Naturschutz: Aufregung unter Bäumen

10.05.2012 21:15 Uhr | Aktualisiert 10.05.2012 21:33 Uhr
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Oliver Reinke (l.) und Oliver Wendenkampf

Oliver Wendenkampf vom BUND liest die Fällgenehmigung, die ihm Oliver Reinke hinhält. (FOTO: MATTHIAS BARTL)

Von matthias bartl
Die Bürgerinitiative (BI) "Anhalt-Köthen" hat am Donnerstagvormittag in Zusammenarbeit mit dem BUND des Landes die Fällung von Kastanien auf dem Neustädter Platz verhindert.
köthen/MZ. 

Mitglieder der Bürgerinitiative hatten am Tag zuvor an der Einfahrt zum Parkplatz auf dem Neustädter Platz einen Zettel hängen sehen, auf dem die Stadt darüber informierte, das am nächsten Baumfällarbeiten beginnen sollte. Daraufhin hatte die BI schnell reagiert, BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf angerufen, der zusagte, nach Köthen zu kommen, um die BI bei ihren Bestrebungen zu unterstützen, die Fällungen zu verhindern.

Die ersten, die mit der Aktion der rund zehn Leute aus der Bürgerinitiative konfrontiert waren, waren die Männer der Firma Gerken aus Stackelitz, die an diesem Tag beginnen sollten, erst einmal fünf der Bäume zu fällen. "Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte Gerken-Mitarbeiter René Haberland. "Ich dachte, so etwas gibt es nur bei Stuttgart 21." Man habe sich mit den Leuten unterhalten, und als man merkte, "die meinen das ernst", habe man die Stadt informiert.

Die zunächst mit zwei Mitarbeitern auf dem Neustädter Platz erschien: Daniela Wolf vom Ordnungsamt und Frank Hoffmann vom Baudezernat. Wendenkampf, erfahren in Auseinandersetzungen dieses Zuschnitts, wollte die Genehmigung zum Fällen der Bäume sehen. "Dies wurde mir zunächst verweigert, später hielt man mir die gefaltete Genehmigung hin, aber da konnte man natürlich nichts lesen." Dies war letztlich ausschlaggebend für eine Eskalation.

Denn Wendenkampf fotografierte die Szene, Hoffmann verbat es sich, fotografiert zu werden und legte, als Wendenkampf nicht aufhörte, diesem beide Hände auf die Schultern. Was der BUND-Mann als tätlichen Angriff wertete und seinerseits nach der Polizei rief. Da auch schon die Vertreter der Stadtverwaltung die Polizei um Amtshilfe gebeten hatten, standen am Ende fünf Vertreter des Gesetzes auf dem Neustädter Platz. Wo den Bürgerinitiativlern bedeutet wurde, sie hätten den Platz zu verlassen, weil das Ordnungsamt einen Platzverweis erteilt habe. Von dem allerdings hatte niemand etwas mitbekommen.

Zusätzlich gerieten die Bürger in Rage, weil die Polizei nun von jedem Anwesenden die Personalien aufnehmen wollte - "mit welcher Begründung", wollte Jörg Rosenkranz wissen . Für ein Gespräch reiche es aus, sich vorzustellen. Man sei dem Platzverweis nicht nachgekommen, hieß es als Begründung für die Personalienfeststellung. Falsch, sagten die Vertreter der BI, es habe überhaupt keinen Platzverweis gegeben.

Durchtrennt wurde der Gordische Knoten in dem Moment, als Baudezernentin Ina Rauer und Umweltamtsleiter Oliver Reinke auf der Bildfläche erschienen. Wendenkampf konnte nun die am 19. April durch die Landkreisverwaltung ausgestellte Fällgenehmigung lesen - und legte sofort Widerspruch gegen die Genehmigung ein. Die Stadt erbot sich, den Widerspruch, der auf einem schnell aus einem Heft gerissenen Zettel formuliert und unterschrieben wurde, an den Landkreis weiterzuleiten. "Wir werden die Fällaktion für heute fallenlassen", verkündete Ina Rauer anschließend. Man wolle erst einmal die Rechtmäßigkeit des Widerspruchs prüfen lassen. Für die Dezernentin ist die Sachlage ohnehin klar. "Wir haben eine ordentliche Genehmigung."

Thomas Gahler von der Bürgerinitiative wertet die Aktion als Erfolg. Man werde an der Sache dranbleiben, "und auf dem Neustädter Platz regelmäßig nach dem Rechten sehen". Allerdings: Erst einmal muss der Landkreis den Widerspruch bewerten. Das kann schon ein paar Tage dauern, zumal bei einer solch kniffligen Kiste.