Mansfeld-Südharz: Schandfleck soll an Volkstedt verkauft werden

07.08.2012 18:45 Uhr | Aktualisiert 08.08.2012 11:26 Uhr
Die Gemeinde möchte das alte Konsum-Gebäude gern abreißen. (FOTO: KLAUS WINTERFELD) 
Von Jan-Ole Prasse
In Volkstedt stehen seit Jahren viele verfallene Häuser. Der Eigentümer des schlimmsten Schandflecks sagt zu, an die Gemeinde zu verkaufen.
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Volkstedt/MZ. 

Die Fensterscheiben zur Straße sind alle zerschlagen, der Putz von der Fassade bröckelt, das Dach ist undicht. Diesen Blick müssen die Volkstedter jedes Mal ertragen, wenn sie ihr Bürgerhaus im Lindenweg 20 betreten wollen. Denn direkt daneben liegt die Ruine der ehemaligen Konsumgaststätte, die seit etwa 15 Jahren leer steht. "Ich bin mir sicher, dass da mittlerweile Waschbären hausen", sagt Ortsbürgermeisterin Martina Schmidt.

Der Eigentümer dieses über 4000 Quadratmeter großen Schandfleckes ist die IMS Immobiliengesellschaft aus Leer (Niedersachsen). Seit drei Jahren steht Schmidt in Verhandlungen mit dem IMS-Seniorchef Günter Kuhlmann. Die Gemeinde würde das Haus gerne für einen symbolischen Euro übernehmen und dann abreißen. "Wir wollen es nur noch weg haben", macht die 52-Jährige klar. Der Abriss würde, wenn er mit Baufirmen zum Normalpreis gemacht werde, knapp 70 000 Euro kosten. "Wir könnten mit der Justizvollzugsanstalt Volkstedt und Bürgerarbeitern daran gehen. Viele ortsansässige Firmen haben ihre Hilfe auch schon zugesagt", erzählt Schmidt. Die Verhandlungen über den Verkauf sind Ende März dieses Jahres zunächst gescheitert.

Kuhlmann reagiert auf MZ-Nachfrage zunächst schockiert über den Bauzustand des Hauses: "Sieht das wirklich so schlimm aus, wie berichtet?", fragt er. Eigentlich hatte er auf eine Wertsteigerung des Grundstückes gehofft. Nach einigen Minuten des Überlegens verspricht er: "Dann kriegt die Gemeinde das eben für einen Euro", und ergänzt: "Dieses Versprechen ist verbindlich, das können sie so schreiben." Mittlerweile ist nach Angaben der Immobiliengesellschaft der Kaufvertrag ausgearbeitet und soll in den nächsten Tagen verschickt werden.

Die ehemalige Konsumgaststätte ist aber nicht das einzige Ärgernis für die Volkstedter. Nur zwei Straßen weiter in der Bergstraße steht ein großes Einfamilienhaus seit Jahren leer. Nach der Eingemeindung Volkstedts in die Lutherstadt Eisleben ging es in den Besitz der Wohnungsbaugesellschaft über. Die verkaufte die Ruine "im Paket" vor knapp einem Jahr an einen englischen Investor. Passiert ist seitdem nichts.

"Es gab Kaufinteressenten aus dem Ort", ärgert sich Schmidt. Auf MZ-Nachfrage bestätigt die Wobau, dass es weitere Bieter gab. "Der englische Investor wollte aber nur kaufen, wenn er alle Objekte, die er sich ausgesucht hatte, auch bekommt", sagt Geschäftsführer Rolf Erdmenger: "Wir sind der Meinung gewesen, dass es ein gutes Geschäft war."

Immerhin weiß die Ortsbürgermeisterin bei diesen beiden Ruinen, wer die Eigentümer sind. Bei den zwei Nachbarhäusern, die seit der Wende leer stehen, ist der unbekannt. "Da können sie dann gar nichts machen", sagt Schmidt bitter. Vor der gleichen Problematik steht die Ortsbürgermeisterin bei den Mansfeld Baracken direkt gegenüber der Justizvollzugsanstalt. "Das soll einem Holländer gehören", sagt sie: "Aber von den fünf Adressen, die ich vom Ordnungsamt bekommen habe, stimmt keine. Einmal zeigte der Pfeil bei der Karte im Internet sogar direkt auf einen Misthaufen."

Und so wird Martina Schmidt weiter gegen die Ruinen in ihrem Ortsteil kämpfen. Zumindest bei der ehemaligen Konsumgaststätte inzwischen mit Erfolg.