Jonny Kaars (rechts) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Maschinenbau und erläutert einen Fahrzeugrahmen als Technologieträger. (FOTO: UTE NICKLISCH)
"Das war eine gnadenlos harte Ausbildung", erinnert sich Kurt Koppe an seine Zeit in Halle. Wer nicht mindestens einen Notendurchschnitt von 1,3 hatte, blieb chancenlos. Am Ende sind sogar 30 Prozent durchgefallen. 1975 fing er an und blieb ein halbes Jahr. Es war "die Schule meines Lebens", sagt er.
Koppe, Professor für Fertigungs-, Füge- und Werkstofftechnik an der Hochschule Anhalt in Köthen, schätzt die heutige Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt (SLV) über die Maßen. Und er ist froh, dass sein Arbeitgeber, die Hochschule, nun noch enger mit den Hallensern kooperiert.
Die Unterschriften wurden am Dienstag unter die Verträge gesetzt. Für Studierende im Fachbereich 6 (Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen) soll es damit einfach werden, eine Zusatzqualifikation zum Internationalen Schweißingenieur zu absolvieren.
Das sei vor dieser Kooperationsvereinbarung auch schon möglich gewesen, wie der Standortsprecher in Köthen, Hans-Jürgen Kaftan, bestätigt, aber längst nicht so komfortabel in das Studium integriert. Wer den international anerkannten Abschluss wollte, musste eben seine Freizeit opfern. Koppe spricht von einem "reinen Privatvergnügen". Studium und Weiterbildung liefen nebenher.
Das wird künftig anders. Die aus rund 450 Stunden bestehende zusätzliche und international anerkennte Qualifikation ist - sofern man sich dafür entscheidet - ein fester Bestandteil des Studiums. Die theoretischen Voraussetzungen werden in den Vorlesungen und Seminaren an der Hochschule geschaffen, die Praxis übernimmt in der vorlesungsfreien Zeit Halle.
SLV-Geschäftsführer Steffen Keitel weiß, die Vermittlungsquote in ingenieurtechnischen Berufen sei momentan "außerordentlich hoch". Durch die Zusatzqualifikation, die im übrigen kostenpflichtig ist, hätten die Absolventen aber noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Professor Dieter Orzessek, der Präsident der Hochschule Anhalt, erinnert daran, dass in den 90er Jahren kein Mensch Maschinenbau studieren wollte; "wir haben hier auch Täler durchschritten". Umso besser, wenn der Trend jetzt ein anderer sei.
Mit der Qualifikation können die Studierenden Punkte für ihren Abschluss sammeln. Noch etwas, dass es vor dieser Vereinbarung nicht gegeben hat.