Mansfeld-Südharz: Kein Christo am Kyffhäuser

14.06.2012 18:01 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 19:11 Uhr
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Denkmal

Die Planen sollen vor Wind und Regen schützen. (FOTO: HEIKO KOLBE)

Von Helga Koch
Das trutzige Denkmal oben im Kyffhäusergebirge, das drittgrößte seiner Art bundesweit, sieht man sehr gut vom Landkreis Mansfeld-Südharz aus. In letzter Zeit präsentierte es sich allerdings eingehüllt.
Kelbra/MZ. 

Ein bisschen neidisch ist man im Kyffhäuserkreis ja schon seit langem. Auch zu Recht. Denn das trutzige Denkmal oben im Kyffhäusergebirge, das drittgrößte seiner Art bundesweit, sieht man viel besser vom Landkreis Mansfeld-Südharz aus. Zum Beispiel, wenn man auf der Autobahn 38 entlang fährt. Und nun vielleicht neugierig wird, warum sich das Denkmal neuerdings verhüllt präsentiert.

"Wie ein riesiges Raumschiff kurz vor dem Start am Cap Canaveral in Florida", findet Steffen Kellermann vom Tourismusverband Kyffhäuser. "Man könnte sich glatt vorstellen, dass es gerade von einem kräftigen Pferd noch in die exakte Startposition gezogen wird und gleich abhebt." Und auch die Besucher sind beeindruckt. "Gigantisch", staunen die Gäste aus einer Gruppe des VDK aus Hannoversch Münden. "Und natürlich fragt auch so mancher, ob denn der Christo hier war", sagt Kellermann.

Der obere Bereich des Denkmals einschließlich der Aussichtsplattform ist schon vor einigen Jahren saniert worden. Nun ist zwar der untere Teil des Bauwerks von außen verhüllt, das Denkmal aber in all seinen Bereichen trotzdem komplett zugänglich. "Vor allem der Ausblick von der Besucherplattform beim Kaiser-Wilhelm-Standbild und von der obersten Denkmalplattform ist grandios", sagt Kellermann. Zumal die Hauptakteure, Kaiser Wilhelm und auch Kaiser Barbarossa, trotz aller Hüllen frei einsehbar sind.

Das Denkmal, das zu den sieben markanten Bauwerken der Straße der Monumente in Deutschland gehört, könnte samt seinen gigantischen Hüllen sogar einen zusätzlichen Reiz ausüben. "Am Wochenende hatten wir jeden Tag zwischen 800 bis 1 000 Besucher hier", sagt Ralf Rödger, den man getrost als "Kyffhäuser-Burgherren" bezeichnen könnte. Während seiner Führungen erzählt er natürlich aus der bewegten Geschichte des Denkmals, über die einzelnen Bestandteile dr alten Reichsburg Kyffhausen,muss aber neuerdings auch jede Menge Fragen zru Sanierung beantworten.

Bevor der rote Sandsteinturm unter den Hüllen verschwand, haben Gerüstbauer aus Schmölln ein technisches Meisterwerk geschaffen: aus rund 16 000 Metern Rohr und etwa 11 000 so genannten Kupplungen. Das Gerüst, über 40 Meter hoch, verjüngt sich nach oben hin. Stellenweise ist es doppelt oder gar dreifach gebaut. Und es wird von einem Sandstrahlnetz fest umschlossen, sagt Ingenieur Jens Eckhardt.

Faszinierend ist für viele Gäste der Blick von der Besuchertribüne. Sie ist eigens für die Zeit der Sanierung gleich neben dem Gerüst aufgestellt worden und immerhin acht Meter hoch. Sie wird voraussichtlich bis Ende 2013 stehen bleiben. Denn so lange wird die Sanierung des bröckelnden Denkmals wohl dauern, schätzen die Experten. "Aber wie das so ist bei der Denkmalpflege. Das Ausmaß der nötigen Arbeiten kann sich verdoppel, vielleicht aber auch halbieren", sagt Rödger. "Bisher haben wir ja die Außenhülle nur mit einer Drohne fotografieren können. Jetzt können die Steinmetzen das alles erst richtig in Augenschein nehmen." Sicher sei, dass auf die Handwerker jede Menge Arbeit wartet. Der Sandstein wird abgestrahlt, ziemlich behutsam natürlich, damit er nicht noch stärker bröckelt, und einige Steine werden wohl auch komplett ausgetauscht werden müssen. Anschließend werden Restauratoren die Schmuckelemente, Reliefs und Figuren aufarbeiten. Und etliche Kilometer Fugen müssen gereinigt und mit speziellem Mörtel neu ausgestrichen werden.

Bis Ende 2013 sollen 1,2 Millionen Euro inverstiert werden. Und damit die Besucher auch einen Vergleich ziehen können, wie sich das Denkmal bis dahin verändert, bekommen alle auch noch eine Gratis-Eintrittskarte dazu. "Die gilt dann ab 2014", sagt Rödger.