Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) hat die Existenz eines seltenen multiresistenten Keims bestätigt. (SYMBOLFOTO: DPA)
Am Universitätsklinikum Leipzig sollen jetzt Experten aus Berlin den Kampf gegen einen seltenen multiresistenten Darmkeim unterstützen. In Leipzig war es zum bisher deutschlandweit größten Ausbruch des Keims KPC gekommen. Er ist noch immer nicht gestoppt. Nächste Woche werden deshalb Mitarbeiter vom Robert-Koch-Institut erwartet, sagte eine Sprecherin der Stadt am Freitag.
Ursprung in Griechenland?
Das Uniklinikum hatte am Donnerstag informiert, dass es seit zwei Jahren gegen den in Nordeuropa seltenen Keim kämpft (die MZ berichtete). Erstmals sei er im Juli 2010 bei einem Patienten nachgewiesen worden, der aus einer griechischen Klinik kam. Der Mann sei isoliert worden, bei weiteren Patienten oder an Geräten habe der Keim damals nicht nachgewiesen werden können. Dennoch kam es im Herbst 2010 zu einer Häufung auf mehreren Stationen - unter anderem Chirurgie und Intensivstation. Bis heute sind 58 Patienten betroffen: 30 bis Februar 2011, seitdem zwischen null und vier im Monat. Laut Klinikum handelt es sich fast ausschließlich um Transplantationspatienten.
KPC ist für kerngesunde Menschen unbedenklich, kann aber zu gefährlichen Lungenentzündungen, Wund- und Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen führen, wenn er bei Klinikpatienten zum Beispiel über Katheder in den Körper gelangt. Vor allem auf moderne Antibiotika reagieren multiresistente Keime wie dieser nicht. Im Leipziger Fall standen laut Klinikum nur noch drei Antibiotika zur Behandlung zur Verfügung.
Medienberichten zufolge sind 26 Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, inzwischen verstorben. Die Klinik wollte die Zahl nicht bestätigen und will ausdrücklich keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Tod und KPC herstellen. „Es handelt sich um schwerstkranke Patienten“, so Sprecherin Helena Reinhardt. Zwar werde deren Krankheitsverlauf durch die multiresistenten Bakterien negativ beeinflusst. Wie stark, lasse sich im Einzelfall aber nicht beurteilen.
Eine Erklärung dafür, dass der Keim bis heute auftritt, kann das Klinikum nicht liefern. Der KPC-Ausbruch sei zwar eingedämmt, die Übertragungskette aber nicht unterbrochen, räumte es ein. Untersuchungen hätten ergeben, dass zwischen Ansteckung und Nachweisbarkeit offenbar viel Zeit vergeht. Sehr wahrscheinlich sei, dass Patienten, bei denen der Keim noch nicht nachgewiesen werden konnte, diesen später wieder ins Klinikum mitbringen.
Widerspruch gegen Theorie
Klaus-Dieter Zastrow, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, widerspricht. Bei 58 Infektionen mit ein und demselben Keimstamm „gibt es sehr wahrscheinlich eine Quelle im Krankenhaus“, sagt er. Die Klinik will nun das Personal untersuchen lassen, hält die Möglichkeit, dass die Keime durch dieses übertragen werden, aber laut Reinhardt für äußerst unwahrscheinlich. Zastrow glaubt das Gegenteil und spricht davon, dass es „sicherlich um Hygienefehler“ gehe. Laut Klinik sind Hygienemaßnahmen bereits seit Auftreten des Keims verschärft worden. Nun sollen zudem alle Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden, schon zur Aufnahme auf KPC getestet werden. Bislang habe es Tests nur bei Hinweisen auf den Keim gegeben.
Die Klinik selbst hatte sich mit der Häufung der Fälle trotz Meldepflicht erst im Januar 2011 an die Behörden gewandt - zwei bis drei Monate zu spät, wie eine Stadtsprecherin sagte. Weil die Klinik intern aber alles Nötige getan habe, sei auf ein Bußgeld verzichtet worden.