Köthen: Studentin beeindruckt Fachpublikum

06.07.2012 19:01 Uhr | Aktualisiert 06.07.2012 19:59 Uhr
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Bracio und Krüger

Hochschulprofessor Bracio (li.) und der ärztliche Direktor Krüger. (FOTO: REBSCH)

Von Claus Blumstengel
In ihrer Forschungsarbeit hatte Marleen Schleusener herausgefunden: Ganz gleich, mit welcher Methode man den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks oder einer Hüftprothese plant, hundertprozentige Sicherheit, dass die Prothese passt, gibt keine dieser Methoden.
Köthen/Hamburg/MZ. 

Eine Hiobsbotschaft von Marleen Schleusener, Master-Studentin am Fachbereich Biomedizinische Technik der Fachhochschule Anhalt, ließ vor kurzem die Teilnehmer des Norddeutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie in Hamburg aufhorchen und löste unter den Ärzten lebhafte Diskussionen aus. In ihrer Forschungsarbeit, einem Gemeinschaftsprojekt zwischen der Hochschule Anhalt und dem Krankenhaus Köthen, die sie dort vorstellte, hatte Marleen Schleusener herausgefunden: Ganz gleich, mit welcher Methode man den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks oder einer Hüftprothese plant - ob man in herkömmlicher Weise Schablonen mit dem Röntgenbild vergleicht oder mit Computertechnik arbeitet, und egal, ob das ein Assistenzarzt oder der Chefarzt persönlich macht - hundertprozentige Sicherheit, dass die ausgewählte Prothese passt, gibt keine dieser Methoden. Und die Studentin, die in Halle wohnt, lieferte den Kongressteilnehmern eine eindeutige Schlussfolgerung: Ob die Planung korrekt war, muss in jedem Fall während der Operation nochmals überprüft werden. Hierfür sei vor der Implantation ein Röntgenbild erforderlich.

Marleen Schleusener erhielt auf dem Kongress einen "Posterpreis", eine Auszeichnung für ihren Vortrag und die Präsentation.

So häufig komme das nicht vor, dass eine Studentin einer technischen Fachrichtung ein Auditorium aus Medizinern derart beeindruckt, sagt Boris Bracio, Professor am Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Anhalt. "Es ist ein gutes Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Anhalt und dem Krankenhaus Köthen, das wurde auf dem Kongress hervorgehoben", äußerte Thomas Krüger. Der promovierte Mediziner ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädie am Krankenhaus Köthen und hat Schleuseners Arbeit betreut. "Wir machen das schon immer so", geht er auf das Ergebnis von Schleuseners Forschungsarbeit ein. Aber die Studentin, die vor einigen Tagen ihre Masterarbeit verteidigt hat, habe zur Optimierung des Planungsverfahrens beigetragen. "Andere Kliniken werden ihr Verfahren sicher umstellen", ist Krüger überzeugt.

Hochschule und Krankenhaus haben bereits einen Workshop für Ärzte durchgeführt, wo man jungen Medizinern die Planung von Prothesen mit Schleuseners Verfahren demonstrierte. Ihre Arbeit werde demnächst veröffentlicht, kündigt Professor Bracio an.