Gegen 21.30 Uhr war in der Jessener Wilhelm-Külz-Straße am Mittwoch auch das letzte Haus wieder mit Strom versorgt. Eine Stunde zuvor bereits die ersten in diesem Straßenzug im Stadtteil Süd. Wie berichtet, hatte ein Bagger am Nachmittag bei Tiefbauarbeiten im Bergweg eine 20-Kilovolt-Hauptversorgungsleitung zum Kurzschluss gebracht. Dadurch waren auf einen Schlag fast 1 200 Haushalte in Jessen und in einigen Orten im Umfeld ohne Strom. Die Mehrzahl dieser Anschlüsse konnte Envia-M durch Netzumschaltungen etwa zwei Stunden nach dem Havariefall wieder versorgen.
Allerdings hatte der Kurzschluss nicht nur Folgeschäden in Jessen Süd verursacht. Auch die Bewohner und Geschäftsleute in einem Bereich im Stadtteil Nord mussten etwas länger ohne Strom ausharren. Sie konnten wie berichtet kurz vor 19 Uhr wieder ihre Elektrogeräte in Gang setzen. Möglich machten dies auch zwei große Notstromaggregate, die sofort nach der Störungsmeldung von Falkenberg aus Richtung Jessen in Bewegung gesetzt wurden.
Noch am Mittwochabend reparierten Mitarbeiter eines Elektrofachunternehmens die Leitungen, die der Bagger am Nachmittag im Bergweg beschädigt hatte. Zur Überprüfung muss der Strang dann eine Stunde lang 36 000 Volt standhalten, erläuterte gestern Envia-M-Mitarbeiter Alexander Wendt. Nach der ersten halben Stunde geschah es: Erneut Kurzschluss - diesmal in der Alten Wittenberger Straße, Höhe Telekomvermittlung. Es lässt sich nur vermuten, so der Fachmann, dass die Isolierung des Kabels beschädigt war, so dass es zum Durchschlag kam. So etwas könne schon ein Stein verursachen, der sich in die Isolierung bohrt. Die betroffenen Haushalte wurden wiederum durch Netzumschaltungen weiter versorgt. Dennoch sorgte dies erneut für Arbeit für die Envia-Tiefbauer. Leitung freibaggern, Muffe setzen, erneut prüfen. Am frühen Nachmittag informierte Obermonteur Mike Lange gestern, dass auch diese Schadstelle erfolgreich repariert ist.
Gestern Nachmittag begannen die Tiefbauer in der Külz-Straße das am Abend zuvor überbrückte Kabel freizulegen. Es muss ausgetauscht werden. "Leider muss dazu ein Stück Straße aufgeschnitten werden", bedauerte Alexander Wendt gegenüber der MZ diese Notwendigkeit. Bis Freitagabend soll aber auch diese Leitung wieder endgültig in Ordnung sein. Für die Envia-M-Spezialisten vor Ort verbindet sich damit stets die Hoffnung, dass das Leitungsnetz dann der deutlich höheren Prüfspannung standhält und sich nicht noch neue Havariestellen ergeben.
Während die Privathaushalte und Betreiber kleiner Geschäfte den Stromausfall am Mittwoch relativ gut verkraften konnten, hatten die betroffenen Unternehmen und Supermärkte doch deutlich damit zu kämpfen. "Bei uns ist ja in einem solchen Fall alles dunkel", beschreibt Roland Höhne die Situation in seinem Jessener Edeka-Markt. Zwar springt eine Notbeleuchtung an und die großen Brandschutztüren fahren automatisch zu - an das Kundengeschäft ist in einem solchen Moment aber nicht zu denken. "Es waren relativ viele Kunden im Markt", so Höhne. Da die Kassen nicht funktionieren, müssen die Kassiererinnen jede einzelne Ware im Korb mit einem Handgerät einscannen und die Preise per Taschenrechner zusammenzählen. Das ist sehr mühsam, erläutert der Marktinhaber das Procedere. Dazu muss alles so schnell wie möglich vonstatten gehen. Schon aus Sicherheitsgründen. Neue Kunden können in so einem Fall nicht eingelassen werden.
Bessere Karten hatte da Jenny Richter, Inhaberin des Blumenpavillons Schollbach in Jessen-Nord. Sie hat große helle Schaufenster und konnte ihre Kunden weiterhin bedienen.