Neugründung: Kulturverein will junge Talente fördern

16.07.2012 19:25 Uhr | Aktualisiert 16.07.2012 20:49 Uhr
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Herbert Hartung

Herbert Hartung (FOTO: MZ)

Die Orgel soll aus dem Kirchenmusik-Image geholt werden. Dafür gründet sich derzeit der Verein Kulturverein Sachsen-Anhalt mit Sitz in Wolfen. MZ-Redakteurin Lisa Garn sprach mit dem Vorsitzenden und Cösitzer Herbert Hartung.
wolfen/Cösitz/MZ. 

Die Orgel soll aus dem Kirchenmusik-Image geholt werden. Dafür gründet sich derzeit der Verein Kulturverein Sachsen-Anhalt mit Sitz in Wolfen. Das Deutsch-Russische Orgelfestival, das kürzlich seinen Abschluss in Cösitz fand, hat er bereits organisiert. MZ-Redakteurin Lisa Garn sprach mit dem Vorsitzenden und Cösitzer Herbert Hartung.

Es gibt so viele Vereine, die sich für die Kultur engagieren - warum braucht man nun einen neuen?

Hartung: Wir wollen die Musik in der Region fördern und einen kulturellen Austausch. Uns geht es um eine Völkerverständigung zwischen Deutschland und Russland, aber auch anderen Ländern.

Wie soll das funktionieren?

Hartung: Mit dem Orgelfestival haben wir schon einen ersten Schritt getan. Junge Organisten aus Russland und Deutschland haben hier gezeigt, was sie können. Mit dem Verein wollen wir solche Talente fördern, junge Menschen, die aus nicht so gut betuchten Familien kommen und sich vieles nicht leisten können, den Flug hierher zum Beispiel oder ein Instrument. Und wir möchten Jugendliche für die Orgel interessieren.

Das ist ja für viele nicht gerade ein Traum-Instrument.

Hartung: Es geht nicht nur um die Orgel, es sollen auch andere Bereiche wie das Violinenspiel gefördert werden. Aber die Orgel ist einfach ein traumhaftes Instrument. Der Klang ist unvergleichlich.

... aber lockt nicht gerade Massen an, oder?

Hartung: Das ist kurios: In Russland sind die Kirchen voll, wenn gespielt wird. Hier sagen Freunde zu mir: Du mit Deiner Kirchenmusik. Aber das stimmt ja nicht. Bach auf der Orgel oder Lieder wie Yesterday klingen wunderbar, das hat nichts mit schwerer Kirchenmusik zu tun. Wir wollen die Orgel aus dieser Nische holen. Die Leute, die jetzt bei den Konzerten waren, sind jedenfalls begeistert.

Was ist denn konkret an Veranstaltungen geplant?

Hartung: Zunächst wollen wir das Orgelfestival fortführen und die Organisation verbessern. Da geht es auch um Fragen, wie man die Übernachtungen und die Freizeit mit den Jugendlichen organisiert. Und wir möchten auch immer wieder Konzerte anbieten, jetzt grasen wir erstmal Sachsen-Anhalt ab.

Wie wird das Ganze finanziert?

Hartung: Es sind etliche Sponsoren nötig. Momentan sind wir neun Mitglieder aus Halle und Wolfen und brauchen unbedingt Zuwachs. Dafür müssen wir mehr auf uns aufmerksam machen. Außerdem hoffe ich, dass wir durch die Konzerte Spenden reinbekommen.

Woher kommt das Engagement gerade für Jugendliche?

Hartung: Ich weiß wie es ist, wenn man wenig Geld zur Verfügung hat. Ich habe zwei Kinder allein groß gezogen, da bleiben Dinge wie Musik auf der Strecke. Jetzt sind meine Töchter aus dem Haus und ich möchte andere unterstützen.

Und was hören Sie privat zu Hause?

Hartung: Natürlich auch Orgelmusik. Da kann man sich zurücklehnen und entspannt.