Kurz, bevor es soweit ist, schiebt Ministerpräsidentengattin Gabriele Haseloff ihren schwarzen Hut zurecht: "Den habe ich mir noch schnell geliehen", sagt sie kurz - dann raunt ein Sicherheitsbeamter ihrem Ehemann etwas ins Ohr. Es geht los, Plätze vor dem Oranienbaumer Schloss einnehmen. Die Königin kommt! Und zwar pünktlich.
Königin Beatrix der Niederlande, bereits um kurz nach zehn am Flughafen Leipzig / Halle gelandet und per Autokolonne weitergereist, nimmt das Geschrei der Fotografen mit Gelassenheit. Im eleganten auberginefarbenen Mantel mit fliederfarbenen Einsätzen und dazu passendem Hut schreitet sie auf eine große Menschentraube an der Schlosstreppe zu. Es sind die niederländischen Designer, deren Werke in der Sommerausstellung "Dutch Design - Huis van Oranje" im Schloss in Kombination mit historischen Objekten aus dem Königlichen Hausarchiv in Den Haag und Gemälden aus der Sammlung der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz gezeigt werden.
Wegen dieser Schau ist die Regentin nach Oranienbaum gekommen - trotz Regierungskrise. Begleitet wird sie von Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt, die dezentes Beige gewählt hat. Derweil kommen die Designer der zeitgenössischen Werke teils selbst wie Kunstwerke daher: mit wild geschnittenen Kleidern, Garderobe wie für einen Ball und verrückten Hutkreationen, wahlweise in Pink, Lindgrün oder feinem Creme. Das macht sich auf dem Foto mit der Königin hervorragend. Diese wandelt bei dem Besuch auf den Spuren ihrer Ahnen: Stammt sie doch von Prinzessin Henriette Catharina von Oranien-Nassau ab, die von 1660 bis zu ihrem Tod 1708 hier residierte.
Ministerpräsident Reiner Haseloff ist sichtlich angetan von ihrem Kommen: Oranienbaum sei ein kultureller Ort, der Niederländer und Deutsche verbinde, sagt er. Und erwähnt in seiner Begrüßung vor einem Zelt mit etlichen geladenen Gästen in dem nach frisch gemähten Rasen duftenden Park hinter dem Schloss auch gleich, dass er ja praktisch ebenfalls ein Landeskind der Königin sei: Schließlich stamme sein Name von einem Ort im Fläming, wo sich einst niederländische Siedler niedergelassen hätten. Die Königin in der ersten Reihe lächelt. Sie führt in Oranienbaum zwar am Rande viele Gespräche - eine öffentliche Äußerung ist im Protokoll aber nicht vorgesehen, genauso wenig wie vom Bundespräsidenten.
Ihr ist in diesen Minuten nicht anzumerken, welche Sorgen sie quälen müssen - nicht nur wegen der Regierungskrise. Ihr zweitältester Sohn liegt seit einem Lawinenunfall im Februar im Koma. "Die Königin hat diesen Besuch mit sehr viel Würde getragen, aber man merkt: Sie leidet", erzählt später Eduard Prinz von Anhalt, der bei ihrem Rundgang durch das Schloss dabei war.
Dort führt die Kuratorin der Schau, Nicole Uniquole, den Besuch durch die Ausstellung, die Alt und Neu nebeneinander versammelt. Und dabei zeigt sich die Königin höchst interessiert an Kunst, Mode, Handwerk und Design. Bei den bereits von Popsängerin Lady Gaga getragenen Werken des Modedesigners Jan Taminiau angelangt, erfährt der kleine Kreis, der sie begleiten darf, dass genau dieser Designer auch für ihre Schwiegertochter schneidere - gemeint ist Prinzessin Máxima.
Die Schau, die laut Thomas Weiss, dem Direktor der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, "das anspruchsvollste Projekt der Stiftung seit 20 Jahren" ist, gefällt der Monarchin so gut, dass am Ende sogar der strenge Zeitrahmen ein wenig aus den Fugen gerät: Fast eine Viertelstunde später als geplant, um kurz vor zwei, steigt die Königin in ihre gepanzerte Limousine - natürlich erst, nachdem sie noch einmal gewunken hat.
Bevor sie gegen 16 Uhr dann in Schkeuditz in ihre weiß-orangene Fokker 70 entschwindet, geht es aber noch ins Wörlitzer Schloss, zum Mittagessen. Dort hat der Küchenchef des Ringhotels "Zum Stein", Sören Bahn, aufgetischt: Bärlauchsüppchen mit karamellisierten Apfelstücken, Rinderfilet von Tieren aus der Region mit Zerbster Stangenspargel zu Weinen aus Freyburg und vom Landesweingut Klosterpforta. Und hinterher ein Zitronen-Quitten-Eis auf Apfelkompott. Es soll den Herrschaften sehr geschmeckt haben.