Diese Möglichkeit wurde von mehr als einem Dutzend Betroffenen und ihren Angehörigen in Kelbra und Roßla gern angenommen. Gemeinsam standen Peter Fischer, der die hallesche Beratungsstelle des Verbandes leitet, und Lutz Heidenreich von der Sangerhäuser Selbsthilfegruppe Rede und Antwort. Susanne Templin, die am Lenkrad des Beratungsmobils sitzt, füllte Anträge für Betroffene aus.
Fischer hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen, deren Sehvermögen beeinträchtigt ist, oft nicht wissen, "wie sie damit umgehen sollen und welche Unterstützung ihnen zusteht". Deshalb biete man als Verband eine umfassende Beratung an und fahre mit dem Beratungsfahrzeug dorthin, wo Bedarf besteht. Schließlich seien häufig ältere Menschen betroffen, die ohnehin nicht mehr so mobil seien.
"Für Menschen mit Sehbehinderungen gibt es keine Behörde und kein Amt, die komplex beraten", stellt Fischer. So empfehle das Landesverwaltungsamt Betroffenen zwar, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Doch niemand sage, dass man ja auch Blindengeld und bei der Krankenkasse verschiedene Hilfsmittel beantragen könne. So kämen je nach der Art der Erkrankung beispielsweise Lupen, Fernrohrbrillen, Bildschirmlesegeräte oder Scannerlesegeräte mit einer Sprachausgabe in Betracht. Diese Geräte stehen an Bord des Beratungsfahrzeugs zur Verfügung und konnten am Mittwoch natürlich ausprobiert werden.
In einem der Gespräche am Mittwoch suchte unter anderem eine Frau Rat, die bereits über 50 ist und wegen ihrer kurzfristig eingetretenen starken Sehbehinderung nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten kann. "In solchen Fällen sollten Betroffene den Kontakt mit der Rentenversicherung aufnehmen und prüfen lassen, ob eine berufliche Umorientierung über das Berufsförderungswerk Halle möglich ist oder ob eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen wäre", so Fischer. Denn eine relative soziale Absicherung sei ganz wichtig, "um nicht in Hartz IV abzustürzen".
In einem anderen Fall habe eine Frau berichtet, dass sie seit zwei Tagen wie durch einen Schleier sieht, einen Augenarzttermin aber erst in einem halben Jahr bekommen könne. "Das darf man nicht aufschieben. Bei akuten Problemen sollte man sich ins Wartezimmer beim Augenarzt setzen, darf sich nicht wegschicken lassen und muss so lange sitzen bleiben, bis man angeschaut worden ist", rät Lutz Heidenreich.
"Wir sind jede Woche an zwei, drei Tagen mit dem Beratungsmobil im Land unterwegs", sagt Susanne Templin. Das nächste Mal könnte man im Landkreis vielleicht in Rottleberode die mobile Beratung anbieten, erwägt Lutz Heidenreich. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.