Köthen: Mit Polarwolf und Berberaffe

30.05.2012 21:17 Uhr | Aktualisiert 30.05.2012 21:39 Uhr
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Michael Engelmann

Erhielt im Sozial- und Kulturausschuss ein einstimmiges Votum: Michael Engelmann soll am 1. Januar 2013 den Köthener Tierpark übernehmen. (FOTO: REBSCH)

Von matthias bartl
Michael Engelmann kann jetzt durchaus schon mit planerischem Blick durch den Köthener Tierpark gehen. Die Raubvögel kommen weg, stattdessen werden Berberaffen kommen.
köthen/MZ. 

Michael Engelmann kann jetzt durchaus schon mit planerischem Blick durch den Köthener Tierpark gehen. "Die Raubvögel", sagt er und zeigt auf die Voliere am Eingang, "kommen weg, stattdessen werden hier bald Affen spielen." Berberaffen, um genau zu sein, Berberaffen aus dem Harz: Engelmann wird sie von einem anderen Tierpark erhalten.

Wie auch die Polarwölfe, für die zwischen Eingangsbereich und Waschbärenanlage Quartier geschaffen werden soll. Damit hat sich Michael Engelmann, gerade mal 23 Jahre alt, seit Monaten beschäftigt. Spätestens seit dem Moment, in dem klar wurde, dass die Stadt den Tierpark nicht mehr auf die althergebrachte Weise würde weiterführen können. Da schlug Engelmanns Stunde: Seit Jahren hatte der gelernte Tierpfleger, der in der Landwirtschaft tätig ist, im Tierpark bei allen möglichen Gelegenheiten geholfen. Und sich dabei auch Gedanken über die Struktur und die Angebote der Einrichtung gemacht. Das wurde nun konkreter, denn auch das Ziel war sehr konkret: 50 Prozent der Zuschüsse für den Tierpark sollten binnen kurzer Frist eingespart werden, lautete die Zielstellung, mit der der Stadtrat die Verwaltung beauftragt hatte.

Die Verwaltung legte im Herbst vorigen Jahres zwar ein Papier zur Halbierung der Zuschüsse vor, fand damit aber vor den Augen des Fachausschusses keine Gnade: Zu wenig Phantasie, reine Rotstift-Arbeit, wurde kritisiert. Engelmanns Konzept hingegen ging jetzt glatt durch. Einstimmig sprach sich der Sozial- und Kulturausschusses des Stadtrates dafür aus, den Tierpark zum 1. Januar 2013 der Führung eines noch zu gründenden Vereins zu unterstellen, dessen Leiter Michael Engelmann sein wird. "Der Tierpark", so erläuterte Umweltamtsleiter Oliver Reinke, in dessen Zuständigkeit der Tierpark gehört, "geht damit in private Trägerschaft."

Engelmann bekommt damit allerhand Arbeit. Allein die Liste, "Neuaufteilung / Neubesatz der Tiergehege" umfasst 29 Einzelpunkte - von der Umgestaltung der kleinen Wellensittichvoliere zur "Villa Maus" mit 25 Farbmäusen bis hin zur angedachten Umgestaltung der Fasanerie zu einer Anlage für Nasenbären und einer begehbaren Wellensittichanlage. Das Rehgehege soll die Funktion einer "Australienanlage" bekommen - nach einigen Umgestaltungen könnte das Terrain Emus und Bennettkängurus. Die Waschbärenanlage könnte zur Immigranten-Anlage erweitert werden und auch noch Marderhunde aufnehmen. Vieles bleibt aber auch unverändert - die Luchsanlage zum Beispiel oder die Unterkunft der Ouessantschafe. Leicht verändern werden sich dagegen die Eintrittspreise , da geht im Durchschnitt um 20 bis 50 Cent pro Kategorie nach oben.

Nach dem Umbau wird es im Tierpark mindestens 52 Tierarten geben; das ist mehr als nach dem Schnitt geblieben wären, den die Stadt noch im November des Vorjahres vor hatte. Bei allem ist die Stadt sehr engagiert: Sie bleibt Eigentümerin des Tierparks, über den ein Pachtvertrag ausgefertigt werden soll. Ein auf fünf Jahre befristeter Zuschussvertrag regelt, was der Verein für Sachkosten erhält, dazu kommen Kosten für den baulichen Unterhalt, für Baumpflege, die Kontrolle der Spielplatzgeräte. Trotz allem will man bereits im Jahr 2015 dort angekommen sein, wo die Kommunalaufsicht die Stadt hinhaben wollte und will: "2015 werden wir wie geplant die 50-prozentige Kosteneinsparung erreichen", sagt Reinke. Und immer noch einen Tierpark haben.