Kaiserhof: Vier Stufen bis zum Ziel

27.06.2012 17:43 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 20:59 Uhr
Drucken per Mail
Kaiserhof in Quedlinburg

Der Kaiserhof in Quedlinburg. (ARCHIVFOTO: WOHLFELD)

Von holger hadinga
Der Förderverein, der das Gebäude Kaiserhof retten will, legt ein Betreiber- und Nutzungskonzept vor. Hiesige Vereine sollen mit eingebunden werden.
quedlinburg/MZ. 

Viele Monate war es um den Förderverein zum Erhalt des Kaiserhofs in Quedlinburg ruhig. Doch hinter den Kulissen tat sich einiges. Nun präsentierte der Verein mit seinem Partner Jürgen König, Geschäftsführer der ASP planen+beraten GmbH in Dessau-Roßlau, ein umfangreiches Betreiber- und Nutzungskonzept für das altehrwürdige Haus. Es soll gewissermaßen ein Rettungsrakete mit vier Stufen gezündet werden.

Stufe eins beinhaltet den Kaiserhof als Veranstaltungszentrum für sporadische Anfragen mit einem ehrenamtlichen Betrieb. Regelmäßige Anfragen sind für den Betrieb in Stufe zwei geplant. Ganzjährig und regelmäßig heißt es in der dritten sowie vierten Stufe. In letzterer soll der Betrieb mit Versorgung, Reinigung und Unterhaltung mit einem hauptberuflichen Betreiber erfolgen, also ein "gewerblicher Betrieb", wie es König formulierte.

Der Zeitraum, um die letzte Stufe zünden zu können, wird laut Diplom-Ingenieur König fünf bis acht Jahre dauern: "Wer weniger verspricht, wäre ein Schelm." Aufgrund der baulichen Mängel im Vorderhaus, findet der Betrieb im hinteren Bereich statt. Um einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten, müssten laut König 25 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden. Hier könne man mit Zielgruppen wie zum Beispiel dem Quedlinburger Carneval-Verein (QCV), Schützenvereinen oder Schulen mit ihren Abschlussfeiern planen.

Malte Kruschitzky, Vorstandsmitglied des Fördervereins, sagte: "Durch die Berechnungen hat die langwierige Arbeit Hand und Fuß. Für das Vorderhaus müssen Wege zum Erhalt gefunden werden. Wird der Kaiserhof eine Ruine, ist der Weltkulturerbestatus von Quedlinburg dahin. Wir können das Haus im Zentrum nicht vergammeln lassen."

Ulrich Thomas, Vereinsmitglied und Stadtrat in der CDU-Fraktion, dankte dem Vorstand und dem Dessauer Büro König für ihr Engagement. "Ich bin begeistert und habe Wärme ums Herz. Wir wollen nach vorn gucken, um einen funktionierenden Betrieb hinzubekommen. Alle zwei Wochen eine Veranstaltung - das ist realisierbar", schätzte er ein.

Weiter regte Thomas an, dass die Initiativen in der Stadt nicht gegeneinander arbeiten sollten. "Der Kaiserhof hat keine Gegner, sondern nur Skeptiker, die überzeugt werden müssen." Der Verein habe nun "ein starkes Papier" in der Hand. Das zentrale Ziel müsse sein, den Kaiserhof mit Leben zu erfüllen. Jetzt seien Interessensbekundungen anderer Vereine wichtig. Man befinde sich in einer "Warmlaufphase", es könne keinen Start unter Volldampf geben.

Lob kam auch vom SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Steppuhn: "Das stellt man nicht von heute auf morgen auf die Beine. Der Kaiserhof würde mit seinem Konzept das Weltkulturerbe aufwerten." Grundvoraussetzung für den Erfolg sei das ehrenamtliche Engagement. Man müsse außerdem den Dialog mit der Stadt suchen und "Wohlwollen erzeugen".

Vereinsvorsitzende Bettina Ringel-Owczarzak freute sich über das positive Echo der Parteien. "Jetzt muss mit dem Stadtrat ein Konsens gefunden werden, damit uns das Haus geöffnet wird, und wir müssen mit unserem Konzept an die Öffentlichkeit gehen. Es geht um die Sache, nicht um Kleinkrieg", sagte sie.

Das Konzept soll nun laut Ulrich Thomas in den Stadtrat eingebracht werden, "um ein Meinungsbild zu bekommen und das Thema in die Breite zu bringen".