Die Straßenkriminalität in Deutschland ist gestiegen. (SYMBOLFOTO: DPA)
Während bundesweit die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Straftaten im vergangenen Jahr leicht angestiegen ist, fällt der Trend in Sachsen-Anhalt anders aus: Laut Polizeilicher Kriminalitätsstatistik des Landes wurden 2011 knapp 187 300 Fälle gezählt, "das ist gegenüber 2010 ein Rückgang um ein Prozent", so Anke Reppin, Sprecherin des Magdeburger Innenministeriums. Die Fallzahl sei in den zurückliegenden zehn Jahren um knapp 21 Prozent gesunken. Dass dies dennoch kein Grund für Euphorie ist, zeigt ein Blick auf die Details der Statistik. So sind etwa - wie auch im Bundesdurchschnitt - die Wohnungseinbrüche ein wachsendes Problem. Ein Überblick über die Erkenntnisse für Sachsen-Anhalt:
Obwohl die Fallzahlen kontinuierlich gesunken sind, liegt Sachsen-Anhalt im Vergleich mit den anderen Bundesländern bei der Häufigkeit der Fälle seit Jahren relativ weit vorn. "Das hängt überwiegend damit zusammen, dass seit Jahren auch die Bevölkerung des Landes zurückgeht und sich somit der positive Effekt des Straftatenrückgangs nicht in gleichem Maße auf die Häufigkeitszahl auswirkt", erklärt Innenministeriumssprecherin Anke Reppin. Die Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner betrug voriges Jahr im Land gut 8 000. Das sei die geringste Zahl seit 1994.
Probleme: Steigerungen der erfassten Fälle wurden 2011 in Sachsen-Anhalt besonders bei Diebstählen und Rauschgiftdelikten festgestellt. Die Zahl der Wohnungseinbrüche nahm um 3,8 Prozent zu. Allerdings ist die Entwicklung in Sachsen-Anhalt nicht ganz so dramatisch wie im Bundestrend, wo diese Zahl um mehr als neun Prozent angestiegen ist. Diebstähle machen mit mehr als 40 Prozent der Fälle den größten Anteil der Straftaten aus.
Die Zahl der erfassten Rauschgiftdelikte hat sich um knapp 1 200 Fälle auf mehr als 5 650 Fälle erhöht. Das entspricht einer Zunahme von 26,6 Prozent. Die in den vergangenen Jahren getroffenen Maßnahmen zur Erhöhung des Kontroll- und Fahndungsdrucks in diesem Bereich zeigen hier Wirkung, heißt es dazu im Magdeburger Innenministerium. Denn: "Rauschgiftkriminalität ist ein Kontrolldelikt - somit steigen dort mit verstärkten Aktivitäten der Polizei auch die Fallzahlen", so Anke Reppin. Die Aufklärungsquote liege mit 94,4 Prozent um 1,4 Prozentpunkte höher als im Vorjahr.
Was derweil Diebstähle in Geschäften oder aus Fahrzeugen angeht, sind die Fallzahlen 2011 laut Statistik gesunken. Auch Vermögens- und Fälschungsdelikte, Sachbeschädigung und Schwarzfahren wurden seltener registriert - wie auch im Bundestrend. Um fast drei Prozent nahm im Land die Zahl der Straftaten im Bereich der Gewaltkriminalität ab (5 765 Fälle). Dabei sind etwa 71 Prozent der Gewaltkriminalität Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Diesbezüglich gab es im vorigen Jahr in Sachsen-Anhalt einen Rückgang um etwa vier Prozent.
In dieser Hinsicht steht Sachsen-Anhalt gut da. Seit zehn Jahren weist das Land eine höhere Aufklärungsquote als im Bundesdurchschnitt auf - mit einer Ausnahme 2008. Voriges Jahr ist sie leicht auf 57, 4 Prozent gesunken. Diesen Rückgang gegenüber 2010 erklärt das Magdeburger Innenministerium vor allem mit den deutlich sinkenden Fallzahlen beim Schwarzfahren. Im Durchschnitt der Länder beträgt die Aufklärungsquote aktuell 54,7 Prozent.
Der Anteil Jungtatverdächtiger unter 21 Jahren an allen Tatverdächtigen ist in Sachsen-Anhalt zwar um fast zwei Prozentpunkte auf knapp 21 Prozent gesunken. Auch sei dieser Wert der geringste seit 1994. Allerdings hat die Quote im Bundesdurchschnitt viel stärker abgenommen: um mehr als sieben Prozentpunkte.
Folgerung: Laut Landesinnenministerium lag der Fokus bei der polizeilichen Kriminalprävention in den Vorjahren verstärkt auf Themen wie der Bekämpfung von Gewalt, Verbesserung des Einbruchschutzes, dem Eindämmen von Alkoholmissbrauch Minderjähriger sowie dem Ausbau des polizeilichen Opferschutzes. "Eine Erweiterung der Präventionsschwerpunkte ist hinsichtlich der Sucht- und Drogenprävention angedacht", so Reppin. Um das wachsende Problem der Einbrüche zurückzudrängen, bietet die Polizei mit der Qualitätsgemeinschaft "Das sichere Haus" für Bauherren schon in der Planungsphase die Grundlagen des technischen Einbruchschutzes.