Mansfeld-Südharz: Schwarzfußporling im Baum

04.07.2012 17:37 Uhr | Aktualisiert 04.07.2012 22:20 Uhr
Drucken per Mail
Schwarzfußporling

Der Schwarzfußporling in der Sangerhäuser Schmidtstraße. (FOTO: MAIK SCHUMANN)

Von Helga Koch
Pilz-Experte Jürgen Peitzsch staunt über das große Exemplar auf einer Sangerhäuser Linde. Der Baum wird nun wohl in wenigen Jahren eingehen.
Sangerhausen/MZ. 

Da staunt selbst Pilz-Experte Jürgen Peitzsch: Der Pilz, der seit einiger Zeit auf einer Linde in der Sangerhäuser Friedrich-Schmidt-Straße wächst, hat einen Durchmesser von einem reichlichen halben Meter. "Das ist ein Breitschuppiger Schwarzfußporling und ein außergewöhnlich großes Exemplar", sagt Peitzsch. Pilze dieser Art habe er bisher nur in einer Größe von etwa 30 Zentimetern entdeckt.

Und wenn der Wettelröder das sagt, will es schon was heißen. Schließlich ist Jürgen Peitzsch seit 1975 Pilzberater. Erst war er in diesem Ehrenamt im Kreis Sangerhausen tätig, nun teilt er sich die verantwortungsvolle Aufgabe mit Uwe Hoffmann aus Hergisdorf für den Landkreis Mansfeld-Südharz.

Den Pilz hat allerdings nicht Jürgen Peitzsch selbst entdeckt, sondern Jürgen Ermisch, der nur wenige Meter von der Linde entfernt sein Geschäft als Optiker hat. "Gleich daneben brütet eine Ringeltraube", sagt Ermisch.

Der Breitschuppige Schwarzfußröhrling sei in solcher Höhe von gut und gerne fünf Metern auch nicht allzu häufig anzutreffen, erklärt Peitzsch. "Deshalb dachte ich erst, es wäre ein Schwefelporling." Außer dem Hauptpilz wüchsen noch jede Menge kleinere Pilze an der Stelle, sozusagen dachziegelförmig. "Meist wächst dieser Pilz erst, wenn ein Baum schon umgestürzt oder am Absterben ist." Die Linde sehe zwar noch gut aus, doch sie werde wohl in vier, fünf Jahren eingehen. "An der Stelle, wo der Pilz wächst, muss eine Wunde sein, dort ist der Pilz eingedrungen. Vielleicht ist mal ein Ast abgebrochen."

Als junger Pilz sei der Breitschuppige Schwarzfußporling sogar essbar, aber keineswegs so wohlschmeckend wie etwa Champignons oder Steinpilze. "Ich habe ihn roh mal gekostet. Er schmeckt mild und auch nicht bitter, aber eigentlich wie Stroh oder weiches Holz."

Apropos Champignons. Im Mai habe er schon einige Champignons und Mairitterlinge gefunden, sagt Peitzsch. Und auch Frühlingsstockschwämmchen. "Die richtigen Stockschwämmchen wachsen ja erst im August." Dass das Frühjahr unheimlich trocken war und im März oder April kaum Regen fiel, habe sich schon auf die Natur ausgewirkt. Erst nach den Niederschlägen Anfang Mai hätten sich Maipilze eingestellt. "Aber Pilze, die am Holz wachsen, also zum Beispiel der Schwarzfußporling, sind nicht so direkt von Niederschlägen abhängig wie Pilze, die direkt am Boden wachsen", erklärt Peitzsch. "Der Schwarzfußporling lebt als Parasit und Schmarotzer auf Holz und wird die Linde nach und nach kaputt machen." Im Vergleich dazu gebe es übrigens auch Pilze, die nur auf totem Holz leben.

Für die Linde an der Friedrich-Schmidt-Straße dürfte es also keine Rettung mehr geben. "Es gibt keine Möglichkeit, den Baum von dem Pilz zu befreien. Das wäre viel zu aufwendig. Bei lebenden Bäumen ist da wenig zu machen. Es sei denn, der Pilz wächst an einem Ast, aber der hier ist mittendrin."