Kreis Wittenberg: Sänger zieht es ins Grüne

25.06.2012 19:03 Uhr | Aktualisiert 25.06.2012 22:28 Uhr
Drucken per Mail
Schweinitzer Männerchor

Der Schweinitzer Männerchor 1847 stimmt die Gäste erstmals mit dem Titel «Harmonie», von Bernd Scheibe geschrieben, auf den 165. Jahrestag ein. (FOTO: GABI ZAHN)

Von Gabi zahn
Genauso haben sich die Schweinitzer Chorsänger ihr Jubiläumsfest vorgestellt: Gemeinsam mit Gleichgesinnten in der herrlichen Kulisse von Elstermanns Park vor zahlreichen Gästen das tun, was ihnen am meisten Spaß macht: Singen aus voller Kehle und mit freudigem Herzen.
Schweinitz/MZ. 

Das angenehme Sommerwetter schickt Petrus bei diesem 15. Chor- und Parkfest noch als Bonus. Alles ist dank der Gastgeber und mit Unterstützung des städtischen Bauhofes bestens vorbereitet. Schon seit dem frühen Morgen sind Vereinsvorsitzender Knut Werner und viele Mitstreiter vor Ort, um die Bühne aufzubauen.

Am Vorabend hatten sie liebe Gäste begrüßt: den Männergesangsverein Liedertafel Lohe aus Bad Oeynhausen. In dessen Reihen singt Fritz Meinhardt, der vor mehr als zwei Jahrzehnten dem Schweinitzer Ensemble angehörte und dessen Verbundenheit mit der früheren Heimat seit Jahren die Basis für eine enge Chorfreundschaft ist. "Aus unserem Zusammensein sind mittlerweile sogar private Freundschaften entstanden", sagt Kurt Kruse, Pressewart der Liedertafel Lohe. Sein Sangesbruder Wilhelm Löbbering erzählt: "Die schlichte herzliche Freundlichkeit, mit der wir hier empfangen werden, erfüllt die lange Reise mit großer Freude. So wurden wir heute Morgen zu einer beeindruckenden Parkführung eingeladen und bekamen im Anschluss Kirschen und Wein aus der Region serviert. Das war eine tolle Überraschung."

Auftakt mit "Harmonie"

Am frühen Nachmittag füllt sich auch zur Freude von Siegfried und Käthe Elstermann, die rührigen Eigentümer des Parks, der Platz vor der Bühne rasch mit Gästen. Viele nutzen noch vor Konzertbeginn die Möglichkeit zum Spaziergang und bewundern die reizvolle Anlage. Dann gilt die volle Aufmerksamkeit dem Männerchor Schweinitz und zunächst dem Vereinsvorsitzenden Knut Werner, der das Publikum und alle Gastchöre willkommen heißt. Sodann überraschen die Schweinitzer unter Leitung von Frank Ende zum Auftakt mit einem Lied, das sie erstmals singen: "Harmonie" heißt es und erzählt, wie die vier Stimmlagen eines Chores zueinander finden und sich letztlich zu jener großen Stimmgewaltigkeit vereinen, die Chorgesang ausmacht. Bernd Scheibe, der frühere Chorleiter, hat das anspruchsvolle Werk einst geschrieben und hört es nun inmitten der Gäste.

Bevor der musikalische Reigen weitergeht, betritt Hannelore Kießling aus Wittenberg die Bühne. Beauftragt vom Sängerkreis Anhalt-Dessau hat sie die ehrenvolle Aufgabe, verdiente Mitglieder des Schweinitzer Chores auszuzeichnen (mehr dazu unter "Anerkennungen in Gold und Silber"). Darauf gibt es ein "In vino veritas" der Gastgeber. Sodann lässt der Forstliche Gesangverein Annaburg seiner Natur gemäß "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" erschallen und beschließt sein Lieder-Quartett mit "Küssen, Trinken, Singen". Das werden die Annaburger vielleicht auch am 14. Oktober im "Goldenen Ring" ihrer Heimatstadt zelebrieren, wenn sie zum 40-jährigen Chorjubiläum einladen. Mit dem Männergesangverein 1836 Herzberg betreten Freunde aus Brandenburg die Bühne und grüßen " … mit Herz und Hand".

Sehr angenehm zu erleben: In ihren Reihen gibt es Nachwuchs. Der erst 27-jährige Thomas Kriebel, jüngst zum Schatzmeister des Vereins gewählt, bittet Knut Werner mit auf die Bühne, und das Publikum sieht schmunzelnd, wie die Herzberger mit vereinten Kräften einen Riesenkorb mit "Jubiläumströpfchen" als Geschenk überreichen - "zum Ölen der Stimmen". Dem Heimatlieder-Potpourri unter der bewährten Leitung von Pfarrer i.R. Reinhard Uhle folgen andere Klänge: Erstmals zu diesem Fest wird der Gospelchor Wittenberg herzlich begrüßt und lässt seine Botschaften hören, u.a. "Freedom is coming". Das Publikum nimmt den Rhythmus schnell auf, klatscht im Takt mit. Der Volkschor Prettin lädt u.a. mit "Der Wanderer" zum Waldspaziergang ein. Dem schließen sich die Sänger vom Jessener Männerchor 1859 an und lassen "Im Wald, wo's Echo schallt" voluminös und äußerst fein im Zusammenklang der Stimmen am Ende das "Trara" ertönen. Zum Höhepunkt wird jedoch ihr scherzhaftes Jagdlied "Es blies ein Jäger in sein Horn", bei dem die Mitwirkung des Publikums ausdrücklich erbeten wird. Mit Chorleiter Udo Sommer als charmantem Moderator gelingt das auf Anhieb. Der Gemischte Chor Elster gratuliert mit der "Kirmesorgel" und fordert dann auf "Wer heute mit uns singen mag, der trete nur herzu".

Dieser Aufforderung folgen die weit gereisten Gäste von der Liedertafel Lohe und präsentieren u.a. mit "Hereinspaziert" und "Rüdesheimer Wein" Paradestücke ihres traditionsreichen Ensembles. Mit dem zu Herzen gehenden melancholischen Liebeslied "Bajazzo" vermitteln sie darüber hinaus wirklich professionelle Sangeskunst, der das Publikum mit Gänsehaut lauscht.

Vorfreude aufs nächste Chorfest

"Wahre Freundschaft soll nicht wanken" ist eines der letzten Lieder, das die Schweinitzer Gastgeber singen. Mit Bedacht und in der Hoffnung, dass Gesang auch künftig eine Brücke zwischen Menschen schlägt. Deshalb heißt es zum Abschluss im Kanon, der alle vereint: "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder" - und das gilt schon übers Jahr als Einladung für das nächste Chorfest.