Über das Alter von Grochewitz streiten sich die Gelehrten - sicher ist nur, dass Spuren der Besiedlung weit vor die Zeitrechnung zurückreichen. (FOTO: ALEXANDER BAUMBACH)
Als Chronist blättert Manfred Richter (Foto) nicht nur in alten Dokumenten, sondern betreibt seine ganz eigene Spurensuche. Auf einige spannende Funde ist er dabei bereits gestoßen. Und auf eine Entdeckung hofft er noch.
Der Ort Malin ist auf der Karte ein Stück weiter östlich neben Grochewitz eingezeichnet, versehen mit einem roten Punkt, der sagt: Hier war früher ganz sicher eine Siedlung.
Malin ist als Wüstung eingezeichnet, kleine Stücke von Feuersteinen belegen eine bewohnte Vergangenheit. "Und das sind alles nur Oberflächenfunde", betont Manfred Richter, der jeden Sommer mit seiner Frau in Grochewitz verbringt. Für Dagmar Richter sind das Heimatbesuche, ihre Mutter stammt von hier und sie genießt die Alternative zum Stadtleben. Das Haus, in dem sie und ihr Mann hier wohnen, die ehemalige Dampfmolkerei, gehört zum Familienbesitz, Erinnerungen an Besuche während ihrer Kindheit verbindet die 76-Jährige mit Haus und Dorf. Erinnerungen an die Feldarbeit und an die Ernten in den Ferien. Im Dorf wohnt außerdem noch manche Spielkameradin von damals. Und dass Dagmar Richter im Dorf keine Unbekannte ist, keine "nur Zugezogene", beschreibt sie als unbedingten Vorteil, sich in die Gemeinschaft einbringen zu können.
Akribisch dokumentierte Arbeit
Was Richters bislang auf Erkundungstouren in und um Grochewitz gefunden haben und wo genau, hält Manfred Richter akribisch fest, katalogisiert Bild und Bild, zeichnet GPS-Daten von Fundstellen auf Karten ein und datiert sie anhand charakteristischer Muster, Linien und Abdrücke. Zum Abgleich wurde oft schon Fachliteratur herangezogen oder bei einem Gang ins Museum verglichen mit Gefäßen, deren Herkunft bereits gesichert ist. Dagmar Richter erzählt, wie sie einzelne Stücke zu einem Archäologen nach Dessau brachte, um sich beraten zu lassen, ganz im Sinne von "Ist das historisch oder kann das weg". Nach archäologischen Ambitionen gefragt, winkt Manfred Richter aber ab. Als Fachmann will sich der ehemalige Entwicklungsingenieur und Hobby-Flieger keinesfalls bezeichnen. Er bedauert bei all seinen Bemühungen vor allem, dass trotz aller Funde kein Fachmann mit entsprechender Ausrüstung ans Werk geht. Das Geld dafür fehle einfach.
Für Richters ha das alles ja überhaupt erst mit der Frage angefangen, ob Grochewitz tatsächlich bereits im Jahr 1003 existiert haben könnte. "Wir hatten nichts, worauf wir zurückgreifen konnten, keine Unterlagen, nichts", sagt Dagmar Richter. Auf einer Karte, die für die Dorferneuerung in den 90ern verwendet wurde, waren merkwürdige Striche eingezeichnet, die einer Fundamentmauer ähnelten. In dieser Hinsicht zwar eine falsche Fährte, aber dennoch der nützliche Hinweis auf frühere Scherbenfunde nördlich von Grochewitz und schließlich ausschlaggebend für die weiteren Erkundungen der Richters.
Wreciz zu finden, wäre Highlight
Was Richters trotz Suche noch nicht gefunden haben, ist die Wüstung Wreciz. Irgendwo zwischen dem knapp vier Kilometer entfernten Weiden und Grochewitz müsste sie liegen, eine wahrscheinliche Lage ist auf der Karte eingetragen: "Der Ort ist dokumentiert, es gibt ihn in den alten Urkunden", erklären sie. Nur das genaue Wo ist bislang nicht geklärt. "Großer Fund wäre eine alte Fundamentmauer", sagt Manfred Richter und seine Frau bekommt leuchtende Augen: "Das zu finden, wäre noch ein Highlight."
Manfred Richter hat zahlreiche Geschichten über Grochewitz zusammengetragen. Nachzulesen sind sie auf www.grochewitzer-geschichten.de