Klosterfest: An Tagen wie diesen...

14.06.2012 19:11 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 22:08 Uhr
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Besucher

Sebastian Vogel und Katrin Kersten lassen sich mit ihren Töchtern Lena und Anne (r.) belegte Kräuterbrothälften schmecken. (FOTOS: ENGELBERT PÜLICHER)

Von susanne schlaikier und torsten adam
Zehn Minuten vor Mitternacht schauen hunderte Besucher des Bernburger Klosterfestes am Mittwoch gebannt zum Himmel. Ein fulminantes Feuerwerk setzt dort das i-Tüpfelchen unter eine wieder mal gelungene Veranstaltung der Hochschule Anhalt.
bernburg/MZ. 

Dazu schallt der aktuelle Hit der "Toten Hosen", "Tage wie diese" aus den Lautsprechern. Einen passenderen Titel hätten sich die Veranstalter kaum aussuchen können. Nicht nur allein des sehr gut organisierten Festes willen, sondern vor allem wegen des erst anderthalb Stunden zurückliegenden Jubelsturms über den deutschen Sieg bei der Fußball-EM über die Niederlande, der zumindest beim Großteil der Besucher die ohnehin gute Laune noch forciert hatte.

Insekten auf dem Teller

Bereits am Nachmittag ist das Klostergelände in der Talstadt gut besucht. Unter den Gästen is(s)t auch Heidi Otto. Als ängstlich oder gar mäkelig kann man sie gewiss nicht bezeichnen. Die 69-Jährige lässt sich beim Essen nicht einmal von Insekten abschrecken - als fertiges Gericht auf dem Tisch. "Ich probiere alles", sagt Heidi Otto mutig, während sie Marco Günther bei der Zubereitung von Mehlwürmern, Grillen und Heuschrecken beobachtet. Der Koch aus Dessau überrascht die Besucher des Klosterfestes mit ungewöhnlichen Zutaten - wenngleich Krabbeltiere nicht jedermanns Sache sind. Als Beilage serviert er Salat oder Frischkäse. Heidi Otto macht ihre Ankündigung wahr und kostet alle Tierchen. Sie ist vom Geschmack überrascht. "Am besten haben mir die Mehlwürmer geschmeckt. Die waren lecker und schön kross", lautet ihr Urteil. Auch Gerlinde Groschul kostet die exotischen Gerichte des Dessauer Kochs.

Wer es weniger ausgefallen liebt, kommt aber auch diesmal wieder auf seine Kosten: Es gibt vor Ort gebackenes Brot von der Klosterbäckerei mit herzhaftem Belag, süße Crêpes und gegrillte Würstchen. Auf dem gesamten Klostergelände sind auch zahlreiche Getränkequellen für die vielen trockenen Kehlen aufgebaut.

Natürlich wartet das Fest mit jeder Menge Kultur auf. Allein den Auftritt der Bernburger "Dance Collection Kids" auf der Bühne im Biergarten verfolgen zahlreiche Zuschauer. Aber auch die Auftritte der Bands, darunter "Feetback", "Länett", "Kunstpause" und "Toffimarkijato" sowie das Theaterstück "Dornröschen update" der Theatergruppe "Kaleidoskop" in der Klosterruine finden ihre Fans.

Die Kinder indes haben ihren Spaß auf der Hüpfburg, lassen sich schminken und von einem Gaukler mit Bällen Jonglieren beibringen.

Aus Neugier ist Bianca Helm mit ihrer vierjährigen Tochter Nele aus Trebnitz nach Bernburg gekommen. Ich wollte mal gucken, was alles so für Kinder angeboten wird", sagt sie. Nele langweilt sich jedenfalls nicht: Die Vierjährige amüsiert sich beim Theaterstück und lässt sich ein Eis schmecken.

Am Nachmittag bummeln auch Sebastian Vogel und Katrin Kersten mit ihren Töchtern Lena und Anne über das Gelände. Sie kommen schon seit vielen Jahren zum Klosterfest: Einst zog es sie abends hin, jetzt, mit Kindern, eben am Nachmittag. "Das ist einfach ein tolles Ambiente hier im Kloster und es wird für alle etwas geboten", sagt Katrin Kersten.

Das schätzen auch Regina und Siegfried Krüger. "Uns kann nichts davon abhalten zu kommen - außer, es regnet in Strömen", sagt Regina Krüger. Sie freuen sich jedes Mal besonders darauf, Leute zu treffen, die sie sonst nicht sehen. Und sie loben das Programm, das die Studenten und Mitarbeiter der Hochschule Anhalt jedes Jahr auf die Beine stellen.

Auch für Luca Kiesewetter hat das Fest Tradition. "Es ist schön, dass hier alle Generationen zusammenkommen", sagt die 16-jährige Nienburgerin.

Fußball stiehlt die Show

Die Abendstunden stehen dann ganz im Zeichen des Fußballs. Rund 300 Besucher fiebern vor der auf dem Parkplatz aufgebauten Großleinwand mit der deutschen Elf mit und sind erleichtert, als der Schlusspfiff ertönt. Zum Leidwesen der parallel spielenden Bands, die nur ein paar Dutzend Zuhörer finden. Mehr Glück hat "Alex im Westerland". Wie schon in den vergangenen beiden Jahren lässt die Frankfurter Band mit ihrer Mischung aus "Ärzte"- und "Hosen"-Songs das Fest weit nach Mitternacht im nun wieder proppevollen Innenhof lautstark ausklingen.