Die gigantisch wirkende Transall avancierte wieder zum Publikumsmagnet avancierte. (FOTO: P. LINDNER)
Die zehn Mitglieder des Modellbau Clubs "Panorama" aus Sangerhausen hatten ihre fliegenden Kisten beim Flugplatzfest am Wochenende auf dem Allstedter Flugplatzfest gleich neben der Start- und Landebahn in Position gebracht und traten in Konkurrenz zu den "Großen". Und was sie für Kunststückchen an den Himmel über der Allstedter zauberten, das entlockte den vielen Besuchern immer wieder Beifall. So ließ Sven Richard seinen Original-Nachbau einer Arado 550 (einem Nurflügler) tolle Kunststückchen vollführen. Seinen geplanten Jungfernstart eines Modells vom französischen Kampfflugzeug "Rafaele" musste verschoben werden. "Die raue Betonpiste hier wäre nicht gut für das Fahrwerk", so Richard, der immerhin zwei Jahre Arbeit in das aufwändige Modell eines Düsen-Jets gesteckt hatte.
In der Transall der Bundesluftwaffe - ein Gigant im direkten Größenvergleich zu den Modellfliegern - hatten Sebastian Billart und David Kuehn am Tresen im Bauch des riesigen Transportflugzeuges alle Hände voll zu tun. "Ein Bier oder ein Sekt?", fragten die Crew um den Kommandeur Hauptmann Matthias May und verteilte dazu bunte Poster von ihrer zweimotorigen Maschine, die auch regelmäßig im Afghanistan-Einsatz ist.
Die May-Crew kennt die Gegend von ihren Trainingsflügen zwar von oben, "auf dem Boden ist es auch ganz hübsch", sagt der Bordingenieur. Beim Tag der offenen Tür hatte auch die Besatzung der Transall ihre Luken ganz weit geöffnet. Und ein Blick ins Cockpit war für Jung und Alt schon "richtig interessant", wie der kleine Ronald anmerkte, der sogar auf dem Pilotensitz Platz nehmen durfte. Auf dem weiten Areal des Flugplatzes vermischten sich das Gebrüll der Flugmotoren beim Start mit dem Tuckern der vielen Lanzbulldogs, mit denen man das weitläufige Gelände erkunden konnte.
Wer es gern bequemer wollte, der nutzte den knallroten Londoner Citybus. Und wer die Aussicht von ganz oben genießen wollte, der konnte ein Ticket für einen Schnupperflug lösen und sich von erfahrenen Piloten in die Nähe der Wolken bringen lassen, wo die Freiheit wohl grenzenlos sein soll. Das genossen rund 200 Leute.
Fliegerische Schwerstarbeit bei den Schnupperflügen mit 15 Starts und Landungen hatte übrigens auch Sarah Schöne allein am Samstag zu absolvieren. Die 18-jährige junge Frau hatte in Allstedt ihren Flugschein bei Ulrich Reinicke gemacht, bereits mehr als 100 Starts und Landungen hingelegt. Die fliegende Teenagerin, die gerade ihr Abitur baut, möchte einmal Transportfliegerin bei der Bundeswehr werden und hat schon eine ganze Reihe von Aufnahmetests "in der Tasche" - sprich bestanden.
Bestaunt wurden von den Flugplatzfestbesuchern - die Organisatoren zählten wieder mehr als 2 000 Leute - auch die vielen Kunstflugmaschinen. Fachgespräche mit den Piloten der deutschen Nationalmannschaft, die über der Allstedter Heide ihr Training für die Deutschen Meisterschaften nächste Woche in Bayern absolvierten, inbegriffen. Unter den Kunstflugpiloten, deren PS starke Maschine man bestaunen konnte war übrigens auch Thomas Bader aus Schwenningen. Bader hatte seine "Pitts S2B" mitgebracht. Die Pitts zählen zu den kleinsten Doppeldeckern der Welt und haben gerade einmal eine Flügelspannweite von sechs Metern. Ein 260 PS starkes Triebwerk bringt das Maschinchen auf eine Höchstgeschwindigkeit von rund 350 Km / h. Ein schöner Kontrast zur legendären "Anna" AN 2, dem größten Doppeldecker der Welt, mit dem man am Samstag und Sonntag sich ebenfalls die Region zwischen Kyffhäuser und Sangerhäuser Rosarium von oben anschauen konnte.
Flugplatz-Chef Ulrich Reinicke war mit der aktuellsten Auflage des traditionellen Allstedter Flugplatzfestes jedenfalls zufrieden. "Trotz aller Unkenrufe - der Flugplatz lebt". "Auf ein Neues", blickt Reinicke schon ins nächste Jahr.