Köthen: Alte Stühle neu entdeckt

10.08.2012 19:23 Uhr | Aktualisiert 10.08.2012 22:41 Uhr
Melissa Kresner und Marius Winkler mit ihren Anhalt-Stühlen Marke MZ. (FOTO: UTE NICKLISCH) 
Von Matthias Bartl
Schüler der Freien Schule in Köthen kreieren ihren "Platz für Anhalt" aus alten Stühlen und gestalten diese um. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
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köthen/MZ. 

Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Da hatte die Freie Schule Anhalt eine erkleckliche Anzahl alter Stühle, die irgendwo auf dem Dachboden des Schulgebäudes eingelagert waren - und dort durch Regenwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden. Danach konnten sie eigentlich nur noch in der Sport-Umkleide verwendet werden, bis, ja, bis sie plötzlich Gegenstand wurden für künstlerische Überlegungen.

Als nämlich das Kollegium der Schule in Vorbereitung der Projekttage für Anhalt 800 zusammensaß und allerlei Gedanken nachhing, kam jemand auf die Idee, die alten Stühle doch anhaltisch zu gestalten. Was dann wiederum die nächste Grübelei nach sich zog: Wie soll ein Projekt heißen, dass desolates Sitzmobiliar und 800 Jahre Geschichte zusammenfügt?

"Ein Platz für Anhalt" natürlich, ein doppeldeutiges Motto, dass aber den Schülern der 5. bis 7. Klasse jede Menge Spielraum für das künstlerische Bearbeiten von Sitzflächen und Rückenlehnen ließ. Kunsthistorikerin Firesch, die das Projekt leitete, das im Verlauf der Sommerferien sozusagen ausstellungsreif gemacht wird, ließ den 15 Mädchen und Jungen bei der Ideensuche und der Umsetzung weitestgehend freie Hand, nur manchmal, so Firesch, habe sie eingegriffen, "aber nur ganz dezent".

Heute kann sie sich über zahlreiche Ideen freuen und besonders darüber, dass die Kinder auch gern mal um die Ecke gedacht haben. So ist ein Stuhl als Adlernest mit Eiern gestaltet worden, auf der Lehne sieht man den abfliegenden Greifvogel. "Da hat sich einer das anhaltische Wappen angesehen und seine ganz eigenen Schlussfolgerungen gezogen", sagt Magda Firesch.

Was auch Sinn der Übung war. Zunächst hätten die Kinder alle denselben Gedanken gehabt: "Die wollten Anhalt 800 dranschreiben - und das wars." Am zweiten Tag aber seien sie von diesem Gedanken abgekommen und hätten angefangen, eigene Wege nach Anhalt zu suchen.

So findet man nun einen Bach-Stuhl, einen Kuh-Stuhl, Albrecht der Bär darf nicht fehlen, der Bär sowieso nicht, das Wappen Anhalts, eine Landkarte, Fürst Ludwig und die Butterjungfer, einen Biber-Stuhl und auch zwei Stühle, bei denen Schlagzeilen aus der Mitteldeutschen Zeitung zur collagierten Kunst wurden.

Für die Siebentklässlerin Melissa Kresner aus Osternienburg ist der Grund dafür einfach: "Die Zeitung haben fast alle." Und auch Marius Winkler aus der 6. Klasse ist zufrieden mit seinem MZ-Stuhl, auch wenn er anfangs in einer ganz anderen Projektgruppe mitmachen wollte.

Magda Firesch jedenfalls ist stolz auf ihre Künstler, die nur drei Tage Zeit hatten. Und beeindruckt von deren Hartnäckigkeit. "Wenn sie merken, es nimmt Gestalt an, sind sie nicht mehr zu bremsen", sagt sie.