Kammerorchester der Uni Halle: Mit Händel und Telemann unterwegs in Japan

22.07.2012 19:17 Uhr | Aktualisiert 22.07.2012 19:54 Uhr
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Musiker

Musiker des Kammerorchesters der Universität Halle. (FOTO: ORCHESTER)

Von manuela schreiber
Das wird der Moment der Stille sein, der äußersten Bewegtheit, aber auch des Trostes und Mitfühlens. Gleich zu Beginn der lange geplanten Reise, die das Kammerorchester der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in diesen Tagen auf die andere Seite des Erdballs führt: nach Japan.
Halle (Saale)/tokio/MZ. 

In jenes Japan also, das so fern nicht mehr ist seit der tiefen Erschütterung, die durch die Tsunami-Katastrophe in der Region um die Millionenstadt Sendai und den nachfolgenden Atomunfall in Fukushima ausgelöst wurde. Ganz nah heran traten die menschlichen Schicksale, aber auch erneut die Fragen nach der Sicherheit in einer ebenso hochtechnisierten wie risikobereiten Gesellschaft. So führt die erste Etappe der Konzertreise auch gleich nach Sendai. Und der erste Kontakt zwischen den jungen Musikern und den Zuhörern vor Ort wird Dienstag in einer Behelfsunterkunft stattfinden.

Weitab von Pomp und einer hundertfachen Zuschauermenge werden die halleschen Studierenden am Morgen mit einem kleinen Konzert Menschen Trost und Hoffnung spenden, die im März 2011 Hab und Gut verloren hatten. Der Abend in Sendai gehört dann ganz einem großen Benefizkonzert für die Tsunami-Opfer mit Werken von Händel, Mozart und seinem Zeitgenossen Rosetti. Natürlich wird das Hallelujah aus dem "Messiah" nicht fehlen. Von Sendai geht es dann weiter nach Fujinomya und Omiya, wo wiederum Konzerte geplant sind, die dann zusätzlich mit Kompositionen von Beethoven, Telemann oder Brahms aufwarten.

Eigentlich sollte diese Konzertreise, die als Austausch mit japanischen Musikern gedacht war, schon im vergangenen Frühjahr stattfinden im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der japanisch-preußischen Beziehungen. Der talentierte Hornist und Musikwissenschaftler Katsuaki Ichikawa, der zur Zeit in Halle seine Habilitation vorbereitet, hatte diese Idee gemeinsam mit Universitätsmusikchef Matthias Erben gefasst und war an ihrer Verwirklichung maßgeblich beteiligt. Denn er ist Mitbegründer einer Organisation, die den weltweiten Austausch zwischen japanischen und nichtjapanischen Künstlern fördert. Die Tsunami-Katastrophe führte jedoch alle Planung ad absurdum. So reiste dann der Messiah-Projekt-Chor aus Japan zuerst nach Halle und gab hier im Mai diesen Jahres ein umjubeltes Konzert in der Aula der Universität.

Nun sind die musikbegeisterten Halleschen Studenten aller Fakultäten unterwegs im Land der aufgehenden Sonne und werden dabei von einigen Profimusikern unterstützt. Katsuaki Ichikawa wird dabei genauso am Horn zu finden sein, wie Matthias Erben an der Violine, wenn wiederum Ichikawa zum Taktstock greift, um Werke seines musikwissenschaftlichen Protegés Antonio Rosetti - oder Franz Anton Rösler - zu dirigieren. Ein besonderes Wiedersehen wird es in Omiya geben, denn am dortigen Musikgymnasium hatte Mattias Erben schon einmal 2003 Unterricht erteilt. Seine Vorfreude ist entsprechend groß: "Ich bin gespannt, wie sich das Land verändert hat und wie sich Fukushima auswirkt."