Kreis Wittenberg: Seebühne mit Energiedrachen

20.06.2012 19:07 Uhr | Aktualisiert 20.06.2012 20:10 Uhr
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Lucile Barras

Lucile Barras bringt die Ideen auf das Papier. FOTO: THOMAS KLITZSCH

Von Ulf rostalsky
Spinnen ist erlaubt. Der Satz soll die Teilnehmer provozieren. "Wir spinnen an Ideen", sagt Ferropolis-Pressesprecherin Janine Scharf. In der Stadt aus Eisen stand die erste Zukunftswerkstatt auf dem Programm.
Gräfenhainichen/MZ. 

Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hausherren um Geschäftsführer Thies Schröder und Jacob Bilabel, den Gründer der Green Music Initiative und Chef der Agentur Thema1.

80 000 Kilowattstunden für Melt

Ferropolis ist als Veranstaltungsort alles andere als Durchschnitt. Die Baggerkulisse ist einzigartig. Besonders wird die Stadt aus Eisen aber auch durch die Nutzung erneuerbarer Energien. 170 000 Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen die Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Baggerstadt. Das Problem: Strom wird gewöhnlich ins Netz eingespeist. Finanzierbare Lösungen für eine Speicherung und bedarfsgerechte Nutzung des Stroms gibt es nicht. Gleichwohl aber Zahlen. 80 000 Kilowattstunden Strom braucht ein Konzert wie Melt.

Gut möglich also, dass bei Ausbau der vorhandenen Stromerzeuger und Speichermöglichkeiten ein Festivalstandort weitgehend energieautark leben kann. Die Zukunftswerkstatt zur Energieversorgung bei Großveranstaltungen liefert keine fertigen Lösungen. Sie soll der Auftakt für einen regen Austausch sein und offenbar ganz verschiedene Welten zueinander bringen. Hier die Künstler, dort die kühl rechnenden Ingenieure. Künstlerische Visionen, kühne Ideen und am Ende die Frage der Finanzierbarkeit machen die Atmosphäre aus.

Solarduschen und Elektrocars

Viele Ideen beschleunigen das Projekt vom bewusst auf alternative Energie ausgerichteten Festivalstandort. Warum nicht das Thema schon bei der Ankunft und den ersten Stunden auf dem Festivalgelände aufgreifen? Für Alexander Bormann scheint es nicht unmöglich, Solarduschen zu installieren, Elektroautos fahren zu lassen oder Infoterminals zu errichten, die durch Sonnenstrom betrieben werden. Der promovierte Ingenieur denkt auch an sein Projekt. Energiedrachen hat er entwickelt. Sie sind Hingucker und liefern außerdem Energie.

Auf Schwungrad-Busse macht hingegen Lucile Barras aufmerksam. Die Schweizerin arbeitet für die Agentur Thema1, präsentiert Visionen, serviert aber auch einen ganz banalen Ansatz. "Ferropolis braucht einen Energieberater."

Der hätte sehr wahrscheinlich sehr schnell Handlungsempfehlungen bei der Hand: Lampen tauschen, stromfressende Kühlschränke abschaffen. Vielleicht würde er sogar die Idee gutheißen, auf dem Areal eine Biogasanlage zu installieren.

Strom aus Müll, Mais und Algen

Energie aus Müll und Mais, der auf jetzt noch kahlen Flächen wächst. Vielleicht auch aus Algen, die im Gremminer See gezogen werden: Theoretisch machbar ist so etwas. "Schon 2013", wie Peter Klamser vom sachsen-anhaltischen Wirtschaftsministerium denkt. Einen Reiz hätte außerdem eine im See schwimmende Bühne, die Strom ausschließlich aus Photovoltaikzellen bezieht.

"Ich bin wirklich begeistert von den neuen Ideen. Ich bin schließlich auch der Nutznießer", zieht Hausherr Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder eine erste Bilanz der Premiere der neuen Zukunftswerkstatt, die fortgesetzt werden soll.