Spiele standen am 1. Mai auf der Pfalz Tilleda für Besucher im Mittelpunkt. (ARCHIVFOTO: HOFFMANN)
Wer denkt, dass früher das Leben nur aus Arbeit bestand und dass die Menschen erst mit der Erfindung von Gameboy, Wii und Co. gefallen am Spielen gefunden haben, der wurde am 1. Mai eines Besseren belehrt. Auf der Königspfalz in Tilleda wurde gezeigt, dass schon zu Zeiten von Otto, dem Großen, also um das Jahr 1 000, eine Vielzahl von Vergnügungen bekannt war.
Zu den uralten Spielen und Zerstreuungen gehörten nicht nur die heute weit verbreiteten Klassiker Schach und Mühle, sondern auch unbekannte Spiele mit den interessanten Namen "Alquerque", "Belagerungsspiel" oder "Königsjagd". Der Museumsleiter Michael Dapper berichtete, dass auch glasierte Spielzeugpferdchen, Figuren aus Eisen sowie Spielsteine und Würfel aus Hirschgeweihen zu den Fundstücken gehören, die eindeutig belegen, dass auch im frühen Mittelalter schon gespielt wurde.
Zum Vergnügungstag durfte auch alles einmal getestet werden. Die alten Spiele hatten zum Teil Sammler der Königspfalz zukommen lassen. Aber der 53-Jährige, der vor über zehn Jahren die Leitung der Königspfalz übernahm, hatte mit seiner Familie viele Dinge in Handarbeit nachgebildet. Der Archäologe erzählte: "Ich habe Fundkataloge gewälzt, um Spielanleitungen zu rekonstruieren, und Spielsteine selbst nachgegossen."
Auch der Sohn des Museumsleiters, Johannes, war auf der Königspfalz dabei. Der Schachfan wollte unbedingt das riesige Schachfeld, das seine Mutter selbst genäht hatte, bespielen. Die erste Partie habe er innerhalb von drei Minuten gewonnen, erklärte der Elfjährige. Sein zweites Opfer sollte nun Mario Hermann werden, der mit seiner Familie das verlängerte Wochenende für einen Kurzurlaub am Kyffhäuser nutzte. Die Leipziger hatten an diesem ersten Sommerwochenende von Kelbra aus das Kyffhäuserdenkmal und den Stausee besucht, auf den Streuobstwiesen gepicknickt und am Josephskreuz Walpurgis gefeiert. Nun am letzten Tag vor der Abfahrt stand die Königspfalz auf dem Plan. Der dreijährige Willi konnte mit Unterstützung von Vater Mario sogar das Bogenschießen probieren.
Diese alte Sportart hat es auch Julian Lühe angetan, der zu Hause slebst Pfeil und Bogen hat. Der 13-Jährige und seine Eltern aus Magdeburg hatten einen Tagesausflug zum Kyffhäuser geplant. "Dann haben wir die Schilder gesehen und sind neugierig geworden", erklärte Annette Lühne. Der Lehrerin hat die Pfalz mit ihren unterschiedlichen Angeboten so gut gefallen, dass sie auch einen Wandertag mit ihrer Schulklasse nach Tilleda plane, um das liebevoll nachgestellte Pfalzleben zu erkunden.
Dabei seien auf dem Gelände der Pfalz unterschiedlichste Dinge gefunden worden, sogar aus Knochen hergestellte Kufen für Schlittschuhe. Was man sich heute kaum vorstellen kann, funktioniert tatsächlich: Der Archäologe Dapper hat mit seinem Sohn den Nachbau gewagt. Ausprobiert wurden die Schlittschuhe Marke Mittelalter auf dem Tilledaer Dorfbach.
Michael Dapper hofft, dass auch in zwei Wochen die Sonne auf die Königspfalz scheint und viele Besucher anlockt: Dann startet ein abenteuerliches Projekt, bei dem eine Mittelaltergruppe in ein Gebäude auf der Pfalz einzieht und unter den Bedingungen von damals lebt.