Kreis Wittenberg: Beschauliches Weddin

19.06.2012 20:00 Uhr
Drucken per Mail
Dorfteich

Der Dorfteich in Weddin. (FOTO: THOMAS KLITZSCH)

Von SABINE WESNER
In dem kleinen Ort Weddin geht es immer ruhiger zu. Viele Menschen, vor allem junge, zieht es weg aus dem Dorf. "Auch bei uns ist keiner mehr da, der später mal Haus und Hof übernimmt“, erzählt Erwin Hiob.
WEDDIN/MZ. 

„Ruhig und Beschaulich ist es in Weddin - aber wir werden immer weniger. Die jungen Leute gehen weg zum Studium oder um eine Ausbildung zu machen und kommen nicht wieder. Auch bei uns ist keiner mehr da, der später mal Haus und Hof übernimmt“, erzählt Erwin Hiob.

„Das tut weh“, meint der Rentner, der zu dem halben Dutzend Skatfreunden gehört, die sich mittwochs in der Kegelbahn treffen. Diese und das dazugehörige Gelände eines einstigen Ferienlagers, das die Gemeinde nach der Wende dem damaligen VEB Sekundärrohstoffe samt mittlerweile zur Festhalle umgebauten Scheune abkaufte, ist laut Ortsbürgermeister Werner Matthes (parteilos) beliebter Treffpunkt im Ort, in dem es weder Feuerwehr noch Vereine gibt.

„Ursprünglich war geplant, das Ferienlager mit dem Behindertenverband Wittenberg zu nutzen, um Eltern mit behinderten Kindern Urlaub zu ermöglichen“, erinnert Matthes an das geplatzte Vorhaben. „Als wir dann günstig die Kegelbahn der Rahnsdorfer kaufen konnten, haben wir zugeschlagen“, erzählt der Boßdorfer auch von der Scheune, die sich die Weddiner zu einer Festhalle umgebaut haben. Um diese würden sie oft beneidet.

„Wir haben mehrere, engagierte Gemeinschaften, die dem Leben in Weddin auf die Sprünge helfen“, sagt auch Hiob. Die Spieler in der Mittwoch-Skatrunde kommen derweil nicht nur aus Weddin. Und so sind die Abende hier auch immer ein willkommener Anlass, sich über die Neuigkeiten aus den umliegenden Orten auszutauschen, weiß der mit 80 Jahren älteste Skatfreund.

Jeden Montagabend haben die Kegelfreunde das Objekt in Beschlag und neben privaten Nutzern, die gern und oft nach Weddin kommen, ist die Kegelbahn mit dem gemütlichen Vorraum auch einmal im Monat Treff für die Mitglieder der von Pfarrer Armin Pra betreuten Kirchengemeinde.

Die zählt fast 50 Mitglieder und ist stolz auf ihre schöne, vor gut zehn Jahren restaurierte Feldsteinkirche (Foto). Es wird vermutet, dass sie Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut und in der Reformationszeit mit einer Kanzel ergänzt wurde. „Außer zu Ostern, Weihnachten uns zu besonderen Anlässen finden hier ja leider keine Gottesdienste mehr statt, weil die Gemeinde zu klein ist“, sagt Gutewort. Das sei schade, denn sowohl die Orgel, die nach Jahrzehnten der Ruhe von Organist Rolf Kober gangbar gemacht wurde, als auch das neue, farbenprächtige Altarbild von Reinhard Bergmann, das im August 2011 feierlich seinen neuen Platz im Gotteshaus bekam, hätten durchaus mehr Besucher und Bewunderer verdient.