Kreis Wittenberg: Eine große Glücksparade

05.07.2012 20:07 Uhr | Aktualisiert 06.07.2012 20:14 Uhr
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Tanzgruppe

Sie haben offenkundig viel Freude an Bewegung, die Mädchen der Tanzgruppe der Grundschule. Beim Heimatabend haben sie es gezeigt. (FOTO: FRANK GROMMISCH)

Von Frank Grommisch
So eine saubere Bühne hat es zu einem Heimatabend in Schweinitz wohl noch nie gegeben. Zum Schul- und Heimatfest bieten die Schweinitzer einen unterhaltsamen Abend.
Schweinitz/MZ. 

So eine saubere Bühne hat es zu einem Heimatabend in Schweinitz wohl noch nie gegeben. Jenny Scholz und Linda Kappert wischten und schrubbten so eifrig, dass sie nicht bemerkten, dass sich Hunderte Gäste zu dem Programm aus Anlass des 187. Schul- und Heimatfestes eingefunden hatten. Schließlich war ihre Aufmerksamkeit auf den Reinigungsprozess und auf das Austauschen von Neuigkeiten gerichtet.

Erleichtert über Niedrigwasser

Zu ihren wichtigsten Feststellungen gehörte dabei, dass im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Jahren Schweinitz von Elster-Hochwässern verschont geblieben ist. Das wurde auch im Publikum erleichtert aufgenommen. Allerdings, die beiden Putzfrauen wollten gleich noch einen Schritt weiter gehen und das Schweinitzer Heimatlied umdichten, weil doch jetzt so wenig Wasser im Fluss sei wie schon lange nicht. Und die beiden lobten die gestiegenen Chancen, dass es aufgrund der Sanierungsarbeiten auch außerhalb der Dämme trocken bleibt. Allerdings, das bereitete ihnen dann doch wieder Sorgen. Denn die Arbeiten kosten doch viel Geld und wenn Jessens Bürgermeister da ebenfalls investierte und zudem noch Geld nach Griechenland schickte, dann bleibt vielleicht kaum noch etwas für die Schweinitzer übrig ...

Aufs Geld ging das Stadtoberhaupt, als es auf der Bühne stand, nicht ein. Dietmar Brettschneider (CDU) plädierte dafür, ordentlich zu feiern, denn schließlich gebe es an manchen Tagen genug Ärger. Aber der sollte beim Heimatabend vergessen sein. Der Bürgermeister nutzte die Gelegenheit, noch einmal die Leistungen des bisherigen Vorsitzenden des Heimatfestvereins der Stadt Schweinitz, Wolf-Rüdiger Engel, öffentlich zu würdigen. Vor dessen Leistung habe er großen Respekt. Immerhin hatte Wolf-Rüdiger Engel 39 Jahre die Verantwortung getragen, bevor er sie in diesem Jahr an Dirk Nowak abgab. Dass in Schweinitz zunehmend jüngere Leute Aufgaben übernehmen, fand Lob. Auch in dieser Hinsicht hat Schweinitz also Glück. Und das passte genau in das Programm, das unter dem Motto stand "Glücksparade - Schwein muss man haben". Was für sie Glück ist, wussten Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte "Birkengrund" zu berichten: "Wenn ich mit Mama und Papa in den Urlaub fahre." "Einen tollen Kindergarten in Schweinitz zu haben." "Wenn ich ein Schwesterchen bekomme." Dass Glücksempfinden ganz unterschiedlich ausfallen kann, verdeutlichten die Moderatorinnen Nadine Müller und Linda Kappert. Für den einen sei das der Besitz eines Brillanten, für den anderen das Lachen von Kindern, oder eben Gesundheit, Sonnenschein, gute Laune und viel Spaß. Letzteren hatte das Publikum in dem gut besetzten Zelt eine Stunde und 45 Minuten lang. Dafür sorgte auch der seit 165 Jahren bestehende Schweinitzer Männerchor. Er forderte dazu auf: "Lebe, liebe, lache. Sag' dem Glück Guten Tag." Das Party-Ensemble des Schweinitzer Spielmannszugs haute nicht allein auf die Pauke und kündigte an, bis um vier Uhr durchzumachen, sondern es war ganz ohne Instrumente zu erleben. Diese Premiere weckt Neugier auf mehr. Unter Anleitung von Julia Nowak hatten die Musikanten nämlich einen Tanz einstudiert, einen so genannten Flashmob (vermeintlich spontane Aktion), der bereits am anderen Ende des Zeltes begann und bis ins Scheinwerferlicht an der Stirnseite führte. Hierfür gab es großen Beifall, ebenso für die von Julia Nowak trainierte Tanzgruppe, die erst nach einer Zugabe ihrer Interpretation eines "Wham"-Titels von der Bühne durfte.

Duo hat begeistert

Die spektakulärste Zugabe präsentierten beim Heimatabend Eva-Maria Zimmermann und Lisa Matthias. Nach dem Live-Gesang "Die perfekte Welle" von "Juli" wollte das Publikum noch mehr hören. Aber das Lied einfach wiederholen, wollten die beiden nicht, so entschieden sie sich dafür "Klingklang" von Keimzeit a cappella darzubieten. Das wurde von den Zuhörern begeistert aufgenommen. Und die Gäste erfreuten sich an einem großen Durcheinander, für das die Popgymnastikgruppe Schweinitz sorgte. Beim Zappen am Fernseher konkurrierten die "Wir"-Landfrauen mit dem Landfunk aus der Schweinemastanlage Gerbisbach, der Stramplersprechstunde für junge Eltern und dem Sportstudio. Eine Folge war die Empfehlung an junge Mütter, öfter mal auszumisten. Die Themenwahl für den Heimatabend erwies sich auf jeden Fall als Schweinitzer Glücksfall.