Mansfelder Land: Einsatz am Süßen See

14.06.2012 19:27 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 21:05 Uhr
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Das Bild trügt. Am Süßen See

Das Bild trügt. Am Süßen See geht es nicht nur friedlich zu. Angler und der Pächter des Sees liegen über Kreuz. (FOTO: ARCHIV/JÜRGEN LUKASCHEK)

Von Wolfram Bahn
Der Pächter lässt Angler von einem Detektiv kontrollieren. Die Hobby-Fischer ärgert das genauso wie die Höhe der Gebühren. Ministerpräsident Haseloff soll jetzt schlichten.
seeburg/MZ. 

Der Süße See im Mansfelder Land ist ein Anziehungspunkt für Ausflügler. Sie kommen auch, um dort Ruhe zu finden. Doch die Beschaulichkeit täuscht. Denn Angler und ein Berufsfischer, der den See gepachtet hat, liegen im Clinch. Es geht um den Pächter, den Preis für die Angelkarten und die Art, wie am See kontrolliert wird. Der Konflikt wird unter Anglern heftig diskutiert - und das weit über den Landkreis hinaus. Sogar Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist eingeschaltet.

"Das kann so nicht weitergehen", klagt Frank Tober aus Wansleben. Er wirft schon seit vielen Jahren am Süßen See seine Angeln aus, doch "so schlimm wie jetzt war es noch nie". Sein Ärger bezieht sich vor allem auf die hohen Preise für einen Angelschein. 130 Euro kostet die Jahreskarte, und das ohne Nachtangelerlaubnis. Zum Vergleich: Für weniger Geld können Mitglieder des Deutschen Anglerverbandes (DAV) alle Gewässer des Verbandes in Sachsen-Anhalt beangeln. Die Wut der Angler richtet sich aber auch gegen den Fischereiaufseher und einen Detektiv aus Leipzig. Sie gehen zumeist an Wochenenden im Auftrag des Pächters im Seegebiet auf Kontrollgang. Die Methoden, die sie angeblich anwenden, sind nach Ansicht der Angler fragwürdig. Von Gängelei, Nötigung und Erpressung ist die Rede. Wer bei einem vermeintlichen Verstoß ertappt wird, sehe sich oft mit der Drohung konfrontiert, es werde Anzeige erstattet. Um das zu vermeiden, zahle man lieber, berichten Betroffene. Die Summe sei meist Verhandlungssache mit der Fischereiaufsicht.

Man prüfe nur, ob sich alle an die Anglervorschriften halten, weist der Detektiv die Vorwürfe zurück. 23 Kontrollen gab es 2011. Von Rechtsbruch könne keine Rede sein. In Fällen, die nicht zur Anzeige kamen, hätten die Angler freiwillig eine Geldstrafe entrichtet, sagt er. Was mit dem Geld passiert, dazu wollte er nichts sagen.

Ungeachtet dessen verteidigt Ulrich Kulawik, der Inhaber des Fischerhofs am Kernersee und Pächter des Süßen Sees, das Vorgehen der Fischereiaufsicht. Es komme fast jede Woche zu Verstößen, auch zu Wildfischerei. "Das ist ein Straftat", erklärt Kulawik, der auch die Preise für die Angelscheine verteidigt. Überall werde es teurer, sagt der 54-jährige studierte Binnenfischer, der ein Dutzend Leute beschäftigt. Auf Betreiben des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, der die Seen im Auftrag des Landes verwaltet, musste er aber in einem Punkt einlenken: Er darf Angler, die wegen Verstößen auf einer "schwarzen Liste" standen, keinen neuen Angelschein verweigern.

Das reicht den Anglern nicht aus. Sie haben einen eigenen Verband gegründet, um den "ständigen Rechtsbrüchen und kriminellen Machenschaften" ein Ende zu gebieten. Sie werfen Kulawik auch vor, Raubbau am Fischbestand zu betreiben und sich nicht an die Naturschutzbestimmungen am Schilfgürtel zu halten. Ein hallescher Rechtsanwalt, der Vorsitzender eines Segelsportclubs ist, hat alle "Vorkommnisse" zusammengetragen und die Erfahrungsberichte der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Was daraus wird, ist noch offen. Die Behörde hält sich bedeckt.

Auch zum Leidwesen von Landrat Dirk Schatz (CDU). Er würde am liebsten den öffentlich bestellten Fischereiaufseher, der aus Neu-Ulm kommt, samt Detektiv "aus der Schusslinie" nehmen. Heißt, durch einen anderen ersetzen. Der Landkreis als Untere Fischereibehörde könnte das. "Doch ich brauche dafür eine rechtlich abgesicherte Handhabe", hatte Schatz jüngst Ministerpräsidenten Haseloff erklärt.

Der Regierungschef hatte sich Ende Mai bei einer Stippvisite am See als Vermittler versucht, nachdem die Wogen des Streits bis Magdeburg hochgeschlagen waren. Beide Seiten sollten sich an einen Tisch setzen und die Probleme ausräumen, schlug er vor. Der Süße See sei so ein schöner Flecken Erde, so Haseloff, da müsse es doch möglich sein, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Insider bleiben skeptisch, auch wenn an einem Gesprächstermin gefeilt wird. Die Fronten seien zu verhärtet, sagt Jürgen Ludwig (parteilos), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Mansfelder Seegebiet. Er ist froh, dass mit Fördermitteln des Landes das Seeumfeld verbessert werden konnte. Für eine halbe Million Euro wurde gerade der Badestrand am Nordufer neu gestaltet. Zudem ist ein Rastplatz für Radwanderer ist entstanden.

Auch am Fischerhof am Kernersee hat sich viel getan. Eine "gläserne" Halle zur Fischereiverarbeitung wurde gebaut, die Zufahrt ist jetzt gepflastert. Trotz des Konflikts schmiedet Kulawik neue Pläne. Er will ein historisches Fischerdorf errichten, so wie sie einst im 18. und 19. Jahrhundert ausgesehen haben. Die meisten Informationen dazu hat er aus alten Gerichtsakten. Daraus weiß er auch: "Die Fischer im Seegebiet sind halt schon immer keinem Streit aus dem Weg gegangen."