Friede Springer wird von Ministerpräsident Reiner Haseloff begrüßt. (FOTO: KLITZSCH)
"Unsere Mutter ist da." Ministerpräsident Reiner Haseloff, entspannt und aufgekratzt, geht Marie-Luise Marjan entgegen, besser bekannt als "Mutter Beimer" aus der Lindenstraße. Die schreitet als eine der letzten den 150 Meter langen roten Teppich vor dem Schloss Oranienbaum entlang - und hat auch hier einen großen Auftritt. Ganz in Weiß gehüllt gibt die "Mutter der Nation" Interviews, grüßt hier, scherzt da, passt auf, dass der Wind ihre Frisur nicht allzu sehr zaust, wenn die Fotografen den Auslöser drücken. Das tun sie oft. Oranienbaum erlebt an diesem Abend, was die kleine Stadt mit der großen Geschichte lange nicht hatte: ein rauschendes Fest mit allem, was dazu gehört. Hochadel, Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur in erklecklicher Zahl, ein erlesenes Menü in der Orangerie, Feuerwerk, Tanz - und eben den roten Teppich, dessen Länge ziemlich einzigartig sein soll. Und der übrigens aus Holland stammt. Zur Gala eingeladen haben Eduard Prinz von Anhalt und der Ministerpräsident, Anlass ist das Jubiläum "800 Jahre Anhalt". Mehr als eine Stunde lang schreiten die etwa 400 Gäste - mehr oder minder routiniert, mehr oder minder extravagant gekleidet - über den Teppich in den Ehrenhof. Dass das so lange dauert, liegt an den Medien und daran, dass nicht wenige ihren Auftritt samt dem Blitzlichtgewitter genießen. Um die 60 Pressevertreter sind gekommen.
Schlagerikone Dieter-Thomas Heck ist sichtlich vergnügt, er kennt viele der Gäste und raunt der MZ zu: "Das ist ein Gefühl hier wie Weihnachten". Er schwärmt wie Mutter Beimer von der "weiten Landschaft", der geschichtsträchtigen Region und bedauert, "nicht schon früher gekommen zu sein". Eduard Prinz von Anhalt ist in seinem Element und ständig unterwegs, lächelt und grüßt, lächelt und grüßt: "Wunderbar. Prinz Albert von Sachsen, das ist eine ganz große Ehre". Der Chef des Hauses Anhalt vergleicht den Zustand des Schlosses Oranienbaum mit dem der Region. "Da befindet sich vieles in der Entwicklung, aber die Vergangenheit ist großartig." Der Prinz hofft auf wachsendes Geschichtsbewusstsein - und darauf, dass seine Gäste nach der Gala sagen: "Das ist toll hier". Wer das längst weiß, das ist die Verlegerin Friede Springer, die mit Freundin Isa Gräfin von Hardenberg nach Oranienbaum gereist ist. "Ich finde es wunderschön und komme so oft wie möglich", sagt sie. In der Orangerie wird indes letzte Hand angelegt. Michael Pirl vom Wörlitzer Hotel "Zum Stein" ist bestens gelaunt und zeigt die eingedeckten Tische. Ganz in weiß, der Fußboden grün, dann noch rot, die Farben des Hauses Anhalt. Zitronen liegen auf Tischen, hängen an (Lorbeer-)Bäumchen. Er zeigt, wer wo sitzt und neben wem. Die Sitzordnung ist natürlich wichtig, nicht minder, wie die Adligen angesprochen werden sollten. In der eigens eingerichteten Küche hängen Fotos und Titel der ganz wichtigen Personen, damit das Servicepersonal nicht die Namen verwechselt. Das wäre peinlich.
Dass die Oranienbaumer das "Prominenten-Treffen" zu schätzen wissen, zeigen etwa hundert Leute, die hinter der Absperrung warten. Eine von ihnen ist Gießlinde Streich: "Seit Königin Beatrix der Niederlande da war, ist in Oranienbaum die Welt zu Gast. Mir gefällt das ausgezeichnet".