Leipzig: Tragischer Unfall auf der Galopprennbahn

01.05.2012 15:18 Uhr | Aktualisiert 01.05.2012 16:25 Uhr
Drucken per Mail
Rennpferde auf der Rennbahn Scheibenholz

Rennpferde galoppieren auf der Rennbahn Scheibenholz in Leipzig an der Tribüne vorbei. (FOTO: DAPD)

Von Torsten Teichert
Lähmendes Entsetzen, die Feierstimmung war dahin: Kurz nach der feierlichen Tribüneneröffnung auf der Leipziger Galopprennbahn vor über 15.000 Zuschauern ereignete sich im ersten Rennen ein schlimmer Unfall - Hengst Proust musste vor der überfüllten Tribüne eingeschläfert werden.
Leipzig/dapd. 

Lähmendes Entsetzen, die Feierstimmung war dahin: Kurz nach der feierlichen Tribüneneröffnung auf der Leipziger Galopprennbahn vor über 15.000 Zuschauern ereignete sich im ersten Rennen ein schlimmer Unfall - Hengst Proust musste vor der überfüllten Tribüne eingeschläfert werden. Das Pferd war in der Zielkurve umgeknickt, der Fuß förmlich abgebrochen und das schwer verletzte Tier mit der offenen Wunde ins Ziel gehinkt.

Trotz des traurigen Vorfalls und einer daraus resultierenden langen Pause wurde der Renntag zu einem Startschuss für bessere Zeiten auf der Traditionsbahn. In den vergangenen Jahren wollten Spekulanten nur die traumhafte Grünfläche mitten in der Leipziger City, der Rennklub musste Insolvenz anmelden und der einst in Deutschland einzigartigen Tribüne drohte der Einsturz. Am Tag der Arbeit strömten nun wie erhofft die Massen zum traditionellen Galopprenntag ins Scheibenholz, es bildeten sich lange Schlangen an den Kassen und Wettschaltern.

4,3 Millionen Euro Baukosten

Innerhalb von 13 Monaten war das imposante und denkmalgeschützte Tribünengebäude mit Millionen aus dem Konjunkturpaket und eines Privatinvestors originalgetreu aber mit modernster Technik saniert worden. «Wir hoffen auf alten Glanz. Zu DDR-Zeiten war das die Bahn mit den meisten Renntagen, Besuchern und Wettumsätzen», sagte der geschäftsführende Rennklub-Vorstand Jens Luft. Zur Eröffnung waren mit 50 Wettschaltern so viele wie noch nie in der fast 150-jährigen Historie geöffnet. Und das Orchester der Musikalischen Komödie zu Leipzig spielte aus dem Musical «My Fair Lady» staatstragend symbolisch «Ascote Gavotte» - fehlte eigentlich nur noch die Queen persönlich.

Vizepräsident Luft schwärmt «von der modernsten Wetthalle in ganz Deutschland», die in dem 1907 eingeweihten und damals seinesgleichen suchenden massiven Tribünengebäude untergebracht ist. Nun wurden 4,3 Millionen Euro verbaut, über die Hälfte aus privaten Mitteln. Vereins-Ehrenpräsident Bernd Schirm sagte mit feuchten Augen: «Wir erwarten mit der sanierten Tribüne einen nachhaltigen Schub, alle Probleme des deutschen Turfs werden wir freilich nicht lösen können.»

Die Leipziger Macher wollen nicht nur neugierige Pferdesport-Fans aus ganz Deutschland anlocken, sondern mit der tollen Location in Leipzigs grüner Mitte Interesse für Veranstaltungen und bei Sponsoren wecken. «Es muss Geld in die Kassen kommen», sagte Luft: «Auch mit der Gastronomie. Denn Pferdesport allein finanziert sich nicht. Das herrliche Ambiente wird neue Leute anlocken.» Nur 26 Pferde stehen in den Ställen, Platz ist für 100. Luft: «Ein Teufelskreis: Wenig Pferde, wenig Rennen.» In Leipzig sollen aus fünf Renntagen in dieser Saison perspektivisch wenigstens zehn werden.

Fehlende Gerade als Manko

Rein sportlich kann die Leipziger Piste mit Berlin-Hoppegarten nicht mithalten, allein schon wegen der fehlenden langen Geraden. Auch deshalb erhielt das Scheibenholz einst den Spitznamen «Nudeltopp». Für den deutschen Pferdesport war Leipzig einst Vorreiter: Bereits am 12. August 1945 wurde im Scheibenholz der erste deutsche Nachkriegsrenntag durchgeführt, es war das Signal für die Wiederbelebung des Galopprennsports in alles vier Besatzungszonen. Das Ende schien im Jahr 2004 gekommen, der bereits am 7. Mai 1863 gegründete Leipziger Rennklub e.V. musste im Juni des Jahres Insolvenz anmelden - die Renntage fielen aus.

Der Leipziger Reit- und Rennverein Scheibenholz e.V. schaffte den Neuanfang, erhielt von den Stadtvätern das Erbbaurecht für das seit 1867 als Rennbahn genutzte Gelände und rettete eine der fünf ältesten noch in Betrieb befindlichen deutschen Rennbahnen. Nur Bad Doberan (1822), Düsseldorf (1844), Hamburg-Horn (1852) und Baden-Baden (1858) blicken auf eine noch längere Historie zurück.