Kreis Wittenberg: Zeichen des Zusammenhalts

08.05.2012 18:43 Uhr | Aktualisiert 08.05.2012 18:56 Uhr
Drucken per Mail
Stefan Dammhayn, Bürgermeister Bad Schmiedeberg

Stefan Dammhayn, Bürgermeister Bad Schmiedeberg. (FOTO: ACHIM KUHN)

Von KARINA BLÜTHGEN
Ein Willkommen zum "Frühlingsfest" entbietet die Einheitsgemeinde Bad Schmiedeberg, das Fest ist eher ein Empfang und verläuft, wie man es von Neujahrsempfängen gewohnt ist.
Bad Schmiedeberg/MZ. 

Er halte Zusammenkünfte dieser Art für wichtig, um sich kennen zu lernen, sagte Bad Schmiedebergs Bürgermeister Stefan Dammhayn (CDU). Der Saal im Kurhaus ist an diesem späten Freitagnachmittag nicht übermäßig gefüllt, die Ortsteile sind jedoch mehr oder weniger zahlreich vertreten. 200 Einladungen hat die Stadt an Mitglieder von Stadt- und Ortschaftsräten, Vertreter von Parteien, Vereinen und Unternehmen verschickt, etwa 70 Personen sind ihr gefolgt. Ein Willkommen zum "Frühlingsfest" entbietet die Einheitsgemeinde, das Fest ist eher ein Empfang und verläuft, wie man es von Neujahrsempfängen gewohnt ist.

Bewusst vom Jahresanfang weg

Doch einen Neujahrsempfang wollte die Kurstadt bewusst nicht. Der Terminkalender sei in den ersten Wochen eines jeden Jahres so voll, da habe man sich für das Frühjahr entschieden, so Dammhayn. Dem kann Wittenbergs Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) nur zustimmen. Allein die Fahrt durch die Dübener Heide, vorbei an Rapsfeldern und sattem Grün, sei das Kommen wert. So schön hätte man es im Winter nicht gehabt, findet er.

Stefan Dammhayn skizzierte noch einmal kurz den Weg zur Einheitsgemeinde, ein "kleiner Urknall" nach all den Debatten um das, was jeder Ort bewahrt haben wollte. "Wir haben einiges geschafft, in jedem Ort hat sich etwas getan", hebt der Bürgermeister hervor. Doch verhehlt er nicht, dass Bad Schmiedeberg erhebliche Schwierigkeiten hat. Die jedoch sind, so Dammhayn, nicht in der seit drei Jahren bestehenden Einheitsgemeinde begründet. "Die Konsolidierung zwingt uns, mit Minimalvarianten auszukommen."

Dennoch harren einige Dinge dringend der Erledigung. Eine neue Turnhalle etwa, für die, "egal wie hoch die Förderung ausfällt, die Stadt ein bis zwei Millionen wird dazu geben müssen", und der Ersatzbau für den Hort. Dannenberg erklärt, die Turnhalle stehe in der Prioritätenliste auf Platz eins und bekommt für den Satz Beifall. Einige schreiben sich das auch auf, etwa Roswitha Reinhardt. "Um die Leute später beim Wort nehmen zu können", sagt die Trebitzerin.

Nicht jeder will reden

Der offizielle Teil, mit wunderbarer Umrahmung durch die Musikschüler Barbara und Lukas Dietrich am Klavier, ist nach einer Dreiviertelstunde vorbei. Denn nur wenige Vertreter der Orte ergreifen das Wort, loben das Engagement in ihren Ortsteilen und lassen ansatzweise durchblicken, dass man mit dem Zusammenwachsen noch nicht am Ziel sei. Kurdirektor Deddo Lehmann, seit vier Jahren in der Stadt zu Hause, macht deutlich, dass es sich hier trotz mancher Tagesprobleme"verdammt gut leben lässt". Dann geht der Abend unvermittelt in lockere Gespräche am Büfett über. Axel Heil, längst nicht mehr Sachauer Feuerwehrchef, findet es eine "ganz angenehme Atmosphäre". "Neue Kontakte habe ich heute nicht geknüpft, aber alte wiederbelebt", lautet seine positive Bilanz des Abends.

Jens Mühlbach, Präsident des Söllichauer Karnevalsvereins, schaut etwas irritiert. "Ich glaube, ich bin heute der einzige aus unserem Ort", erklärt er. "Hätte ich das gewusst, hätte ich ein paar Sätze vorbereitet." Die hatte sich eigentlich auch der evangelische Pfarrer Christoph Krause zurecht gelegt, doch keinen passenden Moment gefunden, um sie los zu werden. Da ein Gymnasium nicht mehr in der Einheitsgemeinde existiert und schmerzlich vermisst wird, sollte die Stadt über eine Gemeinschaftsschule, also einen gemeinsamen Standort für Sekundarschule und Gymnasium nachdenken, findet der Pfarrer.