Monique Roszak liest gern und ist eine sehr gute Vorleserin. (FOTO: ROSTALSKY)
Der bequeme Platz auf der Couch im Pausenraum der Schule passt zur Gemütslage von Monique Roszak. Die Zwölfjährige ist zufrieden mit sich und der Welt, und sie macht aus ihrer Freude kein Geheimnis. Die Schülerin der 6. Klasse der Sekundarschule in Bad Schmiedeberg hat mit ihrer Lesekunst gepunktet und sich für das Landesfinale des Vorlesewettbewerbs in Halle qualifiziert.
Am 15. Mai ist das Mädchen in der Saalestadt gefragt. Sie wird lesen, Buch und Autor vorstellen. "Es muss was Neues sein", weiß Monique und hat vor, in der Bad Dübener Bibliothek nach spannendem Lesestoff zu suchen. Geschichten von Pferden und dem Leben auf dem Reiterhof werden sehr wahrscheinlich nicht auf den Tisch kommen. "Das ist nicht das Richtige für mich", sagt die Schülerin, die in Söllichau zu Hause ist und ohne Bücher nicht sein möchte.
Sie liest, wenn es die Zeit erlaubt. "Eigentlich jeden Abend." Zumeist sind es packende Geschichten. Abenteuer, die das Mädchenherz höher schlagen lassen und ablenken sollen. "Ich brauche das, um Ruhe zu finden." Monique ist Bücherwurm aber keine Außenseiterin. Sie tobt mit Hunden um die Wette, spielt mit den Kindern in der Nachbarschaft und tanzt mit Lust und Leidenschaft. "Bauchtanz", erzählt die Schülerin. "Und dann natürlich noch Karneval."
Dennoch rückt der Tanz für ein paar Wochen in den Hintergrund. Das Mädchen wird in einem neuen Buch stöbern, sich eine möglichst spannende Stelle für den Vortrag aussuchen und lesen üben. Sie möchte bestehen beim Landeswettbewerb, dessen Anforderungen sie noch nicht richtig einzuschätzen vermag. Der Wettstreit der besten Leser bietet immer wieder Überraschungen. Das hat Monique Roszak selbst erfahren. Auf Klassen- und Schulebene hat sie gepunktet, auch beim Kreisausscheid war sie vorn dabei. "Das war aber schon ein ganzes Stück schwerer", erinnert sich die Leseratte. "Da waren auch viel mehr Leute da." Schüler, Eltern und eine ganze Menge anderer Neugieriger hatten die Wittenberger Stadtbibliothek praktisch aus allen Nähten platzen lassen und bei Monique für Magengrummeln gesorgt. "Aber als ich das Buch in der Hand hatte und lesen sollte, war alles vorbei."
Die Schülerin fühlt sich wohl beim Vortrag. Lehrer Michael Winkler ahnt, warum. "Sie liest mit Abstand am besten." Das Lob ist nicht einfach so daher gesagt. Der Pädagoge hat Monique bei den Wettbewerben begleitet und auch den Bezirksausscheid in Freyburg miterlebt. Als er die anderen Teilnehmer gehört habe, habe er ein sehr gutes Gefühl bekommen, beschreibt Winkler seine Eindrücke. Monique enttäuschte nicht. Sie nahm ihr Lieblingsbuch zur Hand und ließ die Vorstadtkrokodile zum Leben erwachen. Max von der Grün hat die Geschichte um die Bande von Kindern und den pfiffigen Rollstuhlfahrer Kurt zu Papier gebracht. "Ein Buch aus dem Leben", meint die Sekundarschülerin, lehnt sich zurück und blättert noch einmal die Seiten durch.
Gern würde sie auch in Halle die Krokodile tanzen lassen. "Das geht aber nicht." Die Regeln sind klar, weiß sie. Die Ziele auch. Monique Roszak möchte niemanden enttäuschen: sich nicht und auch nicht ihre Fans in der Familie und der Schule. "Mal sehen, was rauskommt."