
Sie waren bei vier Olympischen Spielen, die nächsten stehen in London vor der Tür - ohne Sie. Kribbelt es trotzdem?
Buschschulte: Das nicht. Aber ich habe dazu ja noch eine Verbindung durch meinen Mann Helge Meeuw - der sich hoffentlich in zwei Wochen für Olympia qualifiziert. Dann werde ich auch kurz nach London fahren. Ich habe mit meiner Sportkarriere zufrieden abgeschlossen - trotz oder gerade wegen einer so langen Zeit im Spitzensport zieht es mich nicht zurück. Wenn ich oben auf der Tribüne sitze macht es mir schon Spaß zuzuschauen. Ich denke mir aber nicht, da unten würdest du jetzt auch gerne stehen.
Herr Robra, Sie haben nun die prominenteste Büroleiterin im Land - sind die Ministerkollegen neidisch?
Robra: Mir ist nichts in der Richtung bekannt. Selbstironisch will ich hinzufügen: Es gehört auch Mut dazu, jemanden zur Büroleiterin zu machen, die bekannter ist als man selbst.
Haben Sie Ihrem Chef dafür auch mal Schwimm-Tipps gegeben?
Buschschulte: Nein, er kann im Moment wegen Schulterproblemen ohnehin nicht schwimmen.
Robra: Fachlichen Rat habe ich mir zum Beispiel von ihr geholt, als es um das neue Sportfördergesetz ging. Da konnte Frau Buschschulte mehr einbringen als ich.
Wie haben denn die Kollegen in der Staatskanzlei auf Sie reagiert?
Buschschulte: Anders als etwa an der Uni. Da waren die Leute entweder gehemmt und trauten sich nicht mich anzusprechen - oder kamen überschwänglich auf mich zu. Hier hingegen gehen die anderen Mitarbeiter normal mit mir um. Das finde ich sehr angenehm. Die Hilfsbereitschaft, die ich erlebt habe, war großartig.
Ist Ihr Job auch politisch oder eine reine Verwaltungstätigkeit?
Buschschulte: Ich treffe keine Entscheidungen, insofern würde ich meine Arbeit nicht als politisch bezeichnen. Ich bekomme aber viel Politisches mit.
Reizt es Sie nun, selber Politikerin zu werden?
Buschschulte: Bisher finde ich die Aufgabe im Hintergrund noch sehr interessant. Ich will mich jetzt nicht weiter vorwagen.
Das klingt nicht, als wollten Sie das ausschließen.
Buschschulte: Getreu dem Motto: Sag niemals nie.