Die Landwirtschaft hofft auf Regen. Die Felder sind staubtrocken. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)
Der bislang viel zu trockene und zu warme Frühling bringt die Landwirte in Bedrängnis. Wie bereits im vergangenen Jahr sind niedrige Erträge insbesondere beim Raps und bei den Getreidearten zu befürchten. Deshalb wünschen sich die Bauern derzeit nichts sehnlicher als Regen. „Die Kulturen brauchen jetzt 20 bis 30 Liter Liter Wasser pro Quadratmeter“, sagt Fritz Schumann, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Magdeburg. Doch der gewünschte ergiebige Landregen ist nach den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nicht in Sicht. In den nächsten Tagen ist allenfalls punktuell mit schauerartigen Niederschlägen zu rechnen.
Wie dramatisch derzeit die Situation auf den Äckern ist, kann Agrarmeteorologe Jurik Müller vom DWD in Leipzig mit Zahlen belegen: Im März sind nur 6,6 Liter Regen pro Quadratmeter statt der im langjährigen Mittel üblichen 29,5 Liter gefallen, im April waren es zwölf statt 38 Liter. Der Mai kann zwar bereits mit 45,5 Litern aufwarten (Mittelwert 52,7 Liter; alle Angaben Wetterstation Halle-Kröllwitz). Doch die sind im Wesentlichen an zwei Tagen, am 2. und am 5. Mai gefallen. „Solche Wolkenbrüche bringen für den Wasserhaushalt im Boden wenig, weil das Wasser dabei zum großen Teil oberirdisch abfließt“, sagt Müller. Hinzu komme, dass der diesjährige Frühling sehr sonnig und überdurchschnittlich warm war. Im März lag die Temperatur 3,4 Grad über dem Mittel, im April 1,1 Grad und Mai bislang 0,7 Grad. Müller: „Sonne und Wärme führen zu zusätzlicher Verdunstung. Der Trockenstress für die Pflanzen nimmt zu, das Wachstum bleibt aus. So kann es zur Notreife mit entsprechend niedrigen Erträgen kommen.“ Dass ein trockener Frühling nicht für die gesamte Landwirtschaft ein verlorenes Jahr bedeutet, belegen Zahlen des Statistischen Landesamtes. Zwar brachte das vergangene Jahr hohe Ertragsausfälle bei Raps und Getreide. Die Kartoffel- und die Zuckerrübenernte aber erreichte Rekordwerte.
Der Trockenheit beikommen können die Landwirte laut Müller aktuell nur mit Beregnung. Doch dies verursache hohe Wasser- und Energiekosten. Langfristig müssten sich die Bauern auf die Folgen des Klimawandels einstellen, der in der Tendenz zu längeren, trockeneren und wärmeren Vegetationsperioden und zu häufigeren Wetterextremen führe. Der Anbau trockenresistenter Sorten sei da ein Weg. Auch werde es möglich, eher in Südeuropa heimische Kulturen wie Paprika, Melonen oder Auberginen zu ziehen. Einen möglichen Profiteur sieht Müller im Weinbau an Saale und Unstrut, denn Wein brauche viel Sonne und Wärme.