Lyonel-Feininger-Galerie: Vom Karikaturisten zum Künstler

16.07.2012 11:23 Uhr | Aktualisiert 16.07.2012 19:50 Uhr
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Feininger-Werk

100 Radierungen und Lithografien Feiningers sind in der Ausstellung zusehen. (FOTO: GERD ALPERMANN)

Von Gerd alpermann
In der Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg ist seit dem Wochenende eine neue Ausstellung zu sehen.
Quedlinburg/MZ. 

Der Karikaturist wandelt sich zum Künstler. Lyonel Feininger (1871 bis 1956) hatte längere Zeit für elf Zeitungen in Deutschland, aber auch in Frankreich, Satirebeiträge geliefert, bevor er von seiner späteren zweiten Frau dazu inspiriert wurde, freier Künstler zu werden. Ausgehend von den Karikaturen, deren Themen nun für seine Malerei erste Ansätze lieferten, entwickelte Feininger zwischen 1906 und 1912 seinen ihm eigenen Stil.

Mit zwischen 1900 und 1920 entstandenen Radierungen und Lithografien zeigt die Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg seit Sonntag den Werdegang "Vom Karikaturisten zum Künstler". Das Museum in Quedlinburg beleuchtet damit ein weiteres Mal das Wirken und die Arbeiten Feiningers von einem anderen Blickwinkel aus bzw. auf einen bestimmten Zeitabschnitt ausgerichtet. Damit wird das Gesamtwerk nach und nach in seinen Facetten den Kunstinteressierten nahegebracht. Bei den Radierungen und Lithografien kann das Haus sich auf die fast vollständig im Besitz der Sammlung Hermann Klumpp befindlichen Arbeiten stützen. Darauf verwies Galerie-Leiter Björn Egging zur Eröffnung der Ausstellung.

Zu sehen sind rund 100 Blätter des späteren Bauhaus-Künstlers, darunter Leihgaben, die den Überblick über diese Schaffenszeit Feiningers ergänzen und Analogieschlüsse und Vergleiche zu den Karikaturen zulassen. Assoziationen zu den ausgestellten Arbeiten lieferte zur Ausstellungseröffnung auch Frank Braun aus Leipzig. Der Trompeter nahm musikalisch die Wandlungen im Schaffen Feiningers zwischen 1905 und 1912 auf. Björn Egging sprach von einem Experiment, das zu einem synästhetischen Erlebnis - bei dem mehrere Sinne angesprochen werden - werden soll.

Die für die Gestaltung der Ausstellung "Vom Karikaturisten zum Künstler" mitverantwortliche wissenschaftliche Mitarbeiterin Manuela Winter begann ihre Einführung in die Ausstellung mit einem Auszug aus einem Brief an den Künstlerkollegen und Freund Feiningers, Alfred Kubin. Er berichtet da über die Zeit des Suchens und der Erprobung seiner Ausdrucksmittel. Aufenthalte in Paris hätten die künstlerischen Fähigkeiten geschärft. War er mit ersten Arbeiten noch unzufrieden, so entwickelte sich aus den Natur- und Freiluftstudien die Möglichkeit zu abstrahieren, das dem Künstler Wesentliche auszudrücken.

Die in der neuen Ausstellung gezeigten Radierungen und Lithografien Feiningers entstanden bis etwa 1920. Danach wandte er sich dem Holzschnitt zu. Zu diesen Arbeiten wird es im Oktober in der Lyonel-Feininger-Galerie eine öffentliche Fachtagung geben. Björn Egging wies zugleich auf die für das kommende Jahr geplante große Holzschnitt-Ausstellung der Galerie hin. Damit werde dann auch die Sammlung Hermann Klumpp von einer weiteren Seite beleuchtet.

Der Galerie-Leiter ging zur Ausstellungseröffnung auch auf die im Foyer vorgestellten Schülerarbeiten ein. Diese seien bei und nach Besuchen mehrerer Klassen in der vorhergehenden Exposition "Lyonel Feininger. Ein Sinnbild höherer Wirklichkeit" entstanden.

"Ich bin froh, wenn wir Kontakte zu Schulen herstellen und die Arbeiten ihrer Schüler präsentieren können", sagte Björn Egging. Der Förderverein der Galerie sei gerade dabei, die Schülergalerie wieder ins Leben zu rufen.

Die Ausstellung "Vom Karikaturisten zum Künstler. Lyonel Feiningers Radierungen und Lithografien" ist bis zum 4. November in der Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg zu sehen. Geöffnet wird die Galerie von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, von November bis März sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr.