Kreis Wittenberg: Noch weniger Schulen

14.05.2012 20:37 Uhr | Aktualisiert 14.05.2012 20:44 Uhr
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Von Klaus Adam
"Es ist uns nicht gelungen, die Zahlen bis 2030 zu erreichen, nämlich mindestens 100 Schüler pro Grundschule." So Annaburgs stellvertretende Bürgermeisterin Anja Liebig. Damit könnte eine der beiden Grundschulen Annaburgs auf Dauer in ihrem Bestand gefährdet sein.
Annaburg/Jessen/MZ. 

Landes-Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hatte der MZ gegenüber bestätigt, "unser Schulnetz noch ein bisschen optimieren" zu müssen. Insbesondere dort, wo innerhalb der vor anderthalb Jahren gebildeten Einheitskommunen mehrere Grundschulen in einem Verwaltungsbereich liegen, solle gespart werden.

Eine Schule wird bleiben

Doch Anja Liebig verweist darauf, dass es verschiedene Berechnungsmodelle für die Bevölkerungsprognose gibt. Bei der Antragstellung für das Stark-III-Förderprogramm, mit dem unter anderem Schulen unter energiesparenden Gesichtspunkten saniert werden können, "mussten wir die 5. regionalisierte Bevölkerungsprognose anwenden", die das Statistische Landesamt erarbeitete. Danach würden jedoch in beiden Annaburger Grundschulen bis 2030 höchstens 130 Schüler gezählt werden. Sollten die Ministerpläne umgesetzt werden, müsste die Stadt sich langfristig ein Bild darüber verschaffen, welche Schule so profiliert werden kann, dass sie 130 Schüler aufnehmen kann. Die gerade eben beantragten Stark-III-Fördermittel sind aber bekanntlich an den Bestandsnachweis des Schulstandortes bis 2020 gekettet.

"Doch es hängt noch viel mehr dran", verweist die Vize-Bürgermeisterin auf Abhängigkeiten. Der öffentliche Personennahverkehr ist auf dem Lande durchweg an den Schülerverkehr angebunden. Veränderungen im Schulsystem wirkten sich zwangsläufig auch auf den öffentlichen Nahverkehr aus.

Jessens Bürgermeister Dietmar Brettschneider (CDU) bringt für die Ministerpläne keinerlei Verständnis auf. "Betrachtet man die Entwicklung in Sachsen-Anhalt, so muss man feststellen, dass es wohl keine bessere Spielwiese für die Politik gibt, als die Schulen und Kindereinrichtungen", so Brettschneider. "Wir wollen Sicherheit für junge Leute erreichen, aber diskutieren jedes Jahr über Einsparungen bei Schulen und Kindereinrichtungen." Nach seiner Meinung sollte die Landespolitik eine langfristige Strategie erarbeiten, "in welchem Abstand Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien liegen sollten und mit welchem Aufwand wir unsere Schüler transportieren wollen".

Bedarf höher als Möglichkeiten

Was nun die konkreten Dorgerloh-Pläne betrifft, "werden wir uns mit dem Gedanken gar nicht anfreunden, weil das ein Schuss ist, der ins Leere gehen muss", so Brettschneider. Der im Übrigen anregt, mal in die nordeuropäischen Länder zu schauen. Nach seiner Kenntnis liege allein der Finanzbedarf für das Stark-III-Programm im Kreis bei 48 Millionen Euro. "Das ist schon mehr, als das Land insgesamt zur Verfügung stellt", so Jessens Bürgermeister. Und er fügt an, dass allein die Elsterstadt einen Sanierungsbedarf innerhalb Stark III von 23 Millionen Euro hat.