Köthen: Mehr als ein Gastprofessor

24.04.2012 20:09 Uhr | Aktualisiert 24.04.2012 20:13 Uhr
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Hans-Jürgen Mägert

Hans-Jürgen Mägert bekommt in Jakarta die Ernennungsurkunde. (FOTO: PRIVAT)

Von sylke hermann
Professor Hans-Jürgen Mägert aus Köthen lehrt nicht nur an der Hochschule Anhalt sondern auch an der University of Indonesia in Jakarta.
köthen/MZ. 

Als ein lieber Kollege von Prof. Hans-Jürgen Mägert aus dessen Zeit in Hannover einen Kooperationspartner für die University of Indonesia suchte und er unverblümt fragte, ob er, Mägert, das nicht von Köthen aus machen könnte, sagte dieser nicht Nein. Seine Worte signalisierten eher breite Zustimmung im Sinne von "na klar, das machen wir". Vielleicht sogar Vorfreude.

Das ist jetzt fünf Jahre her. Zwischenzeitlich war Mägert, der in Köthen an der Hochschule Anhalt im Bereich Molekulare Biotechnologie lehrt, wiederholt in der indonesischen Metropole. Das erste Mal im Sommer 2010. Einen Monat lang mit hundert Stunden Lehrdeputat; wer meint, das sei Urlaub, der irrt, bekräftigt Mägert.

An ihn, den Neuen aus Deutschland, habe man "ganz ordentliche Anforderungen" gestellt. In den hundert Stunden ging es um Themen der Zellbiologie, Gentechnik und pharmazeutischen Forschung. Am Ende von Mägerts Pflichtprogramm an der medizinischen Fakultät wurden die Studenten und Postdoktoranden auch geprüft.

Damals, erinnert er sich heute, da er längst offiziell zum Mitarbeiterstab der University of Indonesia in Jakarta zählt, habe er sich wenige Gedanken gemacht, wie das ankommen würde was er tut. Und er meint weniger die Inhalte seiner Vorlesungen, die er auf Englisch hält, als vielmehr gewisse Verhaltensregeln. So gilt es zum Beispiel als arrogant, die Arme vor dem Oberkörper zu verschränken oder auf Hüfthöhe anzuwinkeln - übrigens eine für Mägert äußerst entspannte Haltung, wie er augenzwinkernd einräumt. Und es gehört sich auch nicht, sich die Nase zu schnäuzen, wenn andere Personen im Raum sind. Oder Fotos zu schießen, auf denen die Abgebildeten einen sichtbar vertrauten Umgang pflegen. Egal. Mägert stellt sich bald darauf ein. Schon nach den ersten vier Wochen Jakarta urteilt er: "Die Menschen hier sind extrem höflich und liebenswürdig."

Ihm gefällt die "Luftveränderung", obwohl man in der Millionenstadt nicht mal einfach so spazieren geht; es ist laut, permanentes Hupen gehört zur Tagesordnung und die Autos fahren haarscharf an Passanten vorbei. Eine Umstellung. "Ich habe das kleine kuschelige Köthen sehr gern, aber das war ein Abenteuer", lacht er. Nach diesen vier Wochen steht fest: die University of Indonesia und die Hochschule Anhalt in Köthen arbeiten weiter zusammen. Und er, Mägert, ist längst über den Status eines Gastprofessors hinaus gekommen. Die Medizinische Fakultät hat ihn jetzt im März zum sogenannten Adjunct Professor ernannt. Was genau das ist, fällt selbst ihm schwer zu beschreiben: ein Titel, der sich in Deutschland zwischen einer außerplanmäßigen und einer Honorarprofessur einordnen würde.

Für Mägert ist wichtig, dass man seine Arbeit dort anerkennt - deshalb freut er sich auch über diese Ehre. Die Studenten seien sehr dankbar. Er selbst habe sich manchmal wie ein Star gefühlt, erzählt er, gesteht aber auch: "Wenn ich in Jakarta bin, sehne ich mich nach Köthen."

Jetzt im März zum Beispiel hielt er eine einwöchige Lehrveranstaltung über die Isolierung pflanzlicher Wirkstoffe als potenzielle Medikamente. Die Artenvielfalt in dem Land sei erstaunlich. Es gibt dort, so seine Erfahrung, eine Menge Pflanzen, die hier kaum einer kennt. Vor diesen Hintergrund war das Fachwissen des Biotechnologie-Experten aus Köthen so gefragt - und hilfreich.

Als Teil des University of Indosnesia-Teams wird Mägert künftig mehrmals im Jahr in Jakarta sein. Die Arbeitsschwerpunkte für die Kooperation sind abgesteckt: Es geht in erster Linie um die Lehre, aber auch um Infrastruktur, Publikationen, Forschungsanträge und die Zusammenarbeit mit der Industrie. "Es gibt dort tatsächlich den Bedarf", schätzt er ein.

In einer schwachen Minute, wie er berichtet, hat er seinen indonesischen Kollegen auch bereits zugesagt, ihnen bis zum nächsten Jahr noch zwei Manuskripte zur Veröffentlichung zu überlassen. Nur mit welchen Themen er sich darin befassen wird, ist noch offen. Denn jetzt braucht er erst einmal Zeit, die Sprache zu lernen- in Indonesien wird Bahasa gesprochen, eine malaiische Sprache. Eine CD hat er sich schon besorgt, reingehört allerdings noch nicht.