Mansfeld-Südharz: Zwischen Hoffen und Bangen

13.07.2012 19:03 Uhr | Aktualisiert 13.07.2012 20:14 Uhr
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Unglücksstelle

An der Unglücksstelle auf der B 86 bei Riestedt bot sich den Rettungskräften ein Bild der Verwüstung. Der Kleintransporter liegt im Graben. (FOTO: PETER LINDNER)

Von wolfram bahn und karl-heinz klarner
Eine Frau und ihre drei Kinder aus Lüttchendorf warten nach dem Unfall bei Riestedt auf neue Nachrichten vom Familienvater, der noch immer im Koma liegt.
lüttchendorf/MZ. 

Den 15. Geburtstag ihrer ältesten Tochter wird Nadine G. aus Lüttchendorf wohl nie vergessen. Sie und ihr Mann wollten gemeinsam mit den anderen beiden Geschwistern (4 und 11 Jahre) am Freitag am Morgen gratulieren. Doch es kam alles ganz anders. Es ist ein Unglück geschehen, das den eigentlichen Freudentag überschattete. Der 38-jährige Familienvater ist am Abend zuvor bei einem Unfall auf der B 86 bei Riestedt schwer verletzt worden. Er liegt seither in einer Klinik in Nordhausen und schwebt noch immer in Lebensgefahr.

"Wir können das alles noch gar nicht richtig fassen", erzählt Nadine G. mit schluchzender Stimme. Die 37-jährige gelernte Bürokauffrau hatte noch am Nachmittag vor dem Unglück mit ihrem Mann telefoniert. "Er wollte abends so gegen halb acht zu Hause sein", erinnert sie sich genau. Als Handwerker war ihr Mann mit anderen Leuten aus dem Mansfelder Land auf einer Baustelle einige hundert Kilometer weiter westwärts im Einsatz. Sie alle befanden sich in einem VW-Kleintransporter auf dem Nachhauseweg, als der schreckliche Unfall bei Riestedt geschah.

Nach Polizeiangaben war offenbar ein missglücktes Überholmanöver Auslöser für den Crash. Demnach hatte ein 55-jähriger Thüringer in einer Rechtskurve mit seinem VW-Golf mehrere Fahrzeuge überholt. Als er auf Höhe eines Lasters war, sei ihm der VW-Kleinbus entgegen gekommen, der sofort eine Gefahrenbremsung eingeleitet habe, schilderte Polizeihauptkommissar Gunnar Graßmann den Hergang. Anschließend streifte der Golf den Kleintransporter, der dadurch in den Gegenverkehr geriet und frontal mit einem Sattelzug zusammenstieß. Beide Fahrzeuge landeten auf dem Acker. "Aus dem Kleintransporter wurden mehrere Insassen auf die Fahrbahn geschleudert", sagte Graßmann.

Zu dieser Zeit ahnte Nadine G. noch nicht, welcher Schicksalsschlag ihre Familie treffen sollte. Als es jedoch immer später wurde, "bin ich natürlich unruhig geworden", berichtet sie. Sie versuchte, ihren Mann über Handy zu erreichen. Es ging aber nur die Mailbox an. Inzwischen hatte die Lebensgefährtin eines Kollegen ihres Mannes bei ihr nachgefragt, ob sie wisse, warum noch keiner da sei.

Da war es schon fast halb zehn und ihr dämmerte allmählich, dass irgendwas passiert sein müsse. Sie habe die Polizei angerufen, dann die Leitstelle, doch keiner habe ihr was Genaues sagen können. Schließlich ist ihr Vater losgefahren, direkt ins Polizeirevier nach Eisleben. Dort erfuhr er, dass sein Schwiegersohn schwer verletzt sei und in eine Klinik nach Nordhausen gebracht wurde. "Die Lage vor Ort war lange unklar", sagte ein Polizeisprecher. Dadurch habe man die Ehefrau nicht gleich informieren können.

Nadine G. ist mit ihrer Schwiegermutter und einer Bekannten sofort nach Nordhausen gefahren. Um Mitternacht kamen sie an. Ihr Mann lag noch immer im OP-Saal. Er habe schwere innere Verletzungen an der Lunge und an der Leber und sei noch nicht über den Berg, habe der Chefarzt ihr erklärt. Man hat ihn dann ins künstliche Koma versetzt. Sein Zustand ist ernst.

Nadine G., die krankgeschrieben ist, und ihre Kinder, die am Freitag nicht in den Kindergarten und die Schule gehen mussten, warten seither in ihrer Wohnung in Lüttchendorf auf Nachrichten aus dem Krankenhaus. Ein Warten zwischen Hoffen und Bangen.