Die Schwalben stehen in Deutschland unter Naturschutz. Deswegen ist es verboten, ihre Nester zu zerstören oder sie beim Brüten zu stören. (ARCHIVFOTO: DPA)
Karl-Heinz Theuerjahr ist immer noch fassungslos, wenn er an der westlichen Seite seines Hauses in Aseleben hoch- schaut. Dort, wo vor kurzem noch 25 Schwalbennester hingen, sind nur noch die lehmigen Umrisse zu erkennen. Während der vergangenen zwei Wochen, in denen Theuerjahr im Urlaub war, sind alle Nester abgeschlagen worden. "Ich weiß nicht, wie so jemand veranlagt sein muss", sagt der 75-Jährige.
Der Aseleber liebt seine Mehlschwalben. Schon seit zwölf Jahren, als er das Haus gebaut hat, nisten die Vögel bei ihm an der Hauswand. Jahr für Jahr seien es mehr geworden. Bis im vergangenen Jahr der bisherige Höchststand von 25 Pärchen und etwa hundert Jungen erreicht wurde. "Die gehören mittlerweile zur Familie", so Theuerjahr. Das Umweltamt des Landkreises bescheinigte ihm "ein Vorzeigeobjekt" zu haben.
Besonders verbittert ihn, dass seine Mehlschwalben im Mai schon in der ersten Brutphase waren. Er vermutet, dass mit den Nestern auch mehrere Eier zerstört worden sind. Die Umweltfrevler, die das getan haben, waren zudem äußerst gründlich. Die abgeschlagenen Nester und alle weiteren Spuren sind weggeräumt worden. "Als ich das nach meinem Urlaub entdeckte, hatte ich Tränen in den Augen", erzählt er. Der Diplom-Wirtschaftler kann diese Tat absolut nicht nachvollziehen. "Natürlich machen die Schwalben Dreck, aber damit muss man leben, wenn man in der Nähe eines Naturschutzgebietes wohnt." Am Dienstag hat er sofort beim zuständigen Umweltamt das Abschlagen der Nester angezeigt. Schließlich ist es nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, Schwalbennester zu zerstören.
Die Umweltbehörde ist nach Auskunft des Landkreises schon aktiv geworden. "Sie hat jetzt alle Nachbarn angeschrieben, ob sie etwas gesehen haben", teilte Pressesprecherin Babett Mitschka auf MZ-Anfrage mit. Sollte der Täter gefunden werden, drohe ihm eine Geldstrafe sowie eine Ersatzmaßnahme. "Das kann beispielsweise das Aufstellen eines Schwalbenhauses als Brut- und Aufzuchtstation sein", so Mitschka. In den nächsten Tagen sollen auch noch einmal allgemeine Informationen zum Umgang mit Schwalbennestern in Aseleben verteilt werden. Für Theuerjahr sind die Ermittlungen nur ein schwacher Trost. "Natürlich möchte ich, dass der- oder diejenigen zur Verantwortung gezogen werden", meint er: "Aber wichtiger ist, dass unsere Schwälbchen zurückkommen und nicht dauerhaft wegbleiben."
Informationen zu dem oder den Tätern nimmt das Umweltamt entgegen unter Telefon 03464 / 535 4500 .