Kreis Wittenberg: Was macht der Hühnerstall im Schloss?

18.04.2012 18:19 Uhr | Aktualisiert 18.04.2012 18:43 Uhr
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Holzhühnerhaus

Von Frederik Roijé ist das architektonische Holzhühnerhaus «fürs Brüten und um darin Ruhe zu finden» - zu sehen in der Schau «Dutch Design». (FOTO: KLITZSCH)

Von corinna nitz
In Oranienbaum geht der Aufbau der Sommerausstellung "Dutch Design - Huis van Oranje" der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz voran, die ab nächsten Donnerstag im Schloss zu sehen ist.
Oranienbaum/MZ. 

Wäre er größer, könnte man selbst einziehen, sagt sinngemäß Wolfgang Savelsberg. Ein Scherz, gewiss. Die Rede ist hier schließlich von einem Hühnerstall. Aber was für einer! Der niederländische Designer Frederik Roijé hat ein raumgreifendes, höchst komplexes Gebilde aus Häuschen, Schrägen und Gängen auf mehreren Ebenen konzipiert. Es ist bei genauer Betrachtung ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Designer nicht nur schön anzusehende Dinge herstellen, sondern sich mit gestalterischen Mitteln auch in die Lösung von Alltagsproblemen einbringen können. Im Fall des Hühnerstalls dürfte es das Raumproblem sein, welches es gerade in Städten zu bewältigen gilt.

Das Chaos weicht

Offiziell gezeigt wird das Objekt ab nächstem Donnerstag im Keller des Oranienbaumer Schlosses in der großen Sommerausstellung "Dutch Design - Huis van Oranje" der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Mit dem nach Ostern begonnenen Aufbau kommen sie gut voran und auch Savelsberg, bei der Stiftung Chef der Abteilung Schlösser und Sammlungen, macht an diesem Mittwochmorgen einen zufriedenen Eindruck. Wo vor wenigen Tagen wie berichtet noch Chaos herrschte, geht es inzwischen ziemlich geordnet zu.

In nahezu allen 50 (!) Räumen, die bespielt werden, bekommt man schon jetzt einen lebendigen Eindruck, wie diese Schau mit ihren fantastischen Exponaten aussehen wird. Savelsberg sagt: "Es wird eine schön komponierte Ausstellung." Zu den wichtigsten Komponisten, um einmal im Bild zu bleiben, gehört Nicole Uniquole. Die Niederländerin kuratiert die Schau, in der hochwertiges zeitgenössisches Design auch in Bezug gesetzt wird zu Details, wie sie sich unter anderem auf den ebenfalls ausgestellten Gemälden finden. 45 erlesene Objekte stellt Savelsberg zufolge das Königliche Hausarchiv in Den Haag zur Verfügung.

Trügerische Ruhe

Die vergleichsweise ruhige Atmosphäre MIttwochvormittag im Schloss entpuppt sich übrigens als trügerisch. Hier dreht ein Fernsehteam, dort schwirrt Stylist Maarten Spruyt umher. Einer jungen Frau ist eine Rolle abhanden gekommen, deren Inhalt sie für die Rahmengestaltung eines Stammbaums der Königlichen Familie benötigt. In einem der Kabinette werden noch immer kostbare Vasen ausgepackt. Nach frischer Farbe riecht es im Souterrain des Schlosses. Und ein schaurig-schöner Anblick bietet sich im legendären Fliesenkeller (Sommerspeisesaal): Dort liegt, wie hingegossen, eine lebensgroße Figurine und wartet darauf, endlich angekleidet zu werden. Gearbeitet wird aber nicht nur im Schloss. Auch der Außenbereich muss weiter gestaltet werden. Etwa setzen Gärtner Pflanzen entlang des Mittelwegs, den am 25. April Königin Beatrix hinaufschreiten wird. Auch ein Café wird draußen eingerichtet mit mobilen Sitzgelegenheiten. Ihre Farbe? Natürlich Orange.