Dreckschweinfest an der Wildbahn. (FOTO: LUKASCHEK)
Die traditionellen Waldpartien im Mansfelder Grund lockten am Montag wieder Himmel und Menschen in den Mansfelder Grund. Im Katharinenholz und an der Wildbahn, aber auch am Ahlsdorfer Fischteich und in Ziegelrode waren die Pfingstburschen in ihrem Element, die einmal mehr in den absonderlichsten Aufmachungen Aufsehen erregten.
Nur zwei Stunden Schlaf
Jan Neubert und Maik Hahn sitzen in ihren mit viel Luft aufgepusteten Anzügen auf einer Bank im Katharinenholz und harren der Dinge, die da kommen. Nach nur zwei Stunden Schlaf fehlt ihnen etwas die Frische. Doch sie werden durchhalten und, sobald das Signal kommt, in den Schlamm tauchen.
Batman und Robin alias Patrick Streich und Marcus Etzrodt sind ebenfalls mit dabei. Doch erst müssen sie noch ihr Batmobil starten, dessen ohrenbetäubendes Geknatter die Gäste im Katharinenholz zusammenzucken lässt. Alles schaut auf die bläuliche Qualmwolke, die von dem schwarzen Ungetüm aufsteigt. Mit ihrer Konstruktion, unter der sich die Reste eines schrottreifen 7-er BMW verbergen, haben Patrick Streich und Marcus Etzrodt diesmal den Vogel abgeschossen.
Lehrer im Schlamm
Dass der 25-jährige Streich ein waschechter Ahlsdorfer ist und Etzrodt aus Wimmelburg stammt, stört in der Kreisfelder Pfingstgesellschaft keinen. Beide sind schon vor Jahren von Freunden mit nach Kreisfeld gelotst worden und fühlen sich dort pudelwohl. Amtmann Thomas Stock hat eine tolle Truppe beisammen, die die Tradition des Pfingsttanzes mit dem unvermeidlichen Schlammbad der Dreckschweine hochhalten.
Was wohl die Schüler am Luthergymnasium sagen werden, wenn sie ihren Chemie- und Ethiklehrer Marcus Etzrodt als Dreckschwein im Schlamm baden sehen? Im Moment ist keiner da, den man fragen könnte, aber es ist anzunehmen, dass auch sie ihre Freude hätten an dem Spiel, das alle Jahre wieder mit einer rituellen Waschung endet, nach der sich die Pfingstburschen blitzsauber im weißen Anzug präsentieren. Der Kreislauf der Natur kann wieder von von vorn beginnen. Die Läufer haben mit ihren langen Peitschen wieder ordentlich geknallt und die Dreckschweine in Schach gehalten. Eine der Peitschen ging dabei drauf, plötzlich hatte Norbert Born nur noch den Stiel in der Hand, während das Seil davongeflogen war. "Amtmann, ich gehe heime, das wars", sagte er scherzhaft und hätte sich wahrscheinlich tatsächlich gern aufs Ohr gelegt, denn so ein Pfingsttanz schlaucht ungemein.
"Das Herz schlägt höher"
"Das geht an die Substanz", sagt Hans-Günter Gelbke, der 1957 / 58 in Hergisdorf Läufer war, so wie sein Vater, der einst über Jahre der Pfingstgesellschaft angehörte und die Begeisterung für das Fest dem Sohn weiter gab. Und die Begeisterung ist bei dem 75-Jährigen ungebrochen. "Das Herz schlägt höher, wenn es auf Pfingsten zugeht", sagt der ehemalige Fußballer, der 1954 mit der legendären Helbraer Sonderjugend DDR-Meister war. "Die Zipperlein, die man im Alter hat, sind dann auf einmal weg."
Gelbke schwärmt von Pfingsten, bei dem einer seiner Enkel dieses Jahr fast mit dabei gewesen wäre, aber sich mit Blick auf die Abiturvorbereitung dann doch noch anders entschieden hat. "Er hat es verschoben", so der Großvater, dem um die Zukunft des Pfingsttanzes nicht bange ist. Der Nachwuchs ist schon mit Freude dabei. Alexander Born ist mit seinen vier Jahren keineswegs der Jüngste mit Blumenhut und Peitsche. Matthias Lenny ist nämlich erst drei. Beide Jungs sind schon Läufer, seit sie auf ihren Beinen stehen können.