Landgericht Magdeburg: Sachverständiger sagt im Jalloh-Prozess aus

13.06.2012 12:57 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 10:32 Uhr
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Verhandlungssaal

Blick in den Verhandlungssaal im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh im Landgericht Magdeburg. (ARCHIVFOTO: DPA)

Im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh hat ein Versuch gezeigt, wie leicht der gefesselte Mann mit einem Feuerzeug die Matratze unter sich anzünden konnte.
Magdeburg/dpa. 

Im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh hat ein Versuch gezeigt, wie leicht der gefesselte Mann die Matratze unter sich mit einem Feuerzeug anzünden konnte. Das Gericht sah sich am Mittwoch Videos von den Versuchen in der Dessauer Polizeizelle an, in der Jalloh am 7. Januar 2005 gestorben war. Ein Brandsachverständiger hatte das mögliche Geschehen nachgestellt. Er ermittelte auch, wie groß der Bewegungsspielraum des Mannes aus Sierra Leone gewesen ist.

Besonders gut habe sich die Matratze öffnen lassen, nachdem der abwaschbare Überzug mit dem Feuerzeug erwärmt worden war, sagte er. Der Füllstoff habe sich leicht in Brand setzen lassen. Gericht und Experte kämpfen allerdings mit dem Problem, dass es keine genauen Angaben zur Originalmatratze, zu deren Alter und dem Zustand gibt.

Mit Hilfe des Brandsachverständigen versucht das Gericht zu klären, was hinter der Zellentür geschah. Jalloh soll sich laut Anklage trotz Fesselung an Händen und Füßen selbst angezündet haben. Die Nebenklage, die Jallohs Familie vertritt, hegt Zweifel daran und hatte die Versuche gefordert. Wie das Feuerzeug in die Zelle kam, ist bislang nicht geklärt.

Der Prozess am Landgericht Magdeburg läuft seit Januar 2011. Angeklagt ist ein damaliger Dienstgruppenleiter der Polizei wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Er soll Jalloh nicht rechtzeitig geholfen haben. In einem ersten Verfahren vor dem Landgericht Dessau-Roßlau war er freigesprochen worden.