Das notgelandete Flugzeug steht in einem Getreidefeld bei Merschwitz. (FOTO: KLITZSCH)
Werner Gutzmer hat am Mittwochmorgen nicht schlecht gestaunt. In einem Roggenfeld unweit des "Golmer Weinbergs" entdeckte der Chef der Agrargenossenschaft Pretzsch ein gelbes Teil, das dort nicht hingehört. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um ein Kleinflugzeug handelt, das im gut stehenden Getreide "geparkt" war, ein ultraleichter Motorsegler, ein verlassener Einsitzer - kaum beschädigt auf den ersten Blick. Lediglich ein Blatt des Propellers war offenbar abgebrochen und lag in der Kanzel. Relativ schnell klärte sich der Fall. Der Pilot der Maschine tauchte am Vormittag mit Auto und großem Hänger am Feldrand auf, um das Flugzeug auseinanderzunehmen und "einzupacken".
Eine größere Gefahr für Siedlungen oder Menschen bestand offenkundig nicht. Der nicht unerfahrene Hobby-Pilot aus Wittenberg, der seinen Namen nicht nennen mag und nach eigenen Angaben bereits weit mehr als hundert Flugstunden absolviert hat, brachte den Motorsegler vom Typ "Ulf-2" kontrolliert zu Boden. Er musste Dienstagabend gegen 19 Uhr notlanden: "Mit einem Mal stotterte der Motor und ging plötzlich aus." Kein Grund zur Panik für den Piloten: "Man lernt ja, wie man sich in solchen Situationen verhalten muss. Das Segeln ohne Motor war sogar wunderschön", berichtet ein erstaunlich entspannter Mann am Tag danach. Allerdings hat er sich bei seiner Notlandung ein bisschen vertan. "Ich war über einem Waldstück und sah eine Fläche, die von weit oben wie eine Wiese aussah." Die Wiese stellte sich bald als ein Maisfeld heraus.
Der Wittenberger flog noch einen Halbkreis, "weil ich ja möglichst wenig Flurschaden anrichten wollte". Allerdings schaffte er es nicht mehr ganz, den Rand des gegenüberliegenden Getreidefeldes zu erreichen und landete darinnen. Gutzmer spricht von einer etwa 20 Meter langen, rund acht Meter breiten Schneise. Zudem ist das Flugzeug nach der Landung noch bewegt worden, der 74-jährige Pilot zog es in Richtung Feldrand.
Schwierige Orientierung
"Das einzige, was mir weh tut, sind meine Beine - und zwar vom Laufen", ist die Antwort auf die Frage, ob er sich bei der Notlandung verletzt habe. Die Orientierung war nicht ganz einfach für ihn. Dass der "Golmer Weinberg" nicht weit weg ist, wusste der Mann nicht. Er lief durch Wald und Flur, "ewige Feldwege entlang" und traf schließlich auf die Straße Richtung Trebitz. Dass dort keiner der Autofahrer angehalten und auf sein Winken reagiert habe, beklagt der Wittenberger. Erst kurz vor Trebitz halfen ihm zwei junge Leute mit ihrem Mobiltelefon. Der 74-Jährige rief einen Kumpel an, der ihn kurz vor Rackith auflas und zu seinem am Flugplatz bei Niemegk abgestellten Auto transportierte.
Begonnen hat der Hobby-Pilot seinen so abrupt endenden Flug bei bestem Wetter: "Ich wollte einen kleinen Rundflug machen, über Wittenberg, Bad Schmiedeberg und zurück. Alles war wunderbar, bis der Motor plötzlich streikte. Warum, das weiß ich noch nicht. Benzin war jedenfalls noch genug im Tank." Dass er das Roggenfeld geschädigt hat, tut ihm Leid. Werner Gutzmer aber nimmt das nicht krumm: "Der Schaden ist gering und wir haben uns schon geeinigt. Ich habe dem Piloten zuallererst gratuliert, dass er noch lebt und die Notlandung unverletzt überstanden hat."
Das Fliegen nicht aufgeben
Dem Wittenberger unterdessen ist der Schreck nicht zu sehr in die Glieder gefahren. Für ihn steht fest: "Ich gebe das Fliegen nicht auf". Natürlich muss zunächst untersucht werden, wieso der Motor urplötzlich keinen Mucks mehr sagte: "Wenn das Flugzeug wieder in die Gänge gekommen ist, geht es weiter."