Daniel Zander hielt die zu schnellen Autos an. (FOTO: MAIK SCHUMANN)
Der Fahrer des schwarzen Audis schaut verblüfft. "Was Ortschaft? Das habe ich gar nicht bemerkt", sagt der Mann, als er am Donnerstagvormittag auf der B 85 in Kelbra in Kelbra angehalten wird. So wie ihm erging es vielen Autofahrern im Landkreis Mansfeld-Südharz. Raser, Gurtmuffel oder Drängler bekamen die rote Stopp-Kelle zu sehen.
Das Polizeirevier Mansfeld-Südharz war, unterstützt von der Landesbereitschaftspolizei und Beamten der Polizeidirektion aus Halle, mit einem Großaufgebot von fast 60 Einsatzkräften unterwegs. Sie hatten insgesamt elf Kontrollstellen eingerichtet.
Zuvor Unfälle analysiert
Die Behörde setzte damit die Ankündigung vom Frühjahr um, mit Großkontrollen verstärkt gegen Verkehrssünder vorzugehen. Hintergrund ist die im Vorjahr sprunghaft gestiegene Zahl von Menschen, die im Land bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind. Dazu waren im Vorfeld der Kontrolle Unfälle des vergangenen Jahres analysiert worden. Ähnliche Aktionen hatte es zuvor bereits im Burgenlandkreis und im Saalekreis gegeben.
An der erwähnten Kontrollstelle in Kelbra waren die Bereitschaftspolizisten Michael Bierbaß und Daniel Zander mit der Laserpistole im Einsatz. In der Stadt am Fuße des Kyffhäusers gibt es immer wieder Beschwerden über Motorradfahrer, die durch den Ort rasen. Die Biker, die am Donnerstag dort unterwegs waren, fuhren aber vorschriftsmäßig und hielten sich an die vorgeschriebenen 50 Kilometer pro Stunde. "Das waren Ausflügler, keine Raser", sagte Polizeihauptkommissar Gunnar Grassmann, der die Bereitschaftspolizisten unterstützte. Dafür gingen der Polizei einige zu schnelle Autofahrer ins Netz. "Tagesschnellster" in Kelbra war ein etwa 50-jähriger Geschäftsmann aus Weimar, dessen VW Golf mit 75 Kilometern pro Stunde gemessen wurde. Abzüglich der Toleranz waren das 22 zuviel. Folge: Ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 80 Euro Bußgeld.
Der Mann versuchte, noch einen "Rabatt" rauszuhandeln. Als sich die Polizisten nicht darauf einließen, fügte er sich in sein Schicksal.
Ebenso erwischte es einen Böblinger, der auf dem Weg von Ilsenburg im Harz nach Gotha in Thüringen war. "Ich habe gedacht, dass ich schon lange am Ortsschild vorbei bin", sagte der Mann, als er von den Bereitschaftspolizisten herausgewinkt und angehalten wurde.
Der Baden-Württemberger war 16 Kilometer pro Stunde zu schnell und muss nun ein Ordnungsgeld von 35 Euro zahlen.
Insgesamt hundert zu schnell
Insgesamt hat die Polizei am Donnerstag auf den Straßen des Landkreises hundert zu schnelle Autofahrer erwischt. Dazu kamen drei, die bei Rotlicht über Ampeln gefahren waren. Außerdem wurden sieben Handytelefonierer, 16 Gurtmuffel und zwei Überholsünder zur Kasse gebeten. 22 Fahrzeugführer erhielten Mängelscheine, weil ihre Autos technisch nicht in Ordnung waren.
"Gesamtsieger" des Großkontrolltages war aber ein Pkw-Fahrer, der mit Tempo 90 durch Wimmelburg raste. Erlaubt sind dort maximal 50 Kilometer pro Stunde. Den Mann erwarten nun 160 Euro Bußgeld, vier Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.