Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) war vom Programm zur Kürung der 20. Jessener Weinprinzessin Stefanie Zwiersch begeistert. Siegfried Boy, Weinbaupräsident Saale-Unstrut, äußerte sich ebenfalls lobend. Zum 16. Mal, so hatte er schnell mal durchgezählt, war er bei solch einer Zeremonie in der Elsterstadt dabei. Aber noch nie zuvor trat er hier als Tänzer im Programm auf der Bühne in Erscheinung. Doch diesmal war es soweit. Denn Jessener Grundschüler holten sich aus den Reihen der Ehrengäste und der Zuschauer geeignete Mittänzer zur flotten Musik von "Cotton eye Joe". Zumeist waren von den Kindern Frauen nach vorn gebeten worden, zuallererst Hoheiten aus Weinbauregionen, aber eben auch Siegfried Boy und Kürungspräsident Ingo Hanke.
Drei richtige Antworten
An letzterem war es, die Eignung von Stefanie Zwiersch als 20. Weinprinzessin festzustellen. Drei Fragen hatte die junge Frau auf der Freilichtbühne am Jessener Schloss vor hunderten Zuschauern richtig zu beantworten. Ohne Probleme meisterte das die angehende Verwaltungsfachangestellte. Sie wusste, dass die neuen Rebsorten, die im Jessener Land angebaut werden, Chardonnay und Cabernet blanc heißen, dass der begriff Traubenschluss für ein Reifestadium steht und dass es vier Erwerbswinzer in Jessen und Umgebung gibt (Hanke, Zwicker, Trittin und die Agrargenossenschaft Kleindröben). Nachdem die Antworten gegeben waren, der Kürungspräsident zufrieden war und das Publikum mit kräftigem Applaus seine Zustimmung gegeben hatte, wurden Stefanie Zwiersch Schärpe und Kette angelegt sowie die weiteren Insignien überreicht. Vom Jessener Spielmannszug, dem sie angehört, gab es zu diesem besonderen Anlass ein Ständchen. Und von der frischgebackenen Weinprinzessin neben der Freude über das einjährige Ehrenamt eine Entschuldigung für so manche Notlüge in den vergangenen Wochen, denn schließlich sollte vor der Kürung niemand erfahren, dass sie Jessens neue Hoheit werden würde. "Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel." Im Gegenteil, die Spielleute sind sogar ganz stolz, dass die Prinzessin aus ihren Reihen kommt. Darum sind sie jetzt der Ehrenzug der 20. Jessener Weinprinzessin. Das wird auch mittels Schleifen sichtbar sein, wie Spielmannszugchef Martin Weiner der freudestrahlenden Prinzessin und allen anderen verkündete.
In dem von ihm, Jana Brettschneider und Wiebke Raschig moderierten mehr als zweistündigen Programm gebührte auch der 19. Weinprinzessin Kristin Picker besondere Aufmerksamkeit. Siegfried Boy würdigte sie als "hervorragende Repräsentantin" der Jessener Region. Sie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten sehr dafür eingesetzt, Jessen und den hiesigen Weinanbbau bekannter zu machen, anerkannten auch Jessens Bürgermeister Dietmar Brettschneider (CDU) und der Vorsitzende des Schul- und Heimatfestvereins, Gunter Danneberg. An bis zu 20 Veranstaltungen hat Kristin Picker während ihrer Amtszeit teilgenommen und dafür rund 2 800 Kilometer zurückgelegt, berichtete sie. "Das ganze Jahr war sehr schön, jedes Weinfest anders." Von Martin Weiner wurde sie noch gelobt, weil sie einen Beitrag zur positiven Einwohnerentwicklung in Jessen leistet. Im November wird ihr erstes Kind zur Welt kommen. Wenn es im Sternzeichen Skorpion geboren wird, dann werde es "bestimmt so nett wie ich", meinte Martin Weiner und scherzte noch: "Dann hast du nichts zu lachen."
Nachholbedarf bei Einwohnerzahl
Agrarminister Hermann Onko Aeikens, der seinem Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) dankbar war, ihn in Jessen vertreten zu dürfen, hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, dass sich die Jessener für mehr Nachwuchs ins Zeug legen. Von der Fläche her sei die Stadt an der Schwarzen Elster zwar die zehntgrößte in Deutschland, aber von der Einwohnerzahl noch lange nicht. Da sei noch viel zu tun.
Bevor mit Spielmannszug und Hoheiten von der Freilichtbühne zu den Ständen im Schlosspark gezogen wurde, gab die 20. Weinprinzessin den Besuchern mit auf den Weg: "Willst vom Wein du haben Spaß, trinke vorsichtig Glas für Glas."