Landessportbund: Streit um Sportförderung eskaliert

03.05.2012 20:01 Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 21:51 Uhr
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Hauptgeschäftsstelle des Landessportbundes

Blick auf die Hauptgeschäftsstelle des Landessportbundes von Sachsen-Anhalt (LSB) in Magdeburg. (FOTO: ARCHIV/DPA)

Von Hendrik Kranert-Rydzy und Christian Elsaesser
Der Streit zwischen dem Landessportbund (LSB) und Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht (CDU) führt zu personellen Konsequenzen. Der für den Breitensport zuständige Vizepräsident des LSB, Holger Scholz, erklärte, er werde seine Ämter im LSB und im Kreissportbund Mansfeld-Südharz aufgeben.
Magdeburg/MZ. 

Der Streit zwischen dem Landessportbund (LSB) und Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht (CDU) führt zu personellen Konsequenzen. Der für den Breitensport zuständige Vizepräsident des LSB, Holger Scholz (Foto), erklärte, er werde seine Ämter im LSB und im Kreissportbund Mansfeld-Südharz aufgeben. "Ich will zurücktreten, ich sehe mich als persönlich gescheitert an", sagte Scholz der MZ. Mit dem neuen Gesetz zur Sportförderung werde dem Breitensport im Land die Existenzgrundlage entzogen. "Es werden die Starken gestärkt und die Schwachen werden verschwinden."

Stahlknecht hatte vorige Woche das neue Gesetz vorgestellt. Demnach sollen Fördermittel künftig nach vom Land festgelegten Kriterien vergeben werden - etwa nach Zahl der Vereinsmitglieder, dem Organisationsgrad und der Förderung des Leistungssports. LSB-Vize Scholz kritisiert, dass Vereine, die sich um Breitensport, sozial Schwache, Ausländer und Senioren kümmerten, dann kaum noch Chance auf Förderung hätten.

2,35 Millionen Euro pro Jahr

Stahlknecht wies die Vorwürfe gestern zurück: "Wir stecken 2,35 Millionen Euro jährlich in die Vereinsförderung, daher muss sich niemand Gedanken um den Breitensport machen." Die konkreten Kriterien für die Fördermittelvergabe würden per Verordnung geregelt, "da kann sich der LSB gern mit einbringen".

Unterstützung bekommt er dabei sogar von LSB-Präsident Andreas Silbersack. Zwar bestätigt auch er "eine Konzentration" der Fördermittel, also einen Fokus auf den Leistungssport. Inhaltlich habe der LSB aber an den Kriterien durchaus mitgearbeitet. "Auf Arbeitsebene saßen wir mit am Tisch."

Scholz' Rücktritt vorausgegangen war ein kurzfristig anberaumtes Krisentreffen am Mittwoch zwischen dem LSB-Vorstand und Stahlknecht. Dort hatte es einen heftigen Schlagabtausch über die Art der Fördermittel-Vergabe gegeben. Stahlknecht hatte zuletzt ausgeschlossen, dass der Sport zukünftig wieder selbst über sein Geld verfügen kann (MZ berichtete). Diese Autonomie, bundesweit Grundlage des Sportsystems, war dem LSB nach seinem Finanzskandal 2008 entzogen worden.

Sportpyramide in Gefahr?

Auch Silbersack will sich damit nicht abfinden. "Sachsen-Anhalt ist das einzige Bundesland, in dem die Sportpyramide nicht mehr existiert." Sprich die hierarchische Gliederung vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), über LSBs hinunter in die Stadt- und Kreissportbünde. Auch er fordert den Innenminister deshalb vehement zum Umdenken auf. "Der LSB muss im Sportfördergesetz eine Rolle spielen." Sollte das nicht geschehen, sähe auch er keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit dem Ministerium: "Ich schaue mir das noch bis zum Jahresende an."