Landgericht Magdeburg: «Ich wollte niemanden verletzen»

07.05.2012 14:57 Uhr | Aktualisiert 07.05.2012 19:02 Uhr
Drucken per Mail
Prozessauftakt

Der Angeklagte Matthias P. (l.) sitzt mit seiner Verteidigerin Rechtsanwältin Angelika Krause im Landgericht in Magdeburg. (FOTO: DPA)

Von Rochus Görgen
Eigentlich habe er nichts gegen Ausländer, sagt der Angeklagte. Und er habe auch niemanden mit einem Anschlag töten wollen. Doch die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Es war versuchter Mord.
Magdeburg/dpa. 

Zum Auftakt eines Prozesses um einen Brandanschlag auf eine deutsch-polnische Familie hat der Angeklagte am Montag jede Tötungsabsicht zurückgewiesen. «Ich wollte niemanden verletzen», sagte der 21-Jährige vor dem Landgericht Magdeburg. Er habe eigentlich auch nichts gegen Ausländer. Am Tattag habe er aber viel Alkohol getrunken und könne sich nicht mehr genau erinnern.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem arbeitslosen jungen Mann vor, im Januar eine Regentonne vor den Eingang eines Mehrfamilienhauses in Flechtingen-Behnsdorf im Landkreis Börde gestellt und angezündet zu haben. Das Treppenhaus verqualmte bis in die oberen Stockwerke, die Bewohner waren dadurch eingeschlossen. Erst die Feuerwehr konnte sie unverletzt in Sicherheit bringen.

Die Staatsanwaltschaft hatte elffachen versuchten Mord angeklagt. Das Gericht änderte den Tatvorwurf in versuchten Mord in mindestens einem Fall ab. Dem Angeklagten droht trotzdem eine mehrjährige Haftstrafe.

Die Anwältin des 21-Jährigen erklärte zu Prozessbeginn, ihr Mandant bedauere die Geschehnisse. Er habe an der Haustür versucht, sich eine Zigarette anzuzünden - und möglicherweise auch versucht, die Regentonne in Brand zu setzen. Der 21-Jährige sei am Tattag betrunken gewesen und habe nicht einmal mehr eine Treppe hochgehen können. Die Anklage zeichne zu Unrecht ein Bild von einem Mann, der Ausländer hasse.

Das Gericht vernahm eine Polizistin, die den Angeklagten kurz nach der Festnahme verhört hatte. Deren Aussage zufolge konnte sich der Angeklagte dabei noch recht genau an den Ablauf der Nacht erinnern. Damals habe er gestanden, die Tonne angezündet und auf ein Auto eines Bewohners ein Hakenkreuz geritzt zu haben. Er habe auch von einem Groll auf die Familie berichtet, weil er mit einem Sohn der Familie in Streit geraten sei.

Im Prozess sagte der Angeklagte nun: «So an sich hab' ich nichts gegen Ausländer.» Zu seinen alten Aussagen bei der Polizei sagte er, damals habe er nur das erzählt, was er von anderen im Dorf gehört habe.

Ein 36 Jahre alter Zeuge berichtete, der Angeklagte sei am Tattag mit Springerstiefeln und einer schwarzen Jacke bei ihm aufgetaucht. Der 21-Jährige habe zum Ausdruck gebracht, dass er wütend auf Ausländer sei. «Er hat es angedeutet halt.» Ein 22 Jahre alter Zeuge, der am Tatabend mit dem Angeklagten gezecht hatte, widersprach dem 21-Jährigen, wonach sie zusammen neben Bier auch Schnaps getrunken hätten. Dem Angeklagten zufolge hatte er um die zehn Liter Bier getrunken.

Das Landgericht hielt dem Angeklagten auch dessen Aussagen beim Ermittlungsrichter vor. Damals hatte er angegeben, unbekannte und mit einer Pistole bewaffnete Polen hätten ihn aufgefordert gehabt, das Haus anzuzünden. Im Prozess rückte der 21-Jährige davon wieder ab. Das habe er damals falsch geschildert. «Das hab ich mir ausgedacht. Ich hatte da Panik.» Während des Prozesses starrte der Angeklagte oft mit gesenktem Kopf auf die Tischplatte vor ihm und wirkte unsicher.

Für den Prozess sind zunächst drei weitere Verhandlungstage anberaumt, an diesem Freitag könnte das Urteil fallen. Elf Zeugen sollen vernommen werden. Zudem sind Gutachten zum Brand und zur Persönlichkeit des Angeklagten geplant.