Köthen: Reh Jette muss das Laufen wieder lernen

08.06.2012 21:11 Uhr | Aktualisiert 08.06.2012 21:20 Uhr
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Erste Gehversuche

Inzwischen macht das Reh erste Gehversuche. (FOTO: REBSCH)

Von Claus Blumstengel
Das Reh Jette hatte sich im Tierpark Köthen im Zaun eingeklemmt und dabei einen Wirbel gebrochen. Nach einer Operation muss das Tier nun wieder das Laufen erlernen.
Köthen/MZ. 

Der Anblick schockiert. Da stakst dieses Häuflein aus Fell und Knochen auf seinen dünnen Beinchen wackelig zu seinem Stall. Kaum hat es sich dort ins Stroh gekuschelt, kommt Tierpflegerin Gabi Berger, hebt das Reh wieder hoch - und die Prozedur beginnt von vorn. Nein, die Mitarbeiterin des Köthener Tierparks will das Reh nicht ärgern. "Jette muss wieder Laufen lernen", sagt sie. Dass das zwölf Monate alte Tier nicht von allein im Gehege herumspaziert, liegt an den Schmerzen, die es noch immer dabei verspürt, denn Jette hat einiges mitgemacht.

Mit der Flasche großgezogen

Ein Jäger hatte das verlassene Kitz gefunden und mit der Flasche aufgezogen. Als Jette dann zu groß wurde, nahm der Tierpark das Reh auf. Es auszuwildern war nicht möglich - Jette ist mit einem Jagdterrier aufgewachsen und würde vor Hunden nicht flüchten.

Eines Morgens dann der Schock: Tierpfleger fanden das Reh verletzt im Zaun eingeklemmt. Es hatte sich einen Wirbel gebrochen. Eine solche Verletzung bedeutet für so ein Tier eigentlich den sicheren Tod. Eine Operation sei zwar möglich, "aber danach würde ein Wildtier nicht mehr fressen und sterben", erklärt Tierärztin Angelika Todte. Doch sie und die Tierpfleger wollten sich damit nicht abfinden. "So ein Tier einzuschläfern, ist eine schwere Entscheidung", erklärt Todte. "Hat es diese Kreatur nicht verdient, weiter zu leben?"

Die Tierärztin kontaktierte ihren Bekannten Andreas Pfeil, Chirurg in Jena. Auf einem Autobahn-Parkplatz, wo sie sich trafen und die Röntgenbilder studierten, wurde entschieden: Wir wagen die Operation. Nun stützen zwei Stahlplatten Jettes Wirbel.

Üben auf dem Laufband

Weil Jette nach der Operation Ruhe brauchte, nahm sie Tierpflegerin Berger mit nach Hause und päppelte sie auf, wie schon zahlreiche "Flaschenkinder" - Mufflons, Luchse, Waschbären und Minischweine. Mit Hilfe einer Schmerztherapie und unter gutem Zureden hat Jette wieder zu fressen begonnen. Nach 14 Tagen konnte sie in den Tierpark zurück. Übungen auf einem Laufband folgten. Daneben gehört Physiotherapie zur Reh-Rehabilitation, um die Muskeln der Hinterläufe wieder aufzubauen.

Nicht allein Tierärztin und Pfleger hoffen auf Jettes baldige Genesung. Da ist noch Böckchen, der Rehbock, der in einem benachbarten Gehege einsam seine Runden dreht. Nur kurz war seine Freude, eine Partnerin zu bekommen. Doch das Tier muss noch warten. Bis zu neun Monate könne es dauern, bis Jette wieder fit ist, sagte Veterinär Andreas Pfeil. Tierärztin Todte ist derweil zuversichtlich: "Wir haben schon fast gewonnen."