Kreis Wittenberg: Gefahr auf Spielplätzen?

11.05.2012 19:29 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 22:25 Uhr
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Gefährliches Gespinst

Gefährliches Gespinst (FOTO: FORST)

Von SABINE WESNER und Frank grommisch
Sie sind nicht größer als ein kleiner Finger, aber wegen ihrer giftigen Härchen für den Menschen sind die Eichenprozessionsspinner sehr gefährlich. Und trotz des Großaufgebots, mit dem ihm vor einigen Tagen zu Leibe gerückt wurde, ist die Gefahr längst nicht überall gebannt.
Jessen/Annaburg/MZ. 

Sie sind nicht größer als ein kleiner Finger, aber wegen ihrer giftigen Härchen für den Menschen sehr gefährlich. Und trotz des Großaufgebots, mit dem vor einigen Tagen dem Eichenprozessionsspinner und anderen Forstschädlingen zu Leibe gerückt wurde, ist die Gefahr längst nicht überall gebannt. Hubschrauber hatten auf einem Gebiet von etwa 845 Hektar Fläche im Landkreis Wittenberg Gift versprüht.

Mitarbeit an Karten

"Natürlich besteht auch nach der Aktion die Möglichkeit, dass der Eichenprozessionsspinner in Bereichen, die nicht behandelt wurden, auftaucht", räumt Ronald Gauert, Pressesprecher der Kreisverwaltung ein. Im Vorfeld wurde hierfür im Betreuungsforstamt Annaburg ein wesentlichen Beitrag bei der Vorbereitung der Sprühaktion geleistet und sämtliche Flächen, wo der Schädling vorkommt, vorgekommen ist oder wo man mit einem Befall rechnet, in die Karten eingetragen, nach deren Vorgaben auch gesprüht wurde.

"Dabei handelt es sich nicht nur um Flächen, die dem Waldgesetz unterliegen, wie zum Beispiel der Piesteritzer Volkspark oder das Freibad in Coswig", so Gauert. Von Seiten des Landkreises seien keine weiteren Maßnahmen gegen den Forstschädling geplant. "Außer natürlich, wenn wir über einen Befall informiert werden und eine Gefährdung besteht", sagt Gauert - und relativiert sogleich, dass auf Privatgrundstücken die jeweiligen Eigentümer selbst für die Schädlingsbekämpfung verantwortlich sind. "Inwieweit die Kommunen auf ihren öffentlichen Plätzen etwas haben, ist mir aber nicht bekannt", so der Mann aus der Kreisverwaltung.

Dort laufen Kontrollen. In den Ortsteilen sein die Eichenbestände auf Befall mit dem Eichenprozessionsspinner überprüft worden, sagt Jessens Bürgermeister Dietmar Brettschneider (CDU). Nach dem klar gewesen sei, wo mit Befall zu rechnen sei, seien Entscheidungen für kleinere Bekämpfungsaktionen gefallen, sozusagen per Hand. Unterstützung, so merkt der Bürgermeister noch dafür an, gibt es nicht. Die Kosten seien von der Kommune zu tragen.

"Unsere Baumpfleger, die täglich im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht unterwegs sind, um die etwa 15 000 Bäume im Stadtgebiet zu überprüfen, sind angehalten, besonderes Augenmerk auf einen möglichen Schädlingsbefall vor allem in Bereichen wie Spielplätzen, Sportstätten und Parkanlagen zu haben", erklärt Götz Kleeblatt, Hauptsachbearbeiter öffentliche Grünanlagen bei der Stadt Wittenberg auf Anfrage der MZ.

Auftrag an Spezialfirma

Natürlich sei man trotzdem auch auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen, die mögliche Gefahrenpotenziale melden können. "Sollte es auch in diesem Jahr wieder einzelne Bereiche geben, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind, werden wir eine Spezialfirma mit der Bekämpfung der Insekten und ihrer Nester beauftragen", versichert der Mann aus der Wittenberger Stadtverwaltung.

In den nächsten Tagen wird den Eichenprozessionsspinnern noch größere Aufmerksamkeit zukommen. Immerhin durchlaufen sie im Frühjahr sechs Larvenstadien, an deren Ende die Raupen bis zu fünf Zentimeter lang sein können. Ab dem dritten Larvenstadium können die Härchen bei Menschen, die damit in Berührung kommen, Auslöser von juckenden, entzündlichen Hautreaktionen sein. In etwa 14 Tagen, äußert Frank Ackermann, Leiter des Betreuungsforstamtes Annaburg, werde wohl das ganze Ausmaß sichtbar sein. Dann seien auch die Gespinstnester in Eichen auszumachen.

Doch die Forstleute und allen anderen Beteiligten an der eingangs erwähnten groß angelegten Bekämpfungsaktion per Hubschrauber sind zuversichtlich, dass dadurch Gefahren für Menschen und Natur gebannt werden konnten. Analysen im Wittenberger Stadtwald hätten gezeigt, dass die Aktion "erfolgreich war".